London (www.anleihencheck.de) - Das EZB-Protokoll selbst sagt uns nichts, was wir nicht bereits von der Pressekonferenz nach der Sitzung und den jüngsten Reden wussten: Die EZB ist besorgt über das schwache globale Wachstum und den fehlenden Inflationsdruck, weshalb sie einstimmig beschlossen hat, ihre Forward Guicance auszuweiten und ihr Bankkreditprogramm zu verlängern, so Paul Diggle, Senior Economist bei Aberdeen Standard Investments.
Einige Mitglieder, darunter vielleicht Draghi, hätten sogar gewollt, dass sich der Ausblick bis 2020 auf extrem niedrige Zinssätze festlegen sollte. Die EZB gehe aber nach wie vor davon aus, dass es sich nur um eine Abschwächung handele, und eine robuste Binnenwirtschaft ein Abgleiten in die Rezession verhindern werde. Daher habe sie nicht an radikalere Lockerungsmaßnahmen gedacht.
Aber die EZB müsse bedenken, dass das Zögern ein Zeitdieb sei. Die Ausweitung der Vorwärtsprognose und die Einführung einer Einlagenstaffelung würden im Grunde genommen nur bedeuten, dass man in Bezug auf die Abschwächung in Europa an Randthemen herumtüftele.
Bei diesem Tempo werde es nicht mehr lange dauern, bis die Märkte beginnen würden die Wahrscheinlichkeit einzupreisen, dass die EZB das Quantitative Easing neu starten müsse. Wieder einmal sehe es so aus, als ob die EZB bei der Straffung der Geldpolitik zu schnell gewesen sei und bei der Lockerung zu langsam. Wir alle erinnern uns an die Katastrophe von Trichet, der die Zinsen 2008 erhöht hat, und Draghi musste in der Folge auf seine "Whatever It Takes"-Rede zurückgreifen, so die Experten von Aberdeen Standard Investments.
Es bestehe die Möglichkeit, dass China der EZB noch zur Seite stehen könnte. Eine deutliche Verbesserung der chinesischen Wirtschaft könnte durchaus durch ein Handelsabkommen mit den USA oder fiskalische Anreize erreicht werden. Das würde den großen europäischen Exporteuren wieder auf die Sprünge helfen. Aber man komme nicht umhin, dass dies ein suboptimaler Ansatz für Geldpolitik sei. (04.04.2019/alc/a/a)
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