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27.07.18 08:45
In Deutschland vertraut man weiter auf aktives Anleihenmanagement

Boston (www.anleihencheck.de) - Gemäß der aktuellen Global Fixed Income Sentiment Survey von MFS vertrauen erheblich mehr deutsche Finanzberater auf aktives als auf passives Anleihemanagement, berichten die Experten von MFS Investment Management.

Fast die Hälfte der befragten Berater gehe davon aus, dass aktiv gemanagte Anleiheinvestments ihre Ertragserwartungen erfüllen würden. Nur 29% würden dies auch von passiven Anlagen erwarten.

47% würden die Zusammenarbeit mit aktiven Anleihemanagern für die beste Möglichkeit halten, Mehrertrag unabhängig vom Marktumfeld zu erzielen, und 48% seien der Meinung, dass aktive Anleihestrategien auch der beste Weg seien, um mit Festzinsanlagen langfristige Ziele zu erreichen.

"Bei Festzinsanlagen hängt der Erfolg vor allem von der Marktdynamik ab. Weil die Zinsen in Europa und weltweit schon sehr lange sehr niedrig sind, könnten Finanzberater versucht sein, weniger auf aktives Management zu setzen", meine Matthew Weisser, Managing Director Europe bei MFS Investment Management. "Doch weil die Zinsen steigen, der Konjunkturzyklus in die Jahre kommt und die Volatilität zunimmt, ist eine angemessene Allokation in aktive Anleihestrategien für Investoren sinnvoll. Nachdem sich Aktien zehn Jahre lang gut entwickelt haben, wünschen sie jetzt wieder mehr Risikomanagement."

Obgleich deutsche Finanzberater für die Konjunktur in ihrem Land und weltweit optimistisch seien, würden sie vorsichtig. Sie würden politische Instabilität, volatile Aktien und steigende Zinsen fürchten. Deshalb würden sie sich zunehmend für Anleihen interessieren - um ihre Portfolios zu diversifizieren (75% der Befragten) und um die Volatilität zu senken (68%).

Diese beiden Ziele würden Finanzberater aber vor ein Risikodilemma stellen: Fast 60% der Befragten hätten angegeben, in den letzten drei Jahren höhere Risiken eingegangen zu sein, um mit Anleihen ihre angestrebten Erträge zu erzielen.

50% der deutschen Finanzberater würden planen, in den nächsten drei Jahren ihr Engagement in Emerging-Market-Anlagen - die als überdurchschnittlich risikoreich gelten würden - stärker zu erhöhen als das Engagement in jeder anderen festverzinslichen Assetklasse. Deshalb sei das Risikomanagement bei der Auswahl von Anlageprodukten und Portfoliomanagern besonders wichtig.

"Weil die Anleiherenditen in den letzten Jahren so niedrig waren, mussten Finanzberater überlegen, welche Kreditrisiken sie eingehen wollen, um vernünftige Renditen zu erzielen", so Weisser. "Volatilität und Zinsen steigen. Deshalb müssen Finanzberater sehr genau auf die Risikomanagementansätze ihrer Investmentmanager achten. Sie müssen sicher sein können, dass nur beabsichtigte Risiken eingegangen werden", warne er.

Bei der Auswahl von Festzinsanlagen und ihrer Manager komme es Finanzberatern vor allem auf das Risikomanagement an. Sie würden risikobewusste Ansätze bevorzugen. Fast 70% hätten angegeben, langfristig großen Wert auf die risikoadjustierte Performance zu legen.

Aber möglicherweise würden Berater bei der Einschätzung der Qualität des Risikomanagements nicht alle Risikokennzahlen gleich stark berücksichtigen. Deutsche Finanzberater hätten gesagt, sie würden vor allem auf Folgendes achten: Performancestabilität (67%), relative Performance gegenüber einer Benchmark (62%) und absolute Performance/Gesamtertrag (42%). Absolutes Risiko (28%), relatives Risiko/Tracking Error/Beta (21%) und Portfolioumschlag (10%) hätten weniger Berater für wichtig gehalten.

"Es ist gut, dass die Berater bei der Einschätzung aktiv gemanagter Festzinsanlagen sehr viele Risikokennzahlen betrachten. Aber in einigen Bereichen gibt es noch Verbesserungspotenzial", meine Weisser. "Der lange und stetige Aufschwung bei anhaltend niedrigen Zinsen könnte einige Berater sorglos gemacht haben. Da die Volatilität steigt, könnte es mit der Stabilität vorbei sein. Deshalb müssen Finanzberater immer gut informiert sein, sodass sie ihren Kunden helfen können, auf Kurs zu bleiben."

Finanzberatern sei bewusst, dass aktives Management für die Portfolios ihrer Kunden von Vorteil sein könne, vor allem im Anleihebereich. Nach der Umfrage würden sich Berater für aktive Manager insbesondere für die Steuerung von Duration (79%) und Risiko (73%) interessieren.

"Wir sind überzeugt, dass man mit einem aktiven Anleiheansatz Mehrwert für Investoren schaffen kann. Es gibt erste Anzeichen für ein mögliches Ende des aktuellen Zyklus. Investoren werden deshalb einen größeren Teil ihres Portfolios in Festzinsanlagen umschichten wollen. Ein genaueres Verständnis der aktuellen Anleiherisiken und ihrer Ursachen ist deshalb ein Muss für jeden Finanzberater und seine Kunden", meine Weisser abschließend. (Ausgabe vom 26.07.2018) (27.07.2018/alc/a/a)


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