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04.01.17 11:00
Investmentausblick 2017: Der lange Zyklus setzt sich fort

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In gewisser Hinsicht stellt unsere Prognose für das neue Jahr eine Fortsetzung desselben langen Zyklus dar, von dem wir bereits Anfang 2016 ausgingen, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Der wichtigste Unterschied für das Jahr 2017 bestehe in vier sich abzeichnenden Veränderungsprozessen: Erstens werde die Globalisierung vom wachsenden Populismus herausgefordert, was weitere Risiken heraufbeschwöre; zweitens richte sich der Fokus auf die steigende Inflation statt Sorgen um geringes Wachstum; drittens rücke nach Jahren der Fokussierung auf die Geldpolitik nun die Fiskalpolitik stärker ins Blickfeld; viertens würden die Bedenken im Hinblick auf neue Regulierungsvorschriften schwinden und es bestehe Hoffnung auf mehr Deregulierung.

Die größte Veränderung im gegenwärtigen Umfeld sei das Abrücken vom omnipräsenten Globalisierungstrend, der mit immer größeren grenzüberschreitende Handelsflüssen einhergegangen sei. Nach Jahren des verlangsamten Wirtschaftswachstums und steigenden Wohlstandsgefälles sei die Unterstützung für Parteien mit populistischeren Botschaften - häufig ausgerichtet auf eine lockerere Fiskalpolitik, Einwanderungsreformen und/oder eine protektionistische Handelspolitik - in den vergangenen Jahren konstant gestiegen.

Der Populismus habe 2016 mit der Entscheidung Großbritanniens für den Austritt aus der Europäischen Union und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zwei wichtige Siege verbuchen können. Angesichts ihrer potenziellen Auswirkung auf Europa und der erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass die Handelspolitik stärker von Protektionismus geprägt wird, werden wir die Entwicklung populistischer Trends im Jahr 2017 genauestens beobachten, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management.

Der letztjährige Ausblick der Experten von Goldman Sachs Asset Management war geprägt von geringer Inflation und nominalem Wachstum. Bereits damals habe sich abgezeichnet, dass bei beiden Faktoren höhere Kennzahlen erwartet würden. Für 2017 sei von weniger Sorgen bezüglich einer potenziellen säkularen Stagnation auszugehen. Stattdessen dürfte in den USA ein Paradigmenwechsel zugunsten eines stärker von der Inflation geprägten Systems zu beobachten sein.

Die Inflationstendenzen und Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik als Gegenreaktion würden nahe legen, dass die Zinssätze in den USA 2017 weiter steigen würden. Die verschiedenen Sektoren am Aktienmarkt dürften unterschiedlich auf ein Umfeld steigender Zinsen und höherer Inflation reagieren. Finanztitel sollten sich überdurchschnittlich entwickeln, während sich Aktien, die in der Vergangenheit höhere Erträge oder geringere Volatilität ausgewiesen hätten, möglicherweise schwächer entwickeln als der breite Aktienmarkt. Dazu zähle man u.a. Versorger oder nichtzyklische Konsumgüter. Auch Real-Estate-Investment-Trusts könnten unter Druck geraten. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management gehen jedoch von einer teilweisen Kompensierung aus, da eine steigende Inflation zu höheren Mieten führt - im Gegensatz zu den negativen Auswirkungen, die eine Inflation aufgrund steigender Herstellungskosten auf nichtzyklische Konsumgüter haben könnte.

Die Divergenzen in der Geldpolitik dürften im kommenden Jahr nochmals extremer werden. Nach Einschätzung der Experten werde die US-Notenbank die Zinssätze mindestens zweimal erhöhen, während die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan (BoJ) weiter die Grenzen der Lockerungsfähigkeit ihrer Politik austesten würden. Obwohl sich das Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks weiter schleppend vollziehe, verlagere sich der Schwerpunkt aus zwei Gründen hin zu höheren Staatsausgaben: Einerseits als Gegenreaktion auf die jahrelange Sparpolitik, andererseits aufgrund der Erkenntnis, dass es Infrastrukturverbesserungen bedürfe. Diese Veränderung könnte für einen besseren Politikmix sorgen, der das Wachstum und die Unternehmensgewinne stütze. Möglich sei allerdings auch, dass Verschuldung und Inflation in die Höhe schnellen würden und eine höhere Volatilität bei Industrie- und Schwellenländeranlagen entstehe.

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management sind überzeugt, dass die geringe Inflation in Europa und die andauernden EZB-Anleihekäufe die Bundesanleihen weiter unterstützen werden. Im Vergleich zu den USA könnte die abweichende Geldpolitik zudem den Euro in die Parität mit dem US-Dollar treiben. Ebenso wie die Schwellenländer, die am stärksten unter dem Wandel der FED-Politik gelitten hätten, seien die schwächeren Volkswirtschaften am Rande Europas einer volatilitätsbedingten Erhöhung der Kreditkosten ausgesetzt. Allerdings hätten einige der schwächeren Schwellenländer ihr gegenwärtiges Leistungsbilanzdefizit mittlerweile reduziert und dürften nun eher in der Lage sein, Belastungen standzuhalten.

Die Politik der BoJ, die darauf ziele, die Zinskurve in Japan zu kontrollieren, werde vermutlich den Abwärtsdruck auf den Japanischen Yen aufrechterhalten. Dennoch sehen die Experten von Goldman Sachs Asset Management ein geringes Abwärtspotenzial für Renditen auf japanische Staatsanleihen. Aus quantitativer Sicht habe die geldpolitische Lockerung die Bewertungen von Aktien- und Anleihe-Portfolios auf ein hohes Level gehievt, doch die Unterschiede in diesen Märkten würden historisch gesehen groß bleiben. Da sich die Geldpolitik in Richtung fiskalpolitische Lockerung entwickle, werde sich diese Streuung 2017 potenziell verringern, wovon wertorientierte Anlagestrategien profitieren könnten.

Die Aussicht bevorstehender höherer Staatsausgaben habe bereits einige Aufmerksamkeit erregt. Dabei könnte ein Deregulierungsschub sogar noch stärkere Auswirkungen auf das Wachstum und die Märkte im Jahr 2017 haben. So würden die von Donald Trump in den USA vorgeschlagenen Gesetzesänderungen auf einen verbesserten Kapitalzugang und den Abbau von Barrieren für Geschäftsgründungen abzielen. In Europa sei die Unterstützung der Unternehmen zugunsten des Brexit von der Sorge über eine ausufernde Regulierung getragen worden. Zudem hätten europäische Finanzinstitute begonnen, sich gegen die Regulierungswelle nach der Krise aufzulehnen.

Währenddessen sei China weiterhin auf der Suche nach dem richtigen Mix aus Regulierung und Stimulierung, mit dem Strukturreformen vorangetrieben und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten werden solle. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management werden daher das Ausmaß der Regulierungsdivergenz in der globalen Wirtschaft und das Potenzial für eine Deregulierung des Wettbewerbs genauestens im Auge behalten.

In den USA dürften Änderungen der bestehenden Finanzgesetzgebung das Kreditwachstum anregen und Probleme aufgrund schwieriger Finanzierungsbedingungen lindern. Diese hätten sich aus höheren Zinsen und einer stärkeren Währung ergeben. Eine Lockerung des Regulierungskorsetts dürfte zudem das Kreditwachstum in Europa ankurbeln.

Die Nachfrage nach Unternehmens- und Haushaltskrediten dürfte schwach bleiben und die Experten von Goldman Sachs Asset Management gehen davon aus, dass sich beim Wachstum und der Inflation auch 2017 keine Aufwärtsdynamik entwickeln wird. In Großbritannien würden sie erwarten - unabhängig davon, in welche Richtung sich die Regulierung entwickle - dass sich der Trend steigender Compliance-Kosten in nächster Zeit fortsetzen werde. Zusammen mit schwachen Wachstums- und Inflationsaussichten im Zuge der sich abzeichnenden Auswirkungen des Brexit werde dies die Rentabilitätsaussichten belasten. (04.01.2017/alc/a/a)


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