London (www.anleihencheck.de) - Die Terminbörsen unterschätzen das Ausmaß der anstehenden Zinserhöhung durch die Federal Reserve (FED), dieser Ansicht ist Steven Bell, Chef-Ökonom von BMO Global Asset Management.
Derzeit rechne der Markt bis Ende 2017 lediglich mit einer Leitzinserhöhung um 36 Basispunkte und bis Ende 2018 nur mit weiteren 10 Basispunkten. "Zwar sprechen niedrige Produktivität, schwache Inflationsraten und ultraniedrige Zinsen außerhalb der Vereinigten Staaten dafür, dass die geldpolitische Straffung der FED schwächer ausfallen könnte als in der Vergangenheit. Allerdings fallen die Prognosen des Marktes aus unserer Sicht eine Größenordnung zu niedrig aus", so Bell. Gründe dafür sehe er in den zuletzt starken US-Arbeitsmarktdaten, dem schwachen US-Dollar und der Erholung am Rohstoffmarkt.
Der FOMC sei von seinen ursprünglichen Plänen allerdings aus guten Gründen abgewichen: "Die Wirtschaftsdaten hatten sich zu Jahresbeginn verschlechtert. Der Economic Surprise Index, der die Wirtschaftsstimmung in den zehn größten Volkswirtschaften misst, verlief zwischen Januar und Februar stark negativ", so Bell. Mittlerweile hätte sich dieser Indikator allerdings erholt und auch der weitere Ausblick sei positiv. Die Ängste vor einer Rezession seien zurückgegangen. Der US-Arbeitslosenmarkt habe sich seit Mitte des Jahres stark entwickelt. "Mit der aktuellen Arbeitslosenrate von unter 5 Prozent hat die FED ihr Ziel in Bezug auf den Arbeitsmarkt erreicht", stelle Bell fest.
Somit bestehe noch das zweite Problemfeld der FED, die Inflationsrate. "Die Kerninflationsrate steigt seit zwei Jahren an und liegt bereits seit Ende 2015 über dem von der FED definierten Ziel von 2 Prozent", so Bell. Die privaten Konsumausgaben als alternativer, von der FED bevorzugter Maßstab für die Inflation, seien hingegen weniger stark gestiegen, obgleich es auch bei ihnen seit Ende 2015 eine Beschleunigung gebe. Zudem hätten zwei andere Indikatoren auf eine Fortsetzung des Aufwärtsdrucks bei der Inflationsrate hingedeutet: Bislang hätten der starke US-Dollar und die schwachen Rohstoffpreise die Inflation geschwächt. Der US-Dollar-Wechselkurs liege aber derzeit unter seinem Höchststand von Anfang 2015, während sich zugleich die Rohstoffpreise erholt hätten.
"Aufgrund von Basiseffekten dürfte daher der Verbraucherpreisindex ansteigen, wodurch wiederum die Lohninflation steigen könnte", erläutere Bell. Vor diesem Hintergrund rechne der Experte damit, dass der FOMC den Leitzins bis zum Jahresende erhöhen und dies im Jahr 2017 schrittweise fortführen werde. (19.09.2016/alc/a/a)
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