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27.05.19 11:00
Renten: "Green Bonds" im Kommen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am europäischen Staatsanleihemarkt stand in der letzten Woche das Marktsegment der Green Bonds im Blickpunkt, so die Experten von Union Investment.

Diese "Grünen Anleihen" würden zunehmend die Sympathien der Anleger gewinnen. Die Erlöse aus den Anleiheplatzierungen würden hauptsächlich der Finanzierung von Klima- und Umweltschutzprojekten dienen. Deren Platzierungspotenzial hätten mittlerweile auch die Staaten als Anleiheemittenten erkannt. Neben verschiedenen Unternehmen hätten in jüngerer Vergangenheit auch Länder wie Belgien, Frankreich, Polen oder Irland "Grüne Bonds" platziert.

Am Dienstag habe es in diesem Anleihesektor nun eine Premiere gegeben. Mit den Niederlanden habe sich nun erstmals ein mit der höchsten Ratingstufe dreifach-A benoteter Staat an den Primärmarkt für Green Bonds gewagt. Die Niederlande hätten zum Debüt gleich einen Langläufer mit 20 Jahren Laufzeit emittiert. Die Anleihe im Umfang von letztlich sechs Milliarden Euro habe im Orderbuch eine Nachfrage von mehr als 21 Milliarden Euro hervorgerufen. Die Rendite des Papiers habe bei Emission 0,57 Prozent betragen und damit 18 Basispunkte über jener laufzeitgleicher Bundeanleihen gelegen. Der Bund als Schuldner habe über die Finanzagentur kürzlich ebenfalls Pläne vorgestellt, in diesem aufstrebenden Marktsegment Papiere emittieren zu wollen. Bis dahin werde aber noch ein wenig dauern. Die hohe Nachfrage nach den niederländischen Papieren zeige auf, wie attraktiv mittlerweile das Segment nachhaltiger Anlagen für die Anleger sei.

Die US-Notenbank habe zur Wochenmitte das Protokoll der Sitzung vom 1. Mai veröffentlicht. Die Einschätzungen der FOMC-Mitglieder zu den Auswirkungen der anhaltend niedrigen Inflation auf die Geldpolitik würden dem Protokoll zufolge recht auseinander gehen. Insgesamt bleibe die FED aber unverändert bei der Erkenntnis, dass man hinsichtlich des nächsten Zinsschrittes weiterhin "geduldig" bleiben könne. Somit bleibe die US-Zinspolitik vorerst unverändert. Hinsichtlich der Steuerung der Notenbankbilanz habe es mit Blick auf die Laufzeit des Anleiheportfolios noch keine gemeinschaftliche Linie gegeben. Das Thema werde die Ausschussmitglieder weiterhin beschäftigen.

Die vor dem Hintergrund des verschärften Handelskonfliktes und schwächerer Wirtschaftsdaten (dabei in erster Linie der Einkaufsmanagerindices) zuletzt eher mäßige Risikoneigung der Anleger habe die Staatsanleihemärkte unterstützt. Auch habe die Spekulation auf US-Zinssenkungen für steigende Anleihekurse gesorgt (zehnjährige US-Treasuries: 2,32 Prozent am Freitagmittag). Die US-Kurve habe sich in der Berichtswoche um bis zu sieben Basispunkte nach unten verschoben.

Am europäischen Staatsanleihemarkt sei die zehnjährige Bundrendite auf minus 12 Basispunkte gefallen. Eine zur Wochenmitte anberaumte Aufstockung von Zehnjahrespapieren habe trotz negativer Rendite von sieben Basispunkten erfolgreich bei den Anlegern platziert werden können - Sicherheit bleibe Trumpf. Auch Italien, Spanien und Portugal hätten zum Schluss der Handelswoche rückläufige Renditen aufgewiesen. So hätten die Pläne der amtierenden spanischen Wirtschaftsministerin, das Nettoanleiheemissionsvolumen und damit auch die Verschuldung Spaniens zu reduzieren, für gute Stimmung gesorgt. Bereits im laufenden Jahr werde eine Verringerung um fünf Milliarden Euro erfolgen. Der Spread gegenüber laufzeitgleichen Bundesanleihen (zehn Jahre) habe sich in der Berichtswoche auf nur noch 93 Basispunkte verringert. Am letzten Freitagabend habe zudem die Ratingüberprüfung Spaniens durch Moody's sowie Portugals durch die Agentur Fitch auf der Agenda gestanden.

Britische Staatsanleihen (Gilts) hätten gegen Wochenschluss deutlich zugelegt. Im Rahmen des erwarteten und dann am Freitag angekündigten Rücktritts von Premierministerin Theresa May als Parteichefin sei die Zehnjahresrendite am britischen Staatsanleihemarkt auf 95 Basispunkte gefallen und habe damit ein Zweijahrestief erreicht. Unternehmensanleihen und auch Rentenpapiere aus den Schwellenländern hätten im Rahmen der verminderten Risikofreude steigende Risikoprämien (Spreads) verzeichnet. (Ausgabe vom 24.05.2019) (27.05.2019/alc/a/a)


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