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16.11.17 11:45
EM Tipps 2018: Tech-Werte, chinesische Banken und brasilianische Anleihen

München (www.anleihencheck.de) - Die Schwellenländer haben nach der Talsohle Anfang 2016 eine starke Performance hingelegt, so Morgan Harting, Multi-Asset Portfolio Manager beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Allein in diesem Jahr seien Emerging-Markets-Aktien (auf Euro-Basis bis Ende Oktober) um circa 20 Prozent gestiegen. Mit Blick auf 2018 stünden die EM vor erhöhten geopolitischen und Währungsrisiken. Einige Bereiche erscheinen als überbewertet, so die Experten von AB. Die Experten würden jedoch glauben, dass weiterhin attraktive Chancen bestünden. Um sie zu finden, müsse man allerdings in allen Assetklassen suchen.

Die Steigerung der Aktien aus den Schwellenländern habe sich in diesem Jahr im Wesentlichen auf die fundamentalen Grundlagen gestützt. Im Zuge des soliden globalen Handelswachstums seien die Gewinnschätzungen das ganze Jahr hindurch angehoben worden und nur ein Zehntel der bisherigen Erträge in diesem Jahr stamme aus expandierenden Bewertungen. Aus diesem Grund würden die Experten weiterhin Luft nach oben sehen.

Obwohl die Bewertungen von Emerging-Markets-Aktien etwas gestiegen seien, würden diese immer noch mit einem erheblichen Abschlag gegenüber den Industrieländern gehandelt. Die wirtschaftlichen Daten vieler Schwellenländer würden sich zusehends verbessern. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in den Ländern der Emerging Markets werde 2018 schätzungsweise auf 4,6 Prozent steigen, während die Inflation in den meisten Ländern stabil bleibe oder sinke. Diese Kombination schaffe gute Voraussetzungen für weitere Stimulierungsmaßnahmen, sollten sich diese als nötig erweisen.

Die externen Bilanzen der Schwellenländer hätten sich zudem erheblich verbessert. Dadurch seien die Emerging Markets weniger abhängig von ausländischem Kapital und weniger anfällig für steigende Zinsen in den Industrieländern. Und Reformen sowie strukturelle Verbesserungen in vielen Ländern würden für eine weitere Aufhellung der Wachstumsaussichten sorgen.

Diese positiven Entwicklungen würden für gute Stimmung bei Schwellenland-Anlegern sorgen. Die Experten würden glauben, dass im kommenden Jahr in den folgenden Bereichen das größte Potenzial zu finden sei:

- EM-Technologiemarktführer

Die Hausse der Schwellenländer-Aktien ähnele bislang stark dem Muster an den US-Börsen. Etwa ein Drittel der Kursanstiege gehe auf die Marktführer in digitalen Sektoren wie Mobilfunk und Onlinehandel zurück. Viele Anleger würden die amerikanischen Giganten Facebook, Amazon, Netflix und Google (Sammelbegriff: FANGs) mittlerweile für unangreifbar halten. Aber die Schwellenländer hätten ihre eigenen "FANGs": Alibaba, Tencent, Samsung, Naspers und Taiwan Semiconductor. Allein diese fünf Aktien hätten in diesem Jahr bislang dreimal so viel Ertrag abgeworfen wie der Rest des Schwellenländer-Aktienuniversums.

Die Emerging-Markets-Hausse könnte jedoch bald auf breitere Füße gestellt werden. Eine ganze Reihe von Unternehmen und Sektoren, die das Wachstum dieser digitalen Marktführer stützen würden, könnten den Abstand verringern. Dazu würden DRAM-Hersteller und Produzenten elektronischer Komponenten in Taiwan und Südkorea gehören. Diese Firmen würden von der Branchenkonsolidierung und besserer Kapitaldisziplin profitieren, was wiederum ein rasches Wachstum der Bargewinne und Dividenden ermögliche. Das Wachstum werde nach Meinung der Experten von den Kursen noch nicht reflektiert.

- Chinesische Großbanken

Einige der größten chinesischen Banken würden halb so hoch bewertet wie ihre globale Konkurrenz, obwohl sie profitabler seien und eine doppelt so hohe Zinsrendite aufweisen würden. Zudem verbessere sich das Geschäftsumfeld für diese Kreditinstitute: Die Profitabilität in allen Bereichen der chinesischen Wirtschaft steige dieses Jahr, im Industriebereich sogar um 35 Prozent. Die Folge davon seien geringere Kreditrisiken für die Banken und eine verbesserte Qualität ihrer Kreditbücher. Zugleich habe die chinesische Regierung erfolgreich die sogenannten "Schattenbank"-Aktivitäten unter den kleineren Instituten bekämpft. Dies lasse auf eine verbesserte Effizienz des Finanzsystems schließen: Mehr Ressourcen würden in produktive Bereiche anstatt in fragwürdige Finanzierungen fließen. Zusammengenommen würden diese Entwicklungen die Risiken verringern und die Profitabilität für ausgewählte chinesische Banken steigern.

- Brasilianische Staatsanleihen

Die Inflation in Brasilien sei von 10 Prozent im Januar auf etwa 2,5 Prozent im November gefallen. Das ermögliche stetige Zinssenkungen und somit Kurssteigerungen für Anleihen. Der Nominalzins für 10-jährige Anleihen in Brasilien liege immer noch bei 10 Prozent, die Realrenditen würden zu den höchsten der Welt gehören. Das sollte weiterhin hohe Erträge für Anleiheanleger im kommenden Jahr ermöglichen. Das Gros der einsetzenden konjunkturellen Erholung in Brasilien sei bereits in den Aktienkursen eingepreist. Die Börse in Sao Paulo sei 2016 um 65 Prozent angeschwollen und sei in diesem Jahr bislang immerhin um 12 Prozent gestiegen. Das führe zu einem ambitionierten Kurs/Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 24. Die Experten würden daher insgesamt bessere risikoadjustierte Ertragschancen im festverzinslichen Bereich sehen.

Die Experten würden glauben, dass durch Einbeziehung aller Assetklassen weiterhin attraktive Anlagechancen in vielen Ländern und Sektoren der sich entwickelnden Welt identifiziert werden könnten. Ein Fokus auf die vielversprechendsten Chancen am Aktien- und Anleihenmarkt sorge für ein ausgewogeneres Portfolio - und lasse Anleger mit weniger Schwankungen an der sich fortsetzenden Erholung der Schwellenländer für 2018 teilhaben. (16.11.2017/alc/a/a)


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