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22.02.18 13:00
Fünf Anleihenmythen könnten 2018 auf die Probe gestellt werden

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleihenexperten von J.P. Morgan Asset Management beurteilen die Marktbewegungen von Anfang Februar als eine gesunde Korrektur, die eine gute Gelegenheit zur selektiven Erhöhung des Risikoengagements bot.

So zeige sich das fundamentale Umfeld weiterhin sehr robust und rechtfertige daher den behutsamen Abbau der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken; andererseits signalisiere die anhaltende Nachfrage nach bonitätsstarken Anleihen in Kombination mit einer allmählich steigenden, aber nicht außer Kontrolle geratenen Inflation, dass ein drastischer Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen auf über 3 Prozent nicht zu erwarten sei.

Vor diesem Hintergrund nehme Nicholas Gartside, International Chief Investment Officer der Fixed Income, Currency and Commodity Group von J.P. Morgan Asset Management und Manager des J.P. Morgan Funds - Global Bond Opportunities Fund, fünf rund um die Anleihenmärkte kursierende Mythen unter die Lupe, die seiner Meinung nach im Jahr 2018 auf die Probe gestellt werden könnten:

1. Mythos: "Die Inflation ist tot"

Anleiheninvestoren hätten sich in einer Welt der verhaltenen Inflation sehr wohl gefühlt und würden möglicherweise in diesem Jahr eine Überraschung erleben. Kurzfristige Inflationskennziffern hätten bereits begonnen anzusteigen, insbesondere in den USA. Unternehmensinvestitionen seien 2017 in die Höhe geschnellt - diese würden normalerweise mit einer höheren Produktivität einhergehen, die in der Vergangenheit das Lohnwachstum gefördert habe.

Die geldpolitischen Erwartungen hätten sich allerdings noch nicht an das veränderte Umfeld angepasst. In Europa befänden sich die Leitzinsen weiterhin auf Krisenniveau und der Markt preise die erste Leitzinserhöhung nicht vor Ende 2019 ein. Doch befinde sich Europa nach Überzeugung der Experten nicht mehr in der Krise - im Gegenteil: Europa sei eine große wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Da aber per Ende des letzten Jahres laut Bank of America Merrill Lynch immer noch ein Drittel der Renditen auf dem europäischen Anleihenmarkt im negativen Bereich notierten, dürfte wohl eine schmerzhafte Zeit bevorstehen.

2. Mythos: Politische Ereignisse würden in diesem Jahr für Störfeuer an den Märkten sorgen

Investoren mögen in Sachen Inflation zu optimistisch sein, andererseits zeigen sie sich über politische Risiken etwas zu besorgt, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management. Weltweit stünden in diesem Jahr 84 Wahlen an - das sei etwa alle vier Tage eine Entscheidung. Im Gegensatz zu den eher dramatischen Wahlergebnissen der vergangenen zwei Jahre dürften diese politischen Ereignisse allerdings alles andere als aufsehenerregend ausfallen. Nichts spreche dafür, dass sie sich auf die Wachstums- bzw. Inflationsdynamik signifikant auswirken sollten.

Meinungsumfragen in Europa würden eine zunehmende Unterstützung des Euro in der gesamten Region erkennen lassen. Dieser Umschwung sei besonders in Italien bemerkenswert, wo nahezu 60 Prozent der Befragten nun die Gemeinschaftswährung stützen würden. Die Wahlen im März dürften daher keine großen Unruhen verursachen. Auch die Parlamentswahlen in Russland und Mexiko und die eventuell vorgezogenen Neuwahlen in der Türkei dürften für die Finanzmärkte auf breiter Ebene keine Folgen nach sich ziehen.

3. Mythos: Wir befinden uns in einer Kreditblase

Laut Konsenseinschätzungen würden sich die guten Zeiten bei den Unternehmensanleihen dem Ende zuneigen, sodass die Erträge bald ins Taumeln geraten würden. Die operativen Kennzahlen der Unternehmen würden jedoch einen robusten Eindruck machen. Die Verschuldungsquoten europäischer Emittenten von Hochzinsanleihen seien rückläufig und ihre Zinsdeckung verbessere sich. Auch die Gewinne und Umsätze in den USA und Europa würden ein solides Wachstum verzeichnen.

Worin bestünden die Risiken? Erstens könnte die Wirtschaft in die Rezession rutschen - die Experten würden allerdings nicht denken, dass dies unmittelbar zu befürchten sei. Zweitens könnte das Unternehmenskapital fehlallokiert werden. Die Experten von J.P. Morgan Asset Management legen deshalb ihr Augenmerk auf die Nutzung der Erlöse aus Anleiheemissionen als Frühindikator: Derzeit werden zwei Drittel der Mittel aus Neuemissionen für die Refinanzierung verwendet - eine konservative Kapitalnutzung. Die Experten würden nach Anzeichen für die Steigerung des Fremdkapitals in den Bilanzen Ausschau halten. Ein weiteres Warnzeichen wäre die Zunahme von Fusionen und Übernahmen.

Wenn die Experten von J.P. Morgan Asset Management mit ihrer Annahme richtig liegen, dass die befürchteten Risiken derzeit noch in weiter Ferne sind, könnten sich die Risikoaufschläge (Spreads) weiter einengen. Die Spreads von globalen Unternehmensanleihen mit hoher Bonität (Investment Grade) könnten sich von 94 Basispunkten (Bp) auf 80 Bp verringern. Zwar erwarte man bei den Risikoaufschlägen von US-Hochzinsanleihen keine Rückkehr zu dem historisch niedrigen Niveau von 225 Bp, doch die aktuellen Spreads von 363 Bp könnten auf 300 Bp zurückgehen.

4. Mythos: Alle Schwellenländer seien gleich

Während die Industrieländer von Investoren als unterschiedliche Märkte wahrgenommen würden, würden diese die Schwellenländer häufig noch als homogene Gruppe betrachten. Dabei seien die Unterschiede zwischen den verschiedenen aufstrebenden Ländern noch nie so groß gewesen wie heute - was sich sowohl in Erträgen als auch in Renditen widerspiegele. Die laufende Rendite des Index für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung betrage 6 Prozent - doch Argentinien notiere bei über 16 Prozent, während Ungarn gerade einmal ein Niveau von 1,2 Prozent verzeichne.

Deshalb sei es besonders wichtig, selektiv vorzugehen, um von den sich bietenden Chancen zu profitieren und Risiken zu vermeiden. Gegenwärtig favorisieren die Experten von J.P. Morgan Asset Management Länder mit hohen realen Renditen mit dem Potenzial für eine weitere Komprimierung - wie Indonesien und Russland. Länder, in denen die Notenbanken hinter der Kurve lägen, würden die Experten weniger positiv einschätzen. Auch hätten sie Vorbehalte gegenüber den Anleihenmärkten von Ländern, wie beispielweise der Tschechischen Republik, in denen das Risiko bestehe, dass steigende Renditen der Industrieländer negative Auswirkungen nach sich ziehen könnten.

5. Mythos: Auf die Verzinsung komme es an

Gehe es bei Anleihen nicht nur um regelmäßige Erträge? Der englische Begriff "Fixed Income" habe ja schon "Income", also die regelmäßigen Ausschüttungen, im Namen. Bisher sei dem auch so gewesen und Investoren hätten beständige 5 bis 6 Prozent aus der Verzinsung ihrer festverzinslichen Wertpapiere erhalten. Doch präsentiert sich uns heute ein komplett anderes Bild, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management. Um im diesjährigen Marktumfeld positive Erträge zu erwirtschaften müssten Investoren einerseits Kursgewinne generieren und andererseits Kursverluste vermeiden. Das spätzyklische Umfeld werde eher idiosynkratrischer Natur sein, das heiße einige Werte seien mit größerem Risiko behaftet als andere. So sei zu erwarten, dass Anleger selektiver vorgehen müssten, wenn sie erfolgreich sein möchten. (22.02.2018/alc/a/a)


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