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05.11.18 12:00
Bei festverzinslichen Wertpapieren auf mehr Stabilität setzen!

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Experten von J.P. Morgan Asset Management erwarten, dass sich an der seit einigen Wochen vorherrschenden Volatilität und Unsicherheit an den Kapitalmärkten vorerst nicht viel ändern wird.

"Die Zahlen der konjunkturellen Frühindikatoren sind Stück für Stück etwas schlechter geworden", betone Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. "Das lässt vermuten, dass eine Schwächephase in der Wirtschaft droht. Auch die aktuellen politischen Risiken, seien es die italienischen Haushaltspläne, der Brexit oder die Gemengelage rund um den Handelsstreit zwischen den USA und China, haben Anleger verunsichert".

Und auch wenn er ausführe, dass die Rezessionsrisiken für die nächsten zwölf Monate gering seien und weder Italiens Budget noch die britische Brexit-Diskussion zu größeren Verwerfungen an den Märkten führen dürften, sollten Anleger angesichts der höheren Volatilität in der Zyklus-Spätphase in Betracht ziehen, ihr Portfolio etwas defensiver auszurichten.

In seiner Vorstellung des aktuellen Guide to the Markets für das vierte Quartal 2018 habe Galler, wie gefährlich das nachlassende Wirtschaftswachstum tatsächlich sei, inwieweit höhere Zinsen Anlass zur Sorge bereiten sollten und welche Risiken es speziell für das Wachstum in Europa und Asien gebe.

Das US-Wirtschaftswachstum sei laut Galler aufgrund des Fiskalstimulus immer noch "auf Steroiden", befinde sich aber inzwischen in einem weit fortgeschrittenen Stadium des Konjunkturzyklus. "Das Vertrauen der Verbraucher ist derzeit nahezu euphorisch und das steigende Lohnwachstum dürfte sich weiter stimulierend auswirken", so der Stratege. Doch auf Unternehmensseite würden die Schwierigkeiten bereits sichtbar: Die Arbeitskosten würden steigen und es sei angesichts einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent im September immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden.

"Wir gehen davon aus, dass das Wachstum der US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen unter 3 Prozent fallen dürfte und sich damit dem Trendwachstum von knapp 2 Prozent nähern wird", analysiere Galler. Rezessionsrisiken dürfte es nach seiner Ansicht frühestens erst Ende 2019 geben, wenn einige fiskalpolitische Maßnahmen auslaufen würden. Diese Gegenreaktion könnte allerdings hinausgezögert werden: "Sollten die Republikaner bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus am 6. November ihre Mehrheit verteidigen, könnten sie zusätzliche Anreize setzen, um die drohende fiskalische Klippe hinauszuzögern und damit die nächsten Präsidentschaftswahlen 2020 nicht zu gefährden", sage Galler.

So dürfte die US-Notenbank (FED) weiter Kurs halten und die quartalsweisen Zinserhöhungen fortsetzen: "Aus unserer Sicht wird die starke wirtschaftliche Aktivität in den USA voraussichtlich dazu führen, dass die Federal Reserve die Zinsen weiterhin um ungefähr 25 Basispunkte pro Quartal erhöht, bis ein Zinsniveau von 3 Prozent erreicht ist", sage Galler.

In der Eurozone habe das Wirtschaftswachstum noch deutlicher an Fahrt verloren. Als eine der Hauptursachen sehe Tilmann Galler den fallenden Wachstumsbeitrag der Nettoexporte unter anderem wegen der nachlassenden Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern an. Die Situation sei aber nicht besorgniserregend, da es durchaus einige positive Faktoren gebe. Für die Industrie sei es etwa förderlich, dass das Kreditwachstum von Nicht-Finanzunternehmen solide wachse und dass auch die Finanzierungskosten weiterhin niedrig seien.

Auch eine mögliche Deeskalation der Handelsbeziehungen zu den USA dürfte hilfreich für das weitere Wirtschaftswachstum sein. "Ein wichtiger Treiber für den Konsum in der Eurozone ist das Lohnwachstum, das dem steigenden Ölpreis als potenzielle Konsumbremse signifikant entgegenwirkt. Sollte sich das Wachstum in Abwesenheit eines politischen Schocks bei knapp unter 2 Prozent stabilisieren, könnten die Leitzinsen in der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres etwas schneller steigen als dies die Märkte erwarten", führe Galler aus.

Der Experte identifiziere aktuell in Europa zwei Themen mit potenziellen Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Mit Blick auf die italienischen Budgetpläne sehe er aktuell kein erhöhtes Risiko und an den Anleihenmärkten habe es bereits eine gesunde Reaktion gegeben. "Der Markt hat die Situation in Italien mit einem Risikoaufschlag belegt. Der Budgetstreit mit Italien dürfte wenig Potenzial für eine weitere Finanzkrise haben," betone Galler. Mit Blick auf Großbritannien beurteile Tilmann Galler die Risiken für die britische Binnenwirtschaft als deutlich höher als für die Eurozone insgesamt. Auch wenn noch in der Schwebe sei, ob es einen harten oder einen weichen Brexit gebe, zeigten sich in Großbritannien bereits ganz konkrete Folgen des bevorstehenden EU-Austritts. "Das Wirtschaftswachstum in Großbritannien hat sich seit dem Referendum deutlich verlangsamt, während es in anderen Ländern stabil geblieben ist. Auch weist das Verbrauchervertrauen nach dem Brexit-Votum ein eindeutig negatives Momentum auf", führe Galler aus.

In China gebe es ebenfalls klare Anzeichen für ein nachlassendes Wachstumsmomentum. Die straffere Geldpolitik und die Regulierung des Schattenbankenwesens im ersten Jahresdrittel habe Spuren in der Wachstumsdynamik hinterlassen. Seit Mai sei das chinesische Wachstum durch die Verschärfung des Handelskonflikts mit den USA einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. "Dennoch sollten man für China nicht zu schwarz sehen", unterstreiche Galler. Die chinesische Regierung habe einen monetären Stimulus in Form einer lockeren Geldpolitik gesetzt und aktuell sei ein weiterer Fiskalstimulus durch erhöhte Infrastrukturinvestitionen zu erwarten. Diese Maßnahmen sollten das Wachstum in 2019 stabilisieren. "Wir rechnen nicht mit einer harten Landung in China", ergänze er.

In Japan würden zurzeit die steigenden Reallöhne Hoffnung auf eine Erholung im Konsum und ein anhaltend robustes Wachstum in den kommenden Quartalen geben. Erst im Hinblick auf den kommenden Herbst könnte es turbulent werden, sollte die Regierung mit ihrer Absicht ernst machen, den Mehrwertsteuersatz im Oktober 2019 zu erhöhen.

Die Aktienbewertungen würden nach Ansicht von Tilmann Galler je nach verwendeter Kennzahl etwas überteuert wirken. Steigende Anleiherenditen forderten dabei ebenfalls ihren Tribut. Im historischen Maßstab hätten Aktien aber nach wie vor einen Renditevorsprung gegenüber Anleihen. "Aktien sind derzeit moderat überbewertet, aber wir sehen keine exzessiven Bewertungsrisiken wie etwa Ende der neunziger Jahre", sage Tilmann Galler. Kritisch dürfte es für Aktien allerdings werden, wenn die US-Notenbank Fed von ihrem Erhöhungszyklus pausieren sollte.

Mit Blick auf das Anleihensegment würden die steigenden Zinsen die Anleihenkurse unter Druck bringen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen habe sogar die Marke von 3 Prozent durchbrochen. Nach Ansicht von Tilmann Galler hätten US-Staatsanleihen aufgrund der zunehmenden Reife des Zyklus besonders aus der Perspektive des Risikomangements an Attraktivität gewonnen, da sie sich nach den Erfahrungen früherer Zyklen als Portfolio-Stabilisator erwiesen hätten, sobald der Bullenmarkt zu Ende gehe. Dennoch gebe es auch bei den Festverzinslichen noch einen Bereich, in dem sich von der aktuellen Ertragsstärke der Unternehmen profitieren lasse: Hochzinsanleihen, insbesondere in Europa, seien aufgrund ihres relativ hohen Risikoaufschlags von 4 Prozent bei aktuell kaum vorhandenen Zahlungsausfällen attraktiv. Zusätzlich würden Hochzinsanleihen aufgrund der kürzeren Laufzeit einen gewissen Schutz gegenüber weiter steigenden Zinsen bieten.

"Auch wenn die Aussichten für Risikoanlagen zumindest verhalten positiv erscheinen, sollten sich Anleger im jetzigen Kapitalmarktzyklus verstärkt Gedanken über eine defensivere Ausrichtung ihres Portfolios machen", sage Tilmann Galler. Das hieße, die Aktienquote etwas zu verringern, die Zyklik innerhalb des Aktiensegments zu reduzieren und bei festverzinslichen Wertpapieren auf mehr Stabilität zu setzen. (Ausgabe vom 02.11.2018) (05.11.2018/alc/a/a)


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