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04.07.17 16:35
Jetzt auch die EZB - Notenbanken bereiten Märkte auf Kurswechsel vor

Paris (www.anleihencheck.de) - Das erste Halbjahr brachte durchaus erfreuliche Entwicklungen an den Aktienbörsen, vor allem Emerging Markets legten deutlich zu (+9,5%), Europa lag mit +6,7% nicht weit dahinter, so die Experten von Amundi Asset Management.

Der schwache US-Dollar (-7,7% gegenüber dem Euro) und der schwache Yen (-4,1% gegenüber dem Euro) seien dafür verantwortlich gewesen, dass Weltaktien - in Euro gerechnet - nur um +2,3% gestiegen seien.

"Der Euro legte 2017 bisher aus mehreren Gründen zu", erläutere Hans Köck, Investmentstratege von Pioneer Investments Austria, einem Unternehmen der Amundi Gruppe. Der Euro sei gegenüber dem US-Dollar auf Basis der Kaufkraftparitäten seit längerer Zeit unterbewertet, die Eurozone habe einen Leistungsbilanzüberschuss, die USA ein Defizit, das politische Risiko habe sich von Europa derzeit eher auf die USA verlagert und zuletzt habe sich der Zinsabstand zwischen den USA und der Eurozone verringert. Von den positiven Aussichten für die europäische Wirtschaft hätten auch die europäischen Aktien profitiert und 2017 habe es dadurch Mittelzuflüsse in die Eurozone gegeben. Zuletzt habe sich der Euro der oberen Trading-Range zum Dollar (1,05 bis 1,15) genähert, die schon seit 2015 bestehe.

Die Renditen der Staatsanleihen der Eurozone würden sich schon seit längerer Zeit seitwärts auf extrem tiefem Niveau bewegen. Durch die zunehmende Wirtschaftsdynamik und den Anstieg der Inflation gebe es Druck auf die Anleihenmärkte. Durch die Rede von EZB-Chef Draghi vom 27. Juni, bei der er sein Vertrauen in den Inflationsausblick erläutert habe, sei es Ende Juni zu einem raschen Anstieg der Renditen gekommen. Der Markt werte die Aussagen in Anbetracht der fortschreitenden Wirtschaftserholung und der Inflationsaussichten als Indikator dafür, dass die EZB die Märkte auf eine Reduktion des Anleihenankaufprogramms 2018 vorbereiten wolle.

Euro-Staatsanleihen seien im 1. Halbjahr um 1% gefallen, die Kernländer (-1,3%) seien dabei stärker als die Peripherieländer (-0,1%) gefallen, die nach wie vor besonders vom Anleihenankaufprogramm der EZB profitieren würden. Euro High Yield-Anleihen seien im ersten Halbjahr deutliche Outperformer (+4,1%) gewesen, Emerging Markets Anleihen in Hartwährung (-1,9%) hätten vor allem unter dem schwachen Dollar gelitten.

"Wir bleiben weiterhin positiv auf europäische Aktien, die von der stärkeren Wirtschaftsdynamik und der positiven Entwicklung der Unternehmensgewinne profitieren", ergänze Köck. "Europa hinkt seit der Finanzkrise bei den Unternehmensgewinnen deutlich hinter den USA und Japan hinterher. Das könnte sich ändern: Die Rohstoffpreise sind jetzt für Europa, das mehr Rohstoffe importiert als exportiert, günstiger als vor einigen Jahren, die Inflation und damit auch das nominelle Wirtschaftswachstum sind auf dem Weg nach oben. Nach Jahren der Einsparungen sind die Unternehmen besser aufgestellt, um davon zu profitieren." Das abnehmende politische Risiko könnte jetzt die Investoren, die bisher geduldig gewesen seien, weiter belohnen. Im ersten Halbjahr seien Mittelzuflüsse globaler Investoren nach Europa zu verzeichnen gewesen.

"Für das 2. Halbjahr bleiben wir vorsichtig optimistisch. Die Volatilitäten sind auf historisch niedrigen Niveaus, daher sind wir bei gemischten Fonds im Hinblick auf die Risikobudgets weiterhin konstruktiv, aber vorsichtig. Wir bevorzugen derzeit Relative Value Strategien, wir meiden teure Asset Klassen und sind sehr selektiv bei der Auswahl von Unternehmensanleihen. Über taktische Hedging-Strategien sichern wir uns weiterhin gegen Extremrisiken ab", fasse Köck zusammen. (04.07.2017/alc/a/a)


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