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03.05.19 13:00
Lockere Geldpolitik beflügelt Aktienmärkte und sorgt für Renditerückgang bei Anleihen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Kapitalmärkte zeigten sich im ersten Quartal 2019 gegenüber Anlegern sehr gewogen; nach Beobachtung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, haben sich in der Vergangenheit die Aktienmärkte nach einem derart starken Einbruch wie Ende 2018 selten so schnell wieder erholt wie es zuletzt der Fall war.

"Die Geldpolitik hat einen entscheidenden Anteil an der schnellen Erholung der Aktienmärkte", erkläre Galler. Die klare Äußerung der US-Notenbank (FED) auf ihrer März-Sitzung, bis Ende des Jahres keine weiteren Zinserhöhungen vorzunehmen, habe die Märkte beflügelt. Es stelle sich nun die Frage, wie sich Anleger in diesem Marktumfeld positionieren sollten. Rund um den Guide to the Markets für das zweite Quartal 2019 erläutere Tilmann Galler die Themen, die für die weitere Entwicklung der Märkte relevant seien: Die Stimmung der US-Konsumenten, politische Risiken vor allem in Europa, die Kehrtwende der US-Notenbankpolitik sowie die Invertierung der Zinsstrukturkurve. Eine nachhaltige Rally an den Märkten könne sich nach Ansicht des Experten jedoch nur nach einer Trendwende bei den Unternehmensgewinnen etablieren.

In den USA sei das Verbrauchervertrauen insbesondere im Dezember 2018 sowie im Januar 2019 stärker geschwunden. Für die Bewertung der Situation gelte es jedoch, einen Blick insbesondere auf den Arbeitsmarkt zu richten, da es eine enge Korrelation zwischen Verbrauchervertrauen und Arbeitslosenquote gebe. Demnach sei die Situation am US-Arbeitsmarkt Anfang 2019 eher enttäuschend gewesen: Im Februar seien beispielsweise lediglich 20.000 neue Stellen geschaffen worden. Angesichts eines allmählich steigenden Lohndrucks sähen Unternehmen zunehmend davon ab, mehr Personal einzustellen. Dass sich der positive Trend etwas verlangsame, sei für den US-Zyklus in der Spätphase jedoch natürlich. Insgesamt gebe die Situation jedoch keinen Anlass zur Sorge: "Die nach wie vor sehr niedrige Arbeitslosenquote von lediglich 3,8 Prozent im Februar 2019 zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin stabil ist. Wir bleiben daher verhalten optimistisch für den Konsum und das Wachstum der US-Wirtschaft", erkläre Galler.

Eine mögliche Eskalation im Handelskonflikt sowohl zwischen den USA und China als auch zwischen den USA und Europa sei laut dem Experten derzeit die größte Herausforderung. Die Eurozone könnte dadurch ins Kreuzfeuer des Konflikts geraten. Zudem könnte sich die Situation in Italien ebenfalls negativ auf die Märkte auswirken. Gemäß aktuellen Umfragen habe sich die Stimmung in der italienischen Bevölkerung mit Blick auf die beiden Koalitionsparteien - die rechte Lega Nord sowie die linke Fünf-Sterne-Bewegung - inzwischen deutlich zugunsten der Lega Nord gedreht. Dies könnte unter Umständen den Ruf nach Neuwahlen aus diesem Lager lauter werden lassen.

"Die Sorgen um Italien lassen sich an den Rentenmärkten bereits deutlich ablesen; die Spreads 10-jähriger italienischer Staatsanleihen sind gegenüber deutschen Staatsbonds in den letzten Monaten in die Höhe geschnellt ", erläutere Galler. Eher geringes Potenzial für Auswirkungen auf die Märkte sehe er bei der im Mai stattfindenden Europawahl. Zwar könnte es sein, dass euroskeptische Parteien hinzugewinnen würden, doch sei nicht mit einer Unregierbarkeit in Straßburg zu rechnen. Allenfalls könnte die Koalitionsbildung schwieriger werden. Das Thema Brexit sehe Tilmann Galler ebenfalls nicht als großen Risikofaktor an. Die Märkte dürften seiner Meinung nach von einem harten Brexit verschont bleiben, da dies auch vom britischen Parlament nicht gewünscht sei.

Im Zuge der Abkühlung der US-Wirtschaft sei auch die unmittelbare Inflationsgefahr zurückgegangen. Die Frage sei, wie die Geldpolitik in dieser Situation idealerweise aussehen sollte. Auf der einen Seite gebe es Meinungen, wonach die FED mit ihren bereits erfolgten Zinserhöhungen einem Wirtschaftsaufschwung in den USA entgegenstehe. Andererseits sei die Situation der nach wie vor niedrigen Zinsen für Sparer weiterhin schwierig und daher würden andere die Ansicht vertreten, die Zinsanpassungen nach oben sollten weitergehen. Die FED habe nach Ansicht von Tilmann Galler nun einen "Schritt an die Seitenlinie" gemacht, um sich die Wirkung ihrer Politik zunächst einmal anzuschauen. Als nächster Zinsschritt könnte nach Einschätzung von Galler sogar wieder eine Senkung infrage kommen.

Mit Blick auf das Programm der Bilanzverkürzung, das am 1. Mai begonnen habe und bis Ende September 2019 abgeschlossen sein solle, sehe der Stratege ein Damoklesschwert für die Kapitalmärkte verschwinden - nämlich, dass das Liquiditätsumfeld zu restriktiv werden könnte. Auch andere Notenbanken in den Industrieländern seien inzwischen von einer Zins-Normalisierung zurückgewichen und würden bei einer lockeren Geldpolitik bleiben. In der Konsequenz seien Anleihenkurse zuletzt gestiegen, einhergehend mit einem Rückgang bei den Renditen.

Das schwächere Wachstum auf globaler Ebene habe dazu beigetragen, dass sich die Zinsstrukturkurven der 3-Monats-/10-Jahres-Renditen in den USA inzwischen invertiert hätten. Da eine Invertierung der Zinsstrukturkurve normalerweise Rückschlüsse auf das mögliche Eintreten einer Rezession zulasse, schüre dies aktuell Verunsicherung. Doch nach Analyse von Galler lasse sich festhalten, dass es sich um keine vollständige Invertierung handle. Die 2-Jahres- und die 10-Jahres-Renditen seien nach wie vor nicht invertiert, das heiße 2-jährige Renditen lägen nach wie vor niedriger als 10-jährige Renditen am Treasury-Markt. Selbst wenn diese unvollständige Invertierung als Rezessionssignal gedeutet werden würde, bestünde kein unmittelbarer Handlungsbedarf: "Die Faustregel besagt, dass es nach Invertierung der Zinsstrukturkurve meist eineinhalb bis zwei Jahre dauert, bis eine Rezession eintritt", sage der Stratege.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik habe nach Ansicht von Tilmann Galler dazu geführt, dass viele Assetklassen teurer geworden seien. Gegenüber Anleihen seien Aktien jedoch nach wie vor attraktiver. Nichtsdestotrotz seien die Bewertungen zum Teil bereits erhöht, sodass die zukünftigen Ertragserwartungen inzwischen geringer ausfallen würden. Mit Blick auf die Rentenmärkte sehe Tilmann Galler das Hochzinssegment im Vorteil gegenüber qualitativ hochwertigeren Investment-Grade-Anleihen.

"Die Risikoaufschläge im Investment-Grade-Bereich sind weiterhin auf einem sehr durchschnittlichen Niveau, sodass das Risiko-Rendite-Profil in diesem Segment nicht sehr attraktiv ist", stelle Galler fest. Die Ausfallquoten bei Hochzinsanleihen seien dagegen weiterhin relativ moderat mit derzeit rund 1,8 Prozent. Im Lauf des Jahres dürfte die Ausfallquote nach Meinung von Tilmann Galler sogar auf unter 1 Prozent fallen.

Anleger sollten sich angesichts zunehmender Unsicherheiten an den Märkten jedoch möglichst breit diversifiziert aufstellen. Es sei angebracht, in Zukunft stärker auf Substanzaktien- sowie ertrags- und ausschüttungsorienterte Income-Strategien zu setzen, und dafür Positionen im Wachstumsbereich und bei den Small-Caps zu reduzieren. (03.05.2019/alc/a/a)



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