Kronberg im Taunus (www.anleihencheck.de) - Für die globale Geldpolitik ist der Juni ein wichtiger Monat: Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (FED) werden am 8. bzw. 14. Juni Aufschluss über ihre weiteren Überlegungen für einen Rückzug aus ihrer lockeren Geldpolitik geben, so Anna Stupnytska, Volkswirtin bei Fidelity International mit Ausrichtung auf die globalen Märkte.
Beide Zentralbanken könnten sich zurückhaltender zeigen, als viele erwarten würden. Das verdeutliche einmal mehr, wie schwer der Ausstieg aus der vor acht Jahren eingeleiteten extrem lockeren Geldpolitik sei.
Auch der Inflationsausblick bleibe verhalten, da der Rohstoffpreisanstieg des letzten Jahres langsam aus den Vorjahresvergleichen herausfalle. Zwar dürfte sich die Kerninflation in den kommenden Monaten beschleunigen, was aber für die FED kein Grund zur Sorge sein dürfte. Von der angespannteren Lage am Arbeitsmarkt könnte endlich Aufwärtsdruck auf die Löhne ausgehen. Aber die in der aktuellen Zyklusphase relativ flache Phillips-Kurve lasse nur auf eine sehr allmähliche Beschleunigung schließen.
Auf ihrer Sitzung im Juni werde die EZB wahrscheinlich von ihrer extrem lockeren Haltung abrücken. Wie bereits von einigen Ratsmitgliedern angedeutet, werde sie ihre als "Forward Guidance" bezeichnete Erwartungssteuerung anpassen. Mit Einzelheiten über den Ausstieg sei allerdings nicht vor Jahresende zu rechnen. Dieser werde vermutlich langsamer als erwartet erfolgen und davon abhängen, wie stark der Euro sei. Auch die Märkte dürften nach Hinweisen auf ein langsames Auslaufen der Lockerungsmaßnahmen und eine Anhebung der Einlagenzinsen Ausschau halten. Nach Erachten der Experten sei die EZB aber noch nicht bereit, diese Entscheidungen zu treffen. Dies werde wohl ein Thema für das nächste Jahr sein. (Ausgabe vom 01.06.2017) (06.06.2017/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de