Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Aufwärtsrevisionen in der Industrieproduktion deuten darauf hin, dass sich die russische Wirtschaft schneller als gedacht erholt hat, so die Analysten der DekaBank.
Detaillierte Zahlen für das vierte Quartal lägen noch nicht vor, aber mit der bereits berichteten Schrumpfung des BIP von nur 0,2% in 2016 zeichne sich ein zumindest vorsichtig optimistisches Bild ab. Allzu große Sprünge dürften in diesem Jahr aber trotzdem nicht zu erwarten sein. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Sanktionen habe sich durch die abgekühlte Haltung Trumps und die erneuten Kämpfe in der Ostukraine erst wieder einmal aus den Köpfen der Marktteilnehmer verflüchtigt und auch die gestiegenen Erwartungen an Zinsschritte der US-FED dürften sich negativ auf die russische Wirtschaft auswirken.
Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe habe im Februar nach sechs Anstiegen in Folge zum ersten Mal wieder signalisiert, dass der Aufschwung nicht weiter an Fahrt aufnehme. Sowohl Produktion als auch Auftragseingänge seien langsamer angestiegen als in den Vormonaten. Auch der Dienstleistungsindex sei um 2,9 Punkte gefallen, habe mit einem Wert von 55,5 aber noch deutliches Wachstum angezeigt. Positive Nachrichten habe es vor allem für Konsumenten gegeben: Die real verfügbaren Einkommen seien im Januar um 8,1% im Vorjahresvergleich gestiegen. Jedoch sei der Anstieg größtenteils auf eine einmalige Pensionszahlung zurückzuführen gewesen und dürfte damit keine Trendwende einläuten.
Ölpreisanstieg, solider Arbeitsmarkt und kleine Fortschritte in der Importsubstitution sollten Russland auf Wachstumskurs halten. Mangelnde Reformen würden das Aufwärtspotenzial limitieren. Geopolitik bleibe ein Risiko.
Nachdem Moodys seinen negativen Credit Watch bereits im April 2016 mit ersten Anzeichen der Stabilisierung zurückgezogen habe, sei im September S&P gefolgt und habe den Ausblick von negativ auf stabil angehoben. Die Agentur habe dabei auf niedrigere externe Risiken hingewiesen. Auch die fiskalische Lage Russlands sei durchaus solide: Die Staatsverschuldung liege unter 15% des BIP und auch die Finanzierung des Defizits dürfte dank höherer Ölpreise und fiskalischer Reservefonds über die nächsten Jahre keine größeren Probleme bereiten.
Die Fiskal- und Geldpolitik würden konservativ ausgerichtet bleiben. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven weiterhin solide knapp unter 400 Mrd. USD lägen. Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Der Sieg Trumps bei den US-Wahlen habe hier zuletzt die Karten neu gemischt. Die Parlamentswahl im September 2016 habe die Regierungspartei mit einem Stimmenanteil von 54,2% bei geringer Wahlbeteiligung eindeutig für sich entschieden. Die Präsidentschaftswahlen 2018 würden nun in den Fokus rücken. Eine weitere Amtszeit für Putin sei sehr wahrscheinlich. (08.03.2017/alc/a/a)
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