Berlin (www.anleihencheck.de) - Derzeit gibt es eine Reihe von Risiken an den Finanzmärkten, so Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom bei GAM Investments.
Erstens hätten die Wahlen in Italien zu einer populistischen Regierung bestehend aus Linken und Rechten geführt, die eine gemeinsame Anti-EU-Einstellung eine. Viele Italiener hätten das Gefühl, in den zehn Jahren seit der globalen Finanzkrise im Stich gelassen worden zu sein. Daher sei es naheliegend, dass sie mit dem Stimmzettel Widerstand geleistet hätten gegen das Establishment in Italien und Europa. Angesichts der hohen Staatsverschuldung Italiens habe die neue Regierung die Märkte mit ihrer Ankündigung einer expansiven Finanzpolitik jedoch verunsichert.
Zweitens habe man in den ersten Monaten des Jahres 2018 ein schwächer als erwartetes globales und vor allem europäisches Wachstum erlebt. Die Experten würden zwar vermuten, dass diese Flaute vorübergehen werde, sollte dies aber nicht der Fall sein, könnten Sorgen um Unternehmensgewinne die Märkte belasten.
Drittens würden Investoren befürchten, dass sich die Inflation in mehreren Ländern beschleunigen könnte, da dies zu einer aggressiveren Reaktion der Zentralbanken führen würde.
Der US-Dollar habe sich seit seiner Schwächephase letztes Jahr wieder deutlich erholt. Ein wesentlicher Grund dafür sei die schwächere Entwicklung der europäischen Wirtschaften sowie der Schwellenländer im Vergleich zu den USA gewesen. Diese Wachstumsdifferenz habe den Dollar in die Höhe getrieben. Die Einschätzung der Experten sei jedoch, dass sich die Erholung des Dollars nicht fortsetzen werde, unter anderem weil die Schwäche des europäischen Wachstums zu Beginn dieses Jahres wahrscheinlich eher auf Wetter-, Grippe- und Urlaubseffekte im ersten Quartal zurückzuführen gewesen sei als auf etwas Fundamentales.
Wenn sich das Wachstum in Europa wieder beschleunige, dürfte der Dollar an den Devisenmärkten seinen Höhepunkt erreichen. Sollte der Dollar jedoch darüber hinaus weiter steigen, zusätzlich angetrieben durch den wachsenden Populismus in Westeuropa, dürften die Auswirkungen für Multi-Asset-Portfolios tiefgreifend sein. Anleihen in Schwellenländern wären dabei am meisten von der Dollar-Stärke betroffen.
Ebenso wie die meisten Marktteilnehmer würden die Experten davon ausgehen, dass die US-Notenbank (FED) nach ihrer heutigen Sitzung den Leitzins um weitere 25 Basispunkte anhebe. Der Markt nehme auch eine ähnliche Zinserhöhung im September vorweg und sehe eine gewisse Möglichkeit einer dritten Zinserhöhung bei der Sitzung im Dezember. All dies erscheine den Experten plausibel.
Das Wirtschaftswachstum in den USA sei nach wie vor stark, das Beschäftigungswachstum liege über dem Trend, allmählich sei eine moderate Beschleunigung der Löhne zu erkennen und die Inflation liege bereits im Zielbereich der FED. Obwohl die FED erklärt habe, eine leicht über dem Zielbereich liegende Inflation zu dulden, habe sie ebenfalls kommuniziert, die Notwendigkeit für drei weitere, also insgesamt vier Zinserhöhungen in diesem Jahr zu sehen, denen eine weitere Einschränkung der expansiven Geldpolitik im nächsten Jahr folgen werde.
Sofern die Inflation nicht weit über das Zwei-Prozent-Ziel der FED steige, könne der Markt diese Zinserhöhungen verkraften. Sie seien weitgehend eingepreist und wären keine größere Überraschung. Aus Sicht der Experten sei die FED somit eine wichtige Variable, die man im Auge behalten sollte. Wichtiger sei jedoch der Verlauf der Inflation, die alles völlig auf den Kopf stellen könnte. Deshalb gelte der Inflation die ganz besondere Aufmerksamkeit der Experten. (13.06.2018/alc/a/a)
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