Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments setzt in ihren vermögenverwaltenden Mandaten weiterhin maßgeblich auf europäische Aktien und Investmentgrade-Unternehmensanleihen.
Damit würden europäische Aktien über- und Investmentgrade-Unternehmensanleihen neutral gewichtet bleiben. Zwar gebe es in Bezug auf beide Anlagesegmente Risiken, räume die Fondsgesellschaft ein. Doch unter dem Strich rechtfertige das jeweilige Umfeld, an der bisherigen Positionierung festzuhalten.
Der aktuelle Kreditzyklus sei ungewöhnlich lang. Die von unserem Investment Grade Credit Team durchgeführte Analyse der Faktoren, die eine Wende im Kreditzyklus auslösen können, zeigt jedoch, dass die Situation nach wie vor nicht besonders bedrohlich ist, auch wenn dem Markt nicht wirklich eine gesunde Entwicklung bescheinigt werden kann, so die Experten von Columbia Threadneedle. Die Experten würden fünf potenzielle Auslöser beobachten, wobei drei als gelb (straffere Geldpolitik, hohe Bewertungen und ungewöhnlich niedrige, aber steigende Volatilität) gekennzeichnet seien, einer sei rot (Verschlechterung der Bonität der Unternehmen) und nur einer sei grün (gesamtwirtschaftliche Lage).
Die Geldpolitik sei nicht restriktiv, werde jedoch gestrafft. Die fiskalische Expansion sehr spät im Zyklus sorge für einen Wachstumsschub, könne aber nicht unbegrenzt fortgesetzt werden, ohne einen Inflationsanstieg und eine geldpolitische Reaktion nach sich zu ziehen. Der Vergleich mit den 1990er Jahren sei sinnvoll, aber schwierig: Damals habe die FED auf Vollbeschäftigung und wachsenden Lohndruck (sowie eine niedrigere Gesamtinflation) mit einer Straffung der Geldpolitik reagiert, sie sei jedoch durch Krisen in den Schwellenländern zurückgehalten worden. Dies scheine heute weniger wahrscheinlich. Der Ausstieg aus der quantitativen Lockerung und die Schuldenfinanzierung des voraussichtlich großen strukturellen Haushaltsdefizits unter Präsident Trump könnten die Renditen weiter steigen lassen.
Die Bewertungen seien gesunken und entsprächen nun dem langfristigen Durchschnitt. Die implizite und realisierte Volatilität von Aktien und Anleihen sei bis Januar dieses Jahres äußerst niedrig gewesen, und der darauffolgende Wiederanstieg sei mit steigenden Spreads einhergegangen.
Damit bleibe ein als rot gekennzeichneter Faktor: Die Bonität der Unternehmen. Für den überwiegenden Teil der Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung liege die optimale Bonitätseinstufung (unter dem Gesichtspunkt der Optimierung der Kapitalkosten) theoretisch bei "BBB". In den vergangenen Jahren habe die durchschnittliche Bonitätsbewertung in diesem Segment bei "A" gelegen. Die Unternehmen hätten ihren Finanzierungsmix durch Fusionen und Übernahmen sowie Aktienrückkäufe schrittweise verändert, sodass der Anteil des Investment Grade-Markts mit einem BBB-Rating einen historischen Höchststand erreicht habe.
Gebe dies Anlass zur Sorge? Die Verschlechterung der Bonität lasse generell auf eine größere finanzielle Anfälligkeit von Large-Cap-Unternehmen schließen. Die Rückstufung von "A" auf "BBB" sei allerdings mit einer sehr geringen Erhöhung der finanziellen Anfälligkeit verbunden und die Entschädigung der Kapitalgeber sei im Vergleich etwas höher. Außerdem zeigt unsere vorausschauende Bottom-up-Analyse des US-amerikanischen und europäischen Universums untersuchter Unternehmen, dass sich die Zinsdeckung in den letzten Jahren trotz des höheren Verschuldungsgrads verbessert hat, so die Experten von Columbia Threadneedle. Dies sei eine Folge der bei jeder Refinanzierungsrunde festgeschriebenen niedrigen Renditen. Somit ist unsere neutrale Haltung gegenüber Unternehmensanleihen derzeit nach wie vor angemessen, wenngleich Spread-Produkte mit kürzerer Duration bei unseren Vermögensverwaltungsmandaten und Multi-Asset-Portfolios zunehmend in den Fokus rücken, so die Experten von Columbia Threadneedle.
In gemeinsamer Währung seien europäische Aktien dieses Jahr bislang hinter anderen Märkten zurückgeblieben, allerdings nach einer starken Outperformance Ende 2016 und 2017. Den Hintergrund hätten schwächere Wirtschaftsdaten und, bis vor kurzem, ein stärkerer Euro gebildet, der sich mit einem Wechselkurs von 1,25 US-Dollar/Euro Anfang des Jahres ungünstig auf europäische Aktien ausgewirkt habe. Doch die Konjunkturschwäche dürfte vorübergehender Natur sein - außerdem sei der Euro schwächer - sodass die Experten in Bezug auf die Region zuversichtlich bleiben würden.
Das laut aktuellen Konjunkturprognosen dieses Jahr in Europa zu erwartende Wachstum von 2,3% dürfte sich 2018 zumindest in einem 10%igen Anstieg der Unternehmensgewinne niederschlagen (und für 2019 rechne man derzeit mit einem Gewinnwachstum von 8%). Die Daten aus Europa würden vielleicht weniger positiv ausfallen, die Veränderung sei jedoch großenteils auf Umfragedaten zurückzuführen, die gegenüber mehrjährigen Höchstwerten zurückgegangen seien, aber immer noch mit anhaltendem Wirtschaftswachstum in Einklang stünden.
Die Abschwächung ist häufig auf wenige Branchen beschränkt, im Fall des ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland etwa auf den Finanz- und Industriesektor (in unseren europäischen Aktienportfolios sind beide Sektoren untergewichtet, wenngleich wir letzteren moderat aufstocken), so die Experten von Columbia Investments. Angesichts des hohen Gewinnhebels und der sehr großen Offenheit der Wirtschaft und des Aktienmarkts werde Europa zudem stark von globalen Konjunkturentwicklungen beeinflusst, die sich nach wie vor günstig auswirken würden. Die positive Entwicklung der Gewinnrevisionen in jüngster Zeit werde in diesem Zusammenhang als ermutigend betrachtet, und die Bewertungen seien günstiger. Außerhalb Deutschlands (und bis zu einem gewissen Grad auch Frankreichs) würden wenige Unternehmen über Lohndruck berichten, dennoch würden Top-down-Daten das stärkste Lohnwachstum seit 2011 ausweisen.
In Italien entstünden durch die neue populistische Regierung unterdessen Probleme für die Zukunft - mit mehr Ungewissheiten als Gewissheiten -, auf kurze Sicht habe eine Krise jedoch offenbar abgewendet werden können. Auch in Spanien habe man die politischen Risiken in den Griff bekommen. Angesichts all dieser Faktoren haben die Experten von Columbia Threadneedle die Asset-Allocation-Portfolios nicht verändert. Europäische Aktien würden weiterhin bevorzugt - wie dies seit Januar 2015 überwiegend der Fall sei. (Ausgabe vom 17.07.2018) (18.07.2018/alc/a/a)
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