Hannover (www.anleihencheck.de) - In Großbritannien dämpfen die hohen Inflationsraten weiterhin den Expansionsspielraum der Binnennachfrage, berichten die Analysten der Nord LB.
Im August sei die Jahresteuerung bei den Lebenshaltungskosten auf 2,9% Y/Y geklettert. Neben den auch in anderen Ländern zuletzt zu beobachtenden Basiseffekten bei den energiesensitiven Komponenten sei das schwache Britische Pfund maßgeblich für den starken Anstieg der Verbraucherpreise verantwortlich. Der Anteil importierter Produkte im statistischen Warenkorb sei in Großbritannien typischerweise sehr hoch. Der letzte Arbeitsmarktbericht habe mit der auf den historischen Tiefstwert von 4,3% gefallenen Arbeitslosenquote auf den ersten Blick zwar erfreuliche Informationen zu bieten gehabt. Der weiterhin nur sehr schleppende Zuwachs bei den Löhnen und Gehältern um gerade einmal 2,1% Y/Y werde von der hohen Inflationsrate aber mehr als aufgezehrt. Eine Erosion der Kaufkraft der Verbraucher im Vereinigten Königreich sei die Folge. Obwohl viele Briten versuchen würden, ihr Konsumniveau zulasten der Ersparnis aufrechtzuerhalten, werde das nicht lange gut gehen und die Binnennachfrage noch stärker unter Druck bringen.
Auf seiner Sitzung am 14. September habe das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) mehrheitlich entschieden, alle relevanten geldpolitischen Parameter unverändert zu belassen. Bei der Abstimmung zum Leitzins hätten mit Ian McCafferty und Michael Saunders erneut zwei Mitglieder des MPC für eine Anhebung der Bank Rate um 25 Basispunkte votiert. Die Beschlüsse zu den Ankaufprogrammen seien einstimmig erfolgt. Allerdings habe die Notenbank in ihrer Erklärung darauf hingewiesen, dass über kurz oder lang eine Straffung der Geldpolitik gerechtfertigt sein könne, sofern sich die Wirtschaft so wie in den im letzten Monat vorgestellten Projektionen entwickle.
Auch wenn die Analysten der Nord LB hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit der britischen Wirtschaft gegen Brexit-Verunsicherungen und Wechselkursturbulenzen skeptisch bleiben, sind sie nun der Meinung, dass die absehbar weiterhin viel zu hohen Inflationsraten die BoE zu einer Anhebung der Bank Rate um 25 Basispunkte auf 0,50% auf ihrer Sitzung am 2. November zwingen werden. Mit dieser Meinung seien die Analysten nicht ganz allein, die Geld-, Bond- und Devisenmärkte würden diesen Zinsschritt mehr und mehr einpreisen. Die erste geldpolitische Straffung seit ziemlich genau zehn Jahren solle einer weiteren Abwertung des Pfund und einem noch stärkeren Überschießen der Inflationsraten entgegenstehen. Die Analysten der Nord LB glauben, das wird nur teilweise gelingen. (Ausgabe Oktober 2017) (27.09.2017/alc/a/a)
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