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23.11.18 13:30
(Wohlüberlegte) Kaufgelegenheiten bei Kurzläufern

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am vergangenen Dienstag mussten risikoreiche Vermögenswerte weltweit starke Kursrückgänge verbuchen, so Mark Holman, CEO bei TwentyFour Asset Management.

Technologiewerte seien zwar am stärksten betroffen gewesen, allerdings sei kaum eine Anlageklasse unversehrt geblieben.

Der eigentliche Auslöser für die gegenwärtige Misere sei tatsächlich der 3. Oktober gewesen. An dem Tag habe sich US-Notenbank-Präsident Jerome Powell dahingehend geäußert, dass die Zinsen noch weit von einem neutralen Niveau entfernt seien und die FED angesichts der Stärke der US-Wirtschaft eventuell sogar noch weiter gehen müsse.

Damit sei das Zinsrisiko zum größten Risikofaktor geworden, was für die Märkte immer etwas unangenehm sei, da Korrelationen in der Folge ihre Aussagekraft verlieren könnten - auch, wenn trotz der letzten starken Aktienausverkäufe eine Rally bei Anleihen bemerkenswerterweise ausgeblieben sei.

Seit Powells Äußerungen vom 3. Oktober hätten sich die Renditeabstände dramatisch auf den höchsten Stand seit Anfang 2016 ausgeweitet, die Performance im Jahr 2018 sei nun die schlechteste seit 2011. US-Treasuries mit längerer Laufzeit hätten festverzinsliche Portfolios im letzten Teil des Ausverkaufs vielleicht gestützt, allerdings würden sich ihre Renditen erst wieder auf dem Stand vom 3. Oktober befinden.

Die negative Stimmung und das Unbehagen der Anleger würden durch eine Reihe weiterer Ursachen verstärkt: Den Rückgang des WTI Rohölpreises um fast 30 Prozent seit dem 3. Oktober, Italiens Budget-Kampf, den Brexit, die Handelsgespräche zwischen den USA und China, ein negatives deutsches BIP-Wachstum, der Intensivierung des "Quantitative Tightening" in den USA im Oktober und dem bevorstehenden Ende des "Quantitative Easing" in der Eurozone im Dezember. Dementsprechend würden sich die Anleger fragen, woher die nächste Wachstumswelle kommen sollte. Angesichts der relativen Nähe zum Ende des Zyklus sei die Reaktion entsprechend ausgeprägt gewesen. Die Volatilität sei zurück.

Die Besorgnis über die späte Phase des Zyklus lasse sich nicht wegdiskutieren, auch nicht die Zinserhöhungen, die das zukünftige Wachstum beeinträchtigen würden und ebenso wenig die anderen oben genannten, die Stimmung belastenden, Faktoren.

Allerdings würden die Experten im festverzinslichen Bereich eine Abkoppelung von den Fundamentaldaten sehen, denn am Beginn der Entwicklung habe Powells Feststellung eines robusten und nachhaltigen Wachstums gestanden. Nun würden sich die Märkte aber offenbar genau über dieses Wachstum Sorgen machen. Als Fixed-Income-Investoren würden die Experten zwar kein schnelles Wachstum mögen - sie würden eher langsames und stetiges Wachstum bevorzugen - aber sie würden auch nicht das Ende von Kreditzyklen mögen, sodass Nervosität in dieser Phase verständlich sei.

Die Experten bei TwentyFour würden nicht glauben, dass das Ende des Zyklus bereits erreicht sei (2020 sei das nach Meinung der Experten aber durchaus möglich). Das Wachstum wird sich 2019 sicherlich abschwächen und uns dem Ende des Zyklus näherbringen, aber wir könnten auch die Auflösung einiger der geopolitischen Risiken erleben, die bis dahin ebenfalls die Märkte belasten, so die Experten von TwentyFour Asset Management.

Die Renditeabstände seien im Allgemeinen zu groß geworden. Nach wie vor würden die Experten die USA für den teuersten Teil der Welt halten, obwohl die Renditedifferenzen gerade hier am stärksten gestiegen seien. Europa, Großbritannien und Asien seien attraktiver.

Allerdings sei dies kein Zeitpunkt, um in der Hoffnung auf höhere Kapitalgewinne nach Anleihen mit längerer Laufzeit zu suchen, da Volatilität höchstwahrscheinlich ein Thema bleiben werde. Der Verkauf von Vermögenswerten sei ziemlich wahllos erfolgt und manchmal seien die am einfachsten zu verkaufenden Anleihen für Investoren diejenigen mit kürzerer Laufzeit - hier würden die Experten deshalb jetzt einige Kaufgelegenheiten sehen.

Einige der verkauften Anleihen mit kürzerer Laufzeit würden inzwischen sehr attraktive Renditen aufweisen, wie z.B. die 6,375 Prozent-Anleihen der Coventry Building Society in Pfund mit unbegrenzter Laufzeit (kündbar im November 2021 und mit 7,4 Prozent Rendite) und die ewige 6,5 Prozent-Anleihe der Banco Sabadell in Euro (kündbar Mai 2022 und mit 8,73 Prozent Rendite). Obwohl Anleihen mit kürzerer Laufzeit Wiederanlagerisiken beinhalten würden, würden die Experten dieses Risiko angesichts der Reife des Zyklus und ihrer Einschätzung, dass die Volatilität von Zeit zu Zeit steigen könne, für nicht allzu groß halten.

Kurz gesagt, die Experten würden die aktuelle Situation als Kaufgelegenheit sehen und sie würden nach Wegen suchen, um das Risiko in kürzeren Laufzeiten moderat zu erhöhen, um ihre Rendite zu steigern und von sich ausweitenden Renditeabständen zu profitieren. (23.11.2018/alc/a/a)



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