Essen (www.anleihencheck.de) - Die EZB bleibt ihrer Linie treu, so die Analysten der National-Bank AG.
Mit einer Reduzierung des Anleiheankaufprogramms ab Januar 2018 auf 30 Mrd. EUR / Monat bis Ende September habe sich die EZB zwar entschlossen, den geldpolitischen Fuß vom Gas zu nehmen, unterstütze die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum aber weiterhin großzügig. Zentrale Begründung für das Festhalten sei die geringe Preisdynamik. Es sei zugleich weder ein Enddatum für die Anleihekäufe festgesetzt noch der Passus aus der Erklärung gestrichen worden, wonach eine Ausweitung in Dauer und Umfang des Programms möglich sei.
Letztlich wolle die EZB größtmögliche Flexibilität behalten. Die Aussagen auf der Pressekonferenz würden darauf schließen lassen, dass es mit den Anleiheankäufen nach dem September 2018 weitergehen werde. Der Notenbankchef habe klar gemacht, dass es kein abruptes Ende der Ankäufe geben werde. Dementsprechend könnten die Ankäufe auf einem dann vermutlich niedrigen Niveau fortgesetzt werden, sogar bis in das Jahr 2019 hinein. Die Entscheidungen dazu dürften auf den Tagungen des EZB-Rats entweder am 14. Juni 2018 oder spätestens 26. Juli 2018 getroffen werden.
Mit der Jüngsten Entscheidung werde noch einmal deutlich, wie weit die EZB der FED im geldpolitischen Kurs hinterher hinke. Hier Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik, dort Fortsetzung der Kurses gradueller Leitzinserhöhungen mit einem nächsten Schritt wahrscheinlich im Dezember. Die Reaktion an den Devisenmärkte sei eindeutig gewesen: Der USD gewinne erst einmal an Stärke, wobei die politischen und wirtschaftlichen Faktoren, die zu der Aufwertung des EUR geführt hätten, weiterhin ihre Gültigkeit hätten. Auch wenn der EZB-Chef nichts zu einer Änderung der technischen Umsetzungsparameter für das QE-Programm gesagt habe - hier dürfte es nach der Tagung des EZB-Rats im Dezember zusätzliche Informationen geben -, habe er in einem Nebensatz gesagt, dass die EZB den Ankauf von Unternehmensanleihen im kommenden Jahr fortsetzen werde.
Obwohl die EZB-Entscheidung noch Nachwirkungen haben werde, würden die Investoren einen Blick auf den vorläufigen Q3 US-BIP-Wert werfen, der durch die Unwetter jedoch verzerrt sein werde. Auch der endgültige Wert des Indikators der Uni Michigan sei von Interesse. Und schließlich würden sowohl die Tagung des FOMS als auch die wahrscheinliche Veröffentlichung von weiteren Details zum US-Haushalt und damit zu den Steuerplänen Anfang November ihre Schatten vorauswerfen.
Unterstützung sollten die Bunds von den Entwicklungen in Spanien bekommen. Madrid dürfte nun die formale Entmachtung der Regionalregierung einleiten. Wie es dann weiter gehen werde, sei jedoch völlig offen. Allerdings dürfte der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) aufgrund der Vorgaben aus Asien und den Kursgewinnen an den Aktienmärkten gestern heute Morgen tendenziell unter leichtem Abgabedruck geraten und sich im Tagesverlauf zwischen 160,80 und 162,20 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte heute zwischen 2,36 und 2,51% schwanken. (27.10.2017/alc/a/a)
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