Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal hat positiv überrascht, so die Analysten der DekaBank.
Die Rate von 2,5% yoy markiere das höchste Expansionstempo seit fünf Jahren. Details seien noch nicht veröffentlicht worden, doch die Monatsdaten würden darauf hindeuten, dass die Erholung breit basiert gewesen sei. Die Analysten hätten ihre Prognose für 2017 auf 1,8% (von 1,2%) nach oben revidiert, würden allerdings davon ausgehen, dass die Konjunkturdynamik in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas zurückgehe.
Dies zeichne sich bereits in der Entwicklung des Industrieproduktion und der Einzelhandelszahlen für Juli ab, die nur 1,1 bzw. 1% höher als im Vorjahr gelegen hätten. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe sei im August ebenfalls etwas schlechter gewesen als im Juli: Der Einkaufsmanagerindex sei um 1,1 Punkte auf nun 51,6 zurückgegangen. Nur die Stimmung in der Dienstleistungsbranche habe sich gemäß der PMI-Entwicklung (auf 54,2 von 52,6 Punkten im Juli) verbessert, möglicherweise dank der Ankündigung, dass die Zentralbank die Sanierung der großen ins Straucheln geratenen Privatbank "Otkrytie" selbst übernehmen werde, was die Unsicherheit im Bankensektor deutlich reduziert habe.
Die Umsetzung notwendiger Reformen werde durch bevorstehende Wahlen und den mangelnden Willen der Machtinhaber erschwert. Die neuen US-Sanktionen würden Russlands wirtschaftliche Isolation verstärken, indem sie dem Privatisierungsprozess, der ohnehin sehr schleppend verlaufe, weitere Steine in den Weg legen würden.
Die wirtschaftliche Erholung und eine konservative Fiskalpolitik würden Russland auf ein Rating-Upgrade hoffen lassen. Derzeit vergebe nur Fitch ein Investment Grade, während S&P und Moodys Russland noch einen Notch darunter sehen würden. Die Ratings seien von soliden Staatsfinanzen und niedriger externer Verschuldung untermauert: Die Staatsverschuldung liege unter 15% des BIP und auch die Finanzierung des Defizits dürfte dank höherer Ölpreise und fiskalischer Reservefonds über die nächsten Jahre keine größeren Probleme bereiten. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven mittlerweile wieder bei über 400 Mrd. USD lägen.
Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Politisch richte sich der Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2018, bei der eine weitere Amtszeit für Putin sehr wahrscheinlich sei. Die Parlamentswahl 2016 habe die Regierungspartei mit einem Stimmenanteil von 54,2% bei geringer Wahlbeteiligung eindeutig für sich entschieden. (Ausgabe vom 13.09.2017) (14.09.2017/alc/a/a)
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