Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Traditionelle Ertragsquellen schnitten in letzter Zeit gut ab, aber dieses Jahr könnte es schwieriger werden, so Gavin Counsell, Portfolio Manager des AIMS Target Income Fund bei Aviva Investors.
Ertragsorientierte Anleger hätten in den letzten zehn Jahren aufgrund der quantitativen Lockerung der großen Zentralbanken weltweit meistens Erfolg gehabt. Die Geldpolitik habe zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen und den Weg für ein robustes, breit angelegtes Wachstum geebnet. Anleihen hätten deutlich an Wert gewonnen und Aktien hätten den traditionellen Investmentfonds ermöglicht, sowohl Ertrag als auch Kapitalwachstum zu erzielen.
Dieses Jahr stünden die Märkte jedoch vor widersprüchlichen Trends, da die Zentralbanken ihre Anleihekäufe einstellen und die Zinsen eher anheben als senken würden. Die breit angelegte Erholung halte zum Glück seit einem Jahr an und zeige noch keine Schwäche. Das über dem Trend liegende Wachstum dürfte sich 2018 zudem von den G7-Staaten auf die Schwellenländer übertragen. Das weltweite Wachstum sollte dieses Jahr 4 Prozent erreichen, das höchste Plus seit 2011, und dem laufenden Abbau der Überkapazitäten sowie dem steigenden Inflationsdruck entsprechen. Angesichts der positiven Unternehmer- und Verbraucherstimmung, der beschränkten Bilanzrisiken im Privatsektor und der akkommodierenden Finanzierungsbedingungen haben die Experten von Aviva Investors ihre Prognosen für 2018 nach oben korrigiert.
Dennoch würden viele Aktienmärkte im Vergleich teuer und sehr hoch bewertet wirken: Beispielsweise sei das Kurs/Gewinn-Verhältnis des S&P 500 von knapp 14,87 im Januar 2012 auf 25,06 im Januar 2018 gestiegen.
Auch die Credit Spreads hätten sich 2017 verengt, wobei sich die Risiken auf Sektor- oder Sicherheitsebene kaum unterscheiden würden. In vielen Fällen würden die absoluten Renditen wenig Schutz vor einer Erweiterung der Credit Spreads und negativen Gesamterträgen bieten. Infolge des schnellen Rückgangs der Credit Spreads der europäischen Investment-Grade-Anlagen auf weniger als 100 Basispunkte (Bp) und des Anstiegs der Zinssensitivität würden die Indexrenditen brauchen sich nur um 20 Bp auszuweiten, um zu einem negativen Gesamtertrag zu führen, der den erzielten Gewinn vollständig zunichte mache.
Im August 2017 seien die Renditen der europäischen Hochzinsanleihen unter die Rendite der Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit gesunken. Diese Entwicklung deute ebenfalls darauf hin, dass die Bewertungen an den Kreditmärkten überhöht seien.
Gleichzeitig scheinen die Anleger einige Gefahren an den Finanzmärkten zu ignorieren, so die Experten von Aviva Investors. Dazu gehöre die anhaltende globale Verschuldung, die im dritten Quartal 2017 dem Institute of International Finance (IIF) zufolge mit 230 Bio. US-Dollar einen neuen Rekord aufgestellt habe.
"Obwohl die Zinssätze weltweit niedrig sind, haben immer mehr Nichtfinanzunternehmen Schwierigkeiten, ihre Schulden zu bedienen", würden die Vertreter des IIF meinen. Bis zu 25 Prozent der Unternehmen in Brasilien, Indien, der Türkei und China könnten ihre Zinsen nicht bezahlen.
Auch in den Industriestaaten sei ein Anstieg der notleidenden Unternehmen auszumachen, etwa in Kanada, Deutschland, Frankreich und den USA. Zudem würden die Risiken steigen, weil die US-Notenbank weiter an der Zinsschraube drehe. Schwellenländeranleihen und syndizierte Schuldpapiere im Wert von rund 1,7 Bio. US-Dollar würden laut IIF bis Ende 2018 fällig.
Die Qualität der Convenants der nordamerikanischen Hochzinsanleihen liege seit November auf einem Rekordtief, berichte Moody's Investors Service. Der Qualitätsindikator für Covenants der Ratingagentur zeige auf 4,48. Dieses Niveau sei beinahe das tiefste auf der fünfstufigen Skala, auf der 1,0 den besten und 5,0 den schlechtesten Anlegerschutz darstelle. Der ermutigende globale Wachstumsausblick dürfte darauf hindeuten, dass die Anlegerstimmung positiv bleibe. Aber sogar die kleinsten Krisen könnten den Finanzmärkten aufgrund der hohen Bewertungen Schwierigkeiten bereiten.
Während das Wirtschaftswachstum die riskanten Anlagen unterstützen sollte, stehe der Anleihesektor vor größeren Gefahren, weil die Renditen mit der Normalisierung der Zinssätze anziehen dürften.
Die Arbeitslosenquoten in Ländern wie den USA, Großbritannien und Japan lägen jetzt unter dem Niveau vor der globalen Finanzkrise. Sogar wenn man die Möglichkeit berücksichtige, dass das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt seit 2007 gesunken sei, hätten diese Volkswirtschaften beinahe die Vollbeschäftigung erreicht. Ende 2018 dürfte der Euroraum kaum noch freie Kapazitäten aufweisen. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Inflation hätten die Zentralbanken damit begonnen, die Leitzinsen anzuziehen.
Die Staatsanleihen aus dem Euroraum seien wohl am anfälligsten. Die Renditen würden nach wie vor unter den Wertpapierkäufen der Europäischen Zentralbank leiden. Da die quantitative Lockerung jedoch im September 2018 enden dürfte, rechnen die Experten von Aviva Investors damit, dass der Markt die Bewertungen ab Jahresmitte anpasst. Sowohl die steigenden Zinssätze als auch das Ende der akkommodativen Notenbankenpolitik würden die Renditen in die Höhe drücken.
Obwohl Investoren in den letzten Jahren mit allgemeinen Investments in Aktien und Anleihen gut gefahren seien, wäre es gefährlich anzunehmen, dass sich dieses Anlageverhalten auch in Zukunft bezahlt mache. Beispielsweise habe der US-Aktienmarkt (S&P 500-Index) 2017 erstmals in der Geschichte jeden Monat eine positive Rendite erzielt. Zudem habe er mehr als 280 Börsentage ohne einen Kursverlust von mehr als 3 Prozent an einem Tag verzeichnet. Beide Erfolge veranschaulichen das sichere Umfeld, in dem wir gelebt haben, so die Experten von Aviva Investors.
Mehrere Ertragsquellen, die sowohl traditionelle (z.B. Aktiendividenden, Anleihecoupons oder Immobilienmieten) als auch nicht traditionelle Ertragsquellen (Eigenkapital und Währungsoptionen) umfassen würden, sollten einem Anlegerportfolio ermöglichen, einen zuverlässigen und gleichmäßigen Ertrag zu generieren.
Es sei immer noch möglich, attraktive Erträge ohne übertriebene Risiken zu erzielen. Man solle ein Beispiel nehmen. In den letzten Jahren habe die russische Wirtschaft infolge der Sanktionen Schwierigkeiten gehabt. Nun würden sich jedoch die Fundamentaldaten verbessern und das Wachstum und die Inflation würden sich stabilisieren. Aus Bewertungssicht biete Russland attraktive Renditen, die zur Anziehungskraft dieses Anlagethemas beitragen würden. Früher hätte man direkt in Russland investiert, über Aktien oder die Währung. Dieses Engagement lasse sich jedoch auch anhand einer Kombination aus Devisenoptionen aufbauen. Es sollte den Ertrag steigern und gleichzeitig das Verlustrisiko auf ein Mindestmaß reduzieren.
Eine sorgfältige Portfoliostrukturierung könne zudem das Anlageergebnis verbessern. Steigende Zinssätze würden zu den typischen Gefahren für traditionelle ertragsorientierte Fonds gehören, die wegen der Coupons in Anleihen investieren würden. Es sei aber durchaus möglich, Positionen anzulegen, denen steigende Zinssätze zugute kämen. Ein Beispiel dafür wäre der Fokus auf die amerikanische, britische und japanische Zinskurve. In den USA erwartet der Markt derzeit nur noch eine Zinserhöhung in 2019, während die Experten von Aviva Investors bereits 2018 mit zwei oder drei rechnen. Es könnten sogar mehr sein. In Japan könnte die Bank of Japan die Steuerung der Zinskurve neu überdenken, sofern die Kerninflation über 1 Prozent steige. Aus diesem Grund sollte ein Anlegerportfolio Strategien beinhalten, die positive Renditen generieren würden, um dieses Szenario abzufedern, und Schutz für den Ertrag bieten.
Obwohl 2018, mit angemessenen Erträgen aus riskanten Anlagen wie Aktien, wieder ein Wachstumsjahr sein könnte, müssten traditionelle ertragsorientierte Portfolios mehrere Herausforderungen meistern. Deshalb sei es entscheidend, ausreichend Flexibilität einzuplanen, um Erträge aus verschiedenen Anlagequellen zu erzielen und die Portfolios mit den richtigen Instrumenten vor Schwierigkeiten zu schützen. (13.03.2018/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de