Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche hatten die Märkte einige Nachrichten über potenzielle Ausfälle im High-Yield-Sektor zu verkraften, so Felipe Villarroel, Portfolio Manager von TwentyFour Asset Management, einer Tochter von Vontobel Asset Management.
Den Anfang habe der italienische Infrastruktur- und Baukonzern CMC Ravenna gemacht, der angekündigt habe, die Coupons der 2023 fälligen Anleihen wegen eines "Liquiditätsengpasses" nicht fristgerecht bedienen zu können. Vergangenen Freitag habe die Anleihe nur noch bei 30 Cent notiert und sei seither um mindestens weitere 10 Punkte gefallen.
Auch beim britischen Lebensmittelhersteller Boparan scheine sich die Lage zuzuspitzen. Pressemeldungen zufolge seien das Bankhaus Rothschild sowie eine Anwaltskanzlei eingeschaltet worden, um das Unternehmen finanziell zu beraten, was Boparan bisher aber nicht bestätigt habe. Boparan habe früher in diesem Jahr bereits Vermögenswerte veräußert, um die 2019 fällig werdenden Anleihen teilweise vorzeitig zu kündigen. Noch sei das nicht geschehen, aber die Anleger seien zurecht in Sorge, besonders wenn nun tatsächlich die Finanzberater das Sagen hätten. Diese Unsicherheit spiegele sich auch im Kurs der Anleihe wider. Derzeit würden die 2019 fällig werdenden Papiere eine Rendite von 17 Prozent bei einer Restlaufzeit von acht Monaten aufweisen.
Die Ausfallrate von Hochzinsanleihen in Europa gehöre seit einigen Jahren mit zwei Prozent zu den niedrigsten weltweit und es sei kaum vorstellbar, dass sie noch tiefer sinken werde. Zwar sehe man bei der Ausfallrate kurzfristig keinen wesentlichen Anstieg, müsse aber davon ausgehen, dass die Ausfälle zunehmen würden, je reifer dieser Konjunkturzyklus werde.
Angesichts des heutigen Spread-Niveaus in einem für die Märkte schwierigen Jahr 2018 würden die Renditen der High-Yield-Anleihen es nach Auffassung der Experten von TwentyFour Asset Management derzeit nicht rechtfertigen, Positionen in Unternehmen einzugehen, die vor großen Herausforderungen stünden.
In der aktuellen Zyklusphase sollten Anleiheinvestitionen die Tatsache widerspiegeln, dass sich die Weltwirtschaft in einem Übergang befinde. Einerseits werde die Geldpolitik weniger expansiv sein als in der jüngsten Vergangenheit, andererseits habe das Wachstum viel von seiner Dynamik eingebüßt. Mit Blick auf das Portfolio sei das Polster schlicht nicht groß genug, um in diesem Jahr größere Anleiheverluste abzufedern. Stattdessen bleiben bessere durchschnittliche Ratings und weniger Anleiherisiken unser Credo in einem fortschreitenden Konjunkturzyklus, so die Experten von TwentyFour Asset Management. (16.11.2018/alc/a/a)
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