Boston (www.anleihencheck.de) - 2016 ist in zweierlei Hinsicht ein beachtenswertes Jahr: Zum einen wegen seiner Dürreperioden zum anderen aufgrund des Hochwassers, so die Experten von MFS Investment Management.
Eine einheitliche Wetterlage habe es bislang nicht gegeben. Das habe - wenn man so wolle - auch auf den Finanzmarkt zugetroffen. Eine Assetklasse nach der nächsten sei im Wert trotz weltweit stagnierendem Wirtschaftswachstum und schwächelnden Unternehmensgewinnen gestiegen. Warum würden Investoren den Markt nach oben treiben? Die extrem akkommodierende Geldpolitik der Zentralbanken sei die plausibelste Erklärung. Da ein beträchtlicher Teil der weltweiten Renditen langfristiger Staatsanleihen im negativen Bereich liege, würden Kapitalströme, statt wie normalerweise in hochwertige festverzinsliche Wertpapiere, nun in Dividendenwerte fließen. Diese Renditejagd treibe dividendenstarke Unternehmen wie etwa Immobilienaktien (REITs), Versorger- und Telekommunikationsaktien zu historisch hohen Kurs/Gewinn-Verhältnissen. Das sei der seit Jahren offensichtlichste Beweis dafür, dass Investoren Anleihen durch Aktien ersetzen würden.
Aktieninvestoren sollten besonders auf mögliche wirtschaftliche Wendepunkte Acht geben. Die Geschichte zeige, dass die Märkte immer dann besonders euphorisch reagieren würden, wenn der kritischste Punkt im Konjunkturzyklus erreicht sei. Die aktuelle, wirtschaftliche Expansion in den USA dauere bereits acht Jahre an. Ein durchschnittlicher Wirtschaftszyklus liege allerdings bei fünf Jahren. Der Aktienmarkt habe bislang seinen Höhepunkt immer sechs bis acht Monate vor dem Beginn einer Rezession erlebt, wenngleich die Vorhersagen von Rezessionen natürlich nicht ganz einfach seien. Wenn Rezessionen eintreten würden, würden Unternehmensgewinne und auch Aktienmärkte im Schnitt um etwa 26 Prozent fallen. Lasse man sich als Investor also auf eine spätzyklische Euphorie ein - könne das am Ende sehr teuer werden, insbesondere dann, wenn man aus den falschen Gründen in Aktien investiert habe.
Statt im späten Wirtschaftszyklus auf Aktien zu setzen, sollten renditehungrige Investoren Unternehmensanleihen in Erwägung ziehen. Investmentgrade-Anleihen seien gemessen an historischen Standards aktuell zwar nicht gerade günstig, aber auch nicht übermäßig teuer. Investoren fänden attraktive Anlagemöglichkeiten bei den Unternehmensanleihen, zumal die Renditen vergleichbar seien mit den zu erwartenden Dividenden bei einer Anlage in Aktien, jedoch weniger Volatilität mit sich bringen würden.
Die Zentralbanken hätten neue Mittel und Wege gefunden, die weltweiten Anleihenmärkte zu stützen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Inflation zu stimulieren. Nach Meinung der Experten von MFS Investment Management gehört es nicht zu einer fundierten Investment-Strategie zu antizipieren, wohin die Geldpolitik der Zentralbanken als nächstes führt. Um Kapital zu erhalten und gleichzeitig Wachstum zu generieren, müssten die Fundamentaldaten immer im Blick behalten werden. Zudem gelte es, bezüglich möglicher Gewinnmargen vorsichtig zu sein und Schnellschüsse zu vermeiden. Emotionalen Marktschwankungen sollte man nicht folgen, vor allem wenn schnelles Geld die Märkte anheize, die Fundamentaldaten parallel dazu jedoch fallen würden. (20.09.2016/alc/a/a)
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