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13.03.17 14:30
Globaler Fixed Income Kommentar: Unsicherheit erfordert Selektivität

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das neue Jahr bietet gegensätzliche Perspektiven auf das globale Makroumfeld, angefangen mit einem Höhenflug an den Märkten und Befürchtungen an der politischen Front, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Zu diesem ungewissen, kritischen Zeitpunkt seien die Hauptüberzeugungen der Experten, dass:

1) die US-Wirtschaft das größte Potenzial aufweise, ihre Position in 2017 zu stärken
2) die Divergenzen gravierende Ausmaße erreichen würden, was zu einer erheblichen Neubewertung auf den Zinsmärkten führen werde und
3) die Volatilität noch weiter steigen dürfte.

Nach Ansicht der Experten würden diese Entwicklungen auf mehr Chancen zur Alpha-Generierung in den kommenden Monaten hindeuten, obwohl sich die direktionalen Risiken erhöht hätten.

Der politische Ausblick in den USA sei reflationär, worauf die weltweiten Zinssätze entsprechend reagieren würden. Die animalischen Instinkte - womit John Maynard Keynes das für Wachstum ausschlaggebende Anlegervertrauen bezeichne - hätten seit der Wahl im November kräftig zugelegt und so könnte in den ersten Tagen der Trump-Administration die Stimmung einen größeren Einfluss haben als die tatsächliche Politik. Eine Agenda der fiskalischen Expansion, der Deregulierung und des möglichen Handelsprotektionismus berge zusammen mit einer sich verringernden Produktionslücke die Gefahr, dass die US-Inflation weiter steigen werde. Die Experten würden zu einer Untergewichtung von US-Zinsen und staatlichen Hypothekenanleihen tendieren und den US-Dollar und inflationsgebundene Wertpapiere bevorzugen.

Die kommenden Monate würden mehr Klarheit über die Prioritäten der neuen Regierung verschaffen. Die Experten würden ein starkes Engagement in puncto Steuerreform erwarten, die mit einem sinkenden Körperschaftsteuersatz einhergehe. Angesichts der Abneigung der republikanischen Führungsspitze gegenüber der Staatsverschuldung könne es jedoch sein, dass Infrastrukturausgaben auf nach 2017 verschoben würden und erheblich hinter den in der Kampagne geweckten Erwartungen zurückbleiben würden.

Die geplante regulatorische Rolle Rückwärts - d. h. die Rücknahme bestehender Vorschriften einschließlich der Außerkraftsetzung von Finanz- und Umweltgesetzen - habe in der Finanz- und Energiebranche bereits Rallyes angefeuert. Die Experten würden denken, dass die Abwicklung mehr Zeit in Anspruch nehmen könne, als manche erwarten würden, obgleich selbst ein Aufschub der neuen Regeln Inlandsinvestitionen stützten könnte.

Inmitten der Rallyes von Risikoaktiva seien die möglichen Nachteile einer Trump-Präsidentschaft noch abzuwarten - zumindest außerhalb Mexikos. Während die Experten vorerst wachsam seien, was die sich zuspitzenden politischen Risiken angehe, könnten die Vorteile einer erstarkenden US-Wirtschaft nach Meinung der Experten jedoch einige dieser Bedenken ausgleichen. Die Experten würden nach wie vor Wert im Mexikanischen Peso sehen, da die Währung angesichts der Wachstumsaussichten des Landes unterbewertet sei.

Die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Geldpolitik würden Extreme begünstigen. Angesichts der Wahrscheinlichkeit eines Konjunkturprogramms würden die Experten damit rechnen, dass die US-Notenbank die Zinssätze 2017 dreimal anheben werde, sofern sich die Finanzbedingungen nicht zu sehr verschärfen würden. Die Zentralbanken in Europa und Japan würden wahrscheinlich weiterhin nach Möglichkeiten suchen, ihre Lockerungsprogramme zu verlängern. Die Experten würden folglich davon ausgehen, dass sie mehr Chancen in der Divergenz von US-amerikanischen und europäischen Zinssätzen sehen würden, auch wenn die Nachfrage nach höher rentierenden US-Vermögenswerten den Unterschied begrenzen könnte.

Wir befinden uns in einem günstigen Umfeld für Risikoaktiva, doch denken wir, dass die Risiken ausgewogen sind, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management. Die Märkte hätten einen Großteil der positiven Wachstumsaussichten eingepreist und stünden noch immer vor der Herausforderung steigender Zinssätze. Die Experten würden selektive Chancen in den Schwellenländern sehen, da sie sich ihrer Ansicht nach kaum vom anziehenden US- und Weltwirtschaftswachstum abkoppeln würden. Darüber hinaus würden die Experten Wertpotenzial im Bereich der Unternehmenskredite sehen, obwohl sie sich in dieser späten Phase des Zyklus vor einem Anstieg der Zahlungsausfälle in Acht nehmen würden.

Die entsprechende Normalisierung der Zinssätze sollte das Wirtschaftswachstum und - von einer Anlageperspektive aus - die Alpha-Generierung begünstigen. Sollten die Zinsen steigen, um das verstärkte Wachstum und die höheren Inflationserwartungen im Zeitablauf widerzuspiegeln, werde die sich daraus ergebende steilere Zinskurve zu einem positiven Wirtschaftszyklus beitragen. Außerdem würden die Experten mehr Renditechancen sehen, wenn die Bewertungen wieder mehr auf traditionelle Marktimpulse reagieren würden und Volatilitäten unterlägen, als wenn sie von der Politik der Zentralbanken abhängen würden.

In diesem Umfeld würden die Experten zu einer Untergewichtung von Staatsanleihen und staatlichen Hypothekenanleihen tendieren und inflationsgeschützte Wertpapiere bevorzugen. Die Experten würden zudem weitere Chancen für Relative-Value-Trades auf Zins- und Devisenmärkten sehen, die mit ihren Erwartungen einer Divergenz der Wachstums- und Finanzbedingungen in den entwickelten Volkswirtschaften im Einklang stünden.

In der durch politische Unsicherheit bedingten Volatilität würden die Experten sowohl Risiken als auch Chancen sehen. In der ersten Jahreshälfte würden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und eventuell auch Italien stattfinden, gefolgt von Deutschland in der zweiten Jahreshälfte. Die Experten würden denken, dass diese politischen Risiken auf den europäischen Märkten, die durch die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der EZB ruhig gestellt worden seien, unterbewertet seien. Obwohl die Experten kurzfristig mit keiner Krise rechnen würden, hätten die Risiken bezüglich der Stabilität der EU die Relative-Value-Trades der Experten auf den Kern- und Peripheriemärkten für Staatsanleihen wieder erstarken lassen und die Experten würden Ausschau nach französischen Renditen halten, die gegenüber ihren deutschen Gegenstücken steigen dürften.

Die in den letzten Monaten erfolgte Stabilisierung der Wirtschaftsaktivität und schnelle politische Reaktionen auf Anzeichen einer Abschwächung hätten dabei geholfen, die Befürchtungen über eine kurz bevorstehende Krise in China zu zerstreuen. Allerdings würden die Experten großes Potenzial für politische Fehltritte in dem Bestreben sehen, die Stabilität bis zum Führungswechsel im November 2017 aufrechtzuerhalten.

Die politischen Entscheidungsträger würden nach wie vor darauf vertrauen, dass das Wachstum neben dem bestehenden, nicht haltbaren Tempo von Krediterweiterungen gestützt werde. Darüber hinaus würden sie sich auch weiterhin damit schwer tun, die konkurrierenden Ziele einer Öffnung des Kapitalverkehrs, einer Beibehaltung der Währungsstabilität und der Notwendigkeit niedrigerer Zinssätze in Einklang zu bringen. Somit würden die Experten auch weiterhin Potenzial in der Kreditabsicherung in China sowie für erhöhte Volatilität aus den Handels- und außenpolitischen Spannungen mit den USA sehen. (13.03.2017/alc/a/a)



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