Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
29.05.17 11:45
Kräftiger Rückenwind treibt die Schwellenmärkte voran - Anleihen dürften Auftrieb bekommen

München (www.anleihencheck.de) - Während die globale Konjunktur nur langsam vorankommt, lassen zahlreiche Schwellenländer die Industriestaaten hinter sich. Im Durchschnitt erwarten Karen Watkin und Morgan Harting, beide Multi-Asset Portfolio Manager bei AB, für die Schwellenländer 2017 ein Wachstum von 4,1 Prozent, für die Industrieländer hingegen nur knapp über 2 Prozent.

Doch das sei nicht der einzige Faktor, der für Anlagen in den Emerging Markets (EM) spreche. Anleger würden den positiven Strukturwandel an den Schwellenmärkten wahrnehmen, die althergebrachten Einwände höherer Schwankungen bei den Unternehmen und Staaten würden in den Hintergrund treten. Viele EM-Länder hätten inzwischen erhebliche politische und wirtschaftliche Reformen durchgeführt, die vor allem die Konjunktur stabilisieren würden. Dadurch sei die Inflationsrate signifikant gesunken und die Wechselkurse seien stabiler geworden. Das wiederum ermögliche vielen Regierungen, mehr Maßnahmen zu ergreifen um die Konjunktur zu beleben - was sowohl Anleihen als auch Aktien aus den Schwellenmärkten Auftrieb verleihen dürfte.

Durch die sinkenden Inflationsraten habe sich die Preismacht der Produzenten verbessert. Das komme den Margen und Gewinnen vieler EM-Unternehmen zugute und stütze ihre Kreditwürdigkeit. Dank der stark verbesserten Außenbilanzen vieler Schwellenländer seien diese nun auch weniger abhängig von ausländischem Kapital und somit nicht mehr so stark den steigenden Zinsen in den Industrieländern ausgeliefert. In der Vergangenheit habe dies die EM stark belastet.

Chinas Wirtschaft setze seinen großen Strukturwandel fort - weg von exportgestütztem Wachstum hin zu einem ausgewogeneren Modell mit größerem Gewicht auf inländischer Nachfrage und Investitionen. Dieser Trend unterstütze viele der schnell wachsenden Unternehmen, die auf den heimischen Markt ausgerichtet seien. Der Autobahnbetreiber Jiangsu Expressway sei dafür ein gutes Beispiel. Das Unternehmen dürfte von höheren Infrastrukturausgaben profitieren, aber auch von dem höheren Verkehrsaufkommen durch die steigende Zahl der Zulassungen für Autos und Lastwagen. Auch die neuen Sicherheitsvorschriften um überladene Lastwagen zu verhindern seien positiv für Jiangsu, da mehr Lastwagen benötigt würden und das Mautaufkommen steigen dürfte.

In einigen anderen Schwellenländern lägen die Chancen der langfristigen Veränderungen eher im festverzinslichen Bereich. Mexiko durchlebe gerade eine eher schleppende konjunkturelle Entwicklung, was gegen einen Einsatz am relativ hochbewerteten Aktienmarkt spreche. Doch die gebremste Entwicklung zähme die Inflation. Das sei ein weiterer positiver Faktor für mexikanische Staatsanleihen. Diese hätten zuletzt ebenfalls davon profitiert, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung sehr umsichtig agiere. In Mexikanischem Peso ausgegebene Anleihen würden bereits Investment-Grade-Status genießen. Dennoch biete die zehnjährige Anleihe eine Rendite von mehr als 7 Prozent. Das ergebe eine hochinteressante Kombination von hohem Ertragspotenzial bei überschaubarem Risiko.

Andere Schwellenländer seien auf der Währungsebene besonders attraktiv. Die leidvolle Geschichte Argentiniens als Schuldnerland bedeute, dass seine Staatsanleihen weiterhin ins High-Yield-Universum eingeordnet würden. Es sei Präsident Macri und seiner marktfreundlichen Regierung jedoch gelungen, eine Übereinkunft mit der internationalen Gläubigergemeinschaft zu erzielen. Dadurch erhalte das Land wieder Zugang zu ausländischem Kapital. Diese positiven Entwicklungen würden Peso-denominierte Anleihen doppelt anziehend machen: Sie würden nicht nur eine Rendite von 14 Prozent, sondern auch einen Zuschlag von der Währung bieten.

Trotz der erwähnten positiven Faktoren, die durch hohe Wachstumsraten und Reformen ausgelöst worden seien, seien viele EM-Vermögenswerte noch immer vergleichsweise günstig bewertet. Insbesondere gegenüber den Papieren aus den Industrieländern. Schwellenland-Aktien würden zu einem erheblichen Abschlag gehandelt. Und EM-Anleihen in Lokalwährung würden einen besonders hohen Renditevorteil im Vergleich zu Papieren aus den Industrieländern bieten. Zudem seien die meisten Anleger trotz der jüngsten Mittelzuflüsse in die Schwellenmärkte dort weiterhin untergewichtet. Das lasse vermuten, dass erhebliches Potenzial für zukünftige Allokationen verbleibe, wodurch die Vermögenswerte der Schwellenländer zusätzlich gestützt werden dürften. (29.05.2017/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de