Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kürzlich fiel die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen unter den Dreimonatszinssatz, so Frank Häusler, Chief Strategist bei Vontobel Asset Management.
Das sei sicher nicht das beste Zeichen für die US-Wirtschaft, da inverse Zinskurven und somit Kompressionen des Term Spread als Rezessionsindikatoren gelten würden. Allerdings würden sich wirtschaftliche Bedingungen erst dann verschlechtern, wenn sich alle relevanten Segmente der Zinskurve (zwei Jahre/zehn Jahre, fünf Jahre/30 Jahre und drei Monate/zehn Jahre) gleichzeitig invertieren würden. Für Rezessionsängste sei es deshalb noch zu früh.
Rezessionen würden fast unausweichlich auf Expansionsphasen folgen, wie man sie in den vergangenen Jahren erlebt habe. Sie seien Teil des natürlichen Wirtschaftszyklus. Allerdings sei es schwierig, sie mit hoher zeitlicher Präzision vorherzusagen. Hier komme der Term Spread ins Spiel. Er ergebe sich aus der Differenz zwischen lang- und kurzlaufenden Staatsanleihen, die auf der Zinskurve in Abhängigkeit ihrer Restlaufzeiten dargestellt würden. Die Zinsen langlaufender Anleihen seien in Regel höher als die von Kurzläufern, denn Anleger möchten für ihr langfristiges Engagement, das mit mehr Unwägbarkeiten wie Inflationsrisiken einhergehe, entschädigt werden. Im positiven Normalfall habe die Zinskurve also eine steigende Tendenz und der Term Spread sei positiv.
Bisher zeige die Zwei Jahres/zehn Jahres-Zinskurve weiterhin einen normalen Verlauf, während die Fünf Jahres/30 Jahres-Zinskurve noch steiler angestiegen sei. Basierend auf diesen und weiteren Indikatoren zeigt unser Rezessionsmodell derzeit eine Rezessionswahrscheinlichkeit in den USA von 17 Prozent in den nächsten zwölf Monaten an, so die Experten von Vontobel Asset Management.
Ein weiterer viel beachteter Indikator sei der kurzfristige Forward Spread. Er reflektiere die Anlegererwartungen zur FED-Politik. Der Spread ergebe sich aus der Differenz zwischen der implizierten dreimonatigen Forward Rate in 18 Monaten und dem aktuellen Dreimonatszins. Derzeit stünden diese beiden Größen in einem inversen Verhältnis zueinander, sodass der aktuelle Zins über der Forward Rate liege. Das signalisiere, dass die Marktteilnehmer in Zukunft Zinssenkungen erwarten würden unter der Annahme, dass die FED über ihr Ziel einer Normalisierung der Geldpolitik hinausgeschossen sei, während die Wachstumsaussichten nach unten revidiert worden seien.
Die Experten von Vontobel Asset Management seien allerdings anderer Ansicht. Ihrer Meinung nach sei die derzeitige FED-Politik zu gemäßigt. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich das Wachstum in China, Europa und auch in den USA stabilisieren werde. Die USA befänden sich lediglich auf einem Wachstumsnormalisierungspfad und nicht auf einer Abwärtsbewegung. Das Wachstum von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr sei auf lange Sicht einfach nicht nachhaltig gewesen. Daher würden die Experten derzeit davon ausgehen, dass das US-Wachstum in diesem Jahr 2,2 Prozent erreichen werde und weitere Zinserhöhungen über die nächsten 18 Monate stattfinden würden. China habe kürzlich positive Einkaufsmanager-Index-Daten veröffentlicht und der Li Keqiang-Index signalisiere künftig stabile Bedingungen.
Von einer Stabilisierung Chinas werde auch Europa profitieren. Die sich abzeichnenden Signale führender Wirtschaftsdaten in Europa würden darauf hindeuten, dass das Wachstum nur verzögert worden sei und nicht komplett ausfalle. Die europäische politische Agenda sei zwar voll mit herausfordernden Themen wie dem Brexit, drohenden Autozöllen, EU-Parlamentswahlen und populistischen Tendenzen. Allerdings hätten alle diese Ereignisse mehr oder weniger feste Termine, sodass Anleger relativ schnell wissen sollten, woran sie seien. Darüber hinaus dürfte die Europäische Zentralbank kein Hindernis darstellen, da Zinserhöhungen derzeit nicht auf der Tagesordnung zu stehen scheinen, so die Experten von Vontobel Asset Management. Daher würden die Experten davon ausgehen, dass Europa im weiteren Jahresverlauf auf leicht höherem Niveau als die USA wachsen werde. (03.04.2019/alc/a/a)
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