Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Für Indonesien, den größten Inselstaat und das zugleich viertbevölkerungsreichste Land, wird der 17. April eine demokratische Bewährungsprobe der Superlative, so Carl Vermassen, Senior Portfoliomanager Emerging Markets Fixed Income bei Vontobel Asset Management.
Denn mehr als 240.000 Kandidaten würden sich den über 190 Millionen Wahlberechtigten den mehr als 20.000 Mandate zur Wahl stellen. Nicht weniger als fünf Abstimmungen müssten dabei für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, für das Unterhaus (DPR), den Regionalrepräsentantenrat und die lokalen Provinz- und Gemeinderäte durchgeführt werden. Doch die größte Aufmerksamkeit - auch aus Sicht der Märkte - gelte den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.
Der amtierende indonesische Präsident Joko Widodo, auch bekannt als Jokowi, trete gegen den ehemaligen General Prabowo Subianto für eine fünfjährige Amtszeit zwischen 2019 und 2024 an. Die Wahl könne daher auch als eine Wiederholung der Präsidentschaftswahl von 2014 angesehen werden, bei der sich Jokowi gegen seinen Kontrahenten Probowo durchgesetzt habe.
Momentan würden die Märkte einen moderaten Wahlsieg von Jokowi antizipieren, so dass keine großen Reaktionen zu erwarten seien. Staatsanleihen in Lokalwährungen und Devisen könnten etwas zulegen, jedoch ohne größere Sprünge zu machen.
Anders sähe die Situation aus, sollte der diesjährige Wahlsieg deutlicher ausfallen als im Jahr 2014, als Jokowi nur eine knappe Mehrheit von sieben Prozent habe erzielen können. Das würde die Erwartungen an einen Bullenmarkt steigen lassen. In der Folge würden Staatsanleihen in Lokalwährungen um 25 Basispunkte zulegen können und die Indonesische Rupiah könnte ihren diesjährigen Höchststand von 13.900 gegenüber dem US-Dollar übertreffen. Der Haupttreiber der Entwicklung der Währung sei eine rasche Auflösung der Währungsabsicherungsgeschäfte der Marktteilnehmer, da sich diese momentan mehr auf kurzfristige Gewinnmitnahmen als auf die langfristige Entwicklung der Leistungsbilanz des Landes konzentrieren würden. Auch die Bedenken bezüglich eines möglichen Einschreitens der Bank of Indonesia, um einem übermäßigen Erstarken der Indonesischen Rupiah Einhalt zu gebieten, scheinen sie über Bord geworfen zu haben, so die Experten von Vontobel Asset Management.
Ein knapper Sieg von weniger als drei Prozent würde die Situation viel schwieriger machen: Prabowo habe zuvor angedeutet, dass er das Wahlergebnis infrage stellen werde, sollte seine Niederlage knapp ausfallen. Das bedeute, dass nationale Unruhen nach den Wahlen nicht ausgeschlossen werden könnten.
Sollte Prabowo wider Erwarten gewinnen, werde die Reaktion an den Märkten deutlich negativ ausfallen. Indonesische Lokalwährungsanleihen wären mit einem massiven Abverkauf konfrontiert, da internationale Investoren ihr derzeitig moderates Übergewicht in der Anlageklasse reduzieren würden. Dies könnte die Renditen 40 bis 65 Basispunkte in die Höhe schnellen lassen. Der Devisenmarkt wäre auch betroffen, wobei stützende Maßnahmen der Zentralbank zu erwarten seien, sobald die Rupiah einen Wert von 14.500 bis 14.600 gegenüber dem US-Dollar erreiche. (16.04.2019/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de