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20.06.16 10:46
Stabilisierung des weltweiten Wirtschaftswachstums auf schwachem Niveau erwartet

Paris (www.anleihencheck.de) - Noch haben die Zentralbanken nicht alle Trümpfe ausgespielt. Wohin die Negativzinspolitik aber schließlich führen wird, ist angesichts der fehlenden Präzedenzfälle ungewiss, so Mathilde Lemoine, Group Chief Economist bei Edmond de Rothschild.

Die Chefökonomin antizipiere folgendes Szenario: "Solange die Regierungen darauf verzichten, eine wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik zu betreiben, bleibt den Zentralbanken nichts anders übrig, als das Wachstum durch Aufnahme immer weiterer Mittel zu finanzieren."

Für die einzelnen Regionen würden die Experten um Mathilde Lemoine folgende Entwicklung in den nächsten zwei Jahren erwarten:

In Deutschland dürfte das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr leicht über dem Niveau von 1,5 Prozent bleiben. Niedrige Zinsen würden Investitionen in Immobilien beflügeln, während der robuste Arbeitsmarkt weiterhin den privaten Konsum fördern werde. Der Export sei von der schwachen Nachfrage aus den Schwellenländern negativ beeinflusst worden. Zugleich sehe man einen Aufwärtstrend beim heimischen Markt in der Eurozone. Die allmähliche Ankunft von Migranten auf dem Arbeitsmarkt dürfte außerdem die Arbeitslosenrate leicht verbessern. Im März 2016 habe sie auf einem historisch niedrigen Niveau von 4,2 Prozent gelegen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel werde die Staatsausgaben voraussichtlich mehr und mehr ausweiten, wie sie zuletzt beim Gipfel der Europäischen Union versprochen habe. Die zusätzlichen Ausgaben seien insbesondere für Infrastrukturprojekte und die Integration von Flüchtlingen notwendig. Langfristig müsste Deutschland allerdings wettbewerbsfähiger werden.

In den Vereinigten Staaten würden sich die Investitionen in Anlagevermögen und der Außenhandel nach wie vor negativ auf die Wachstumslage auswirken, während der dynamische Konsum und die Zunahme der Staatsausgaben einen positiven Einfluss ausüben würden.

In Japan dagegen dürfte der verhaltene Konsum das Wirtschaftswachstum nach wie vor belasten und die Bank of Japan zu weiteren Lockerungen ihrer Geldpolitik zwingen.

In der Eurozone sei das Kapitel "Große Rezession" endlich abgeschlossen. Die Staatsausgaben und die Erholung der Immobilienmärkte dürften sich positiv auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken. Die erneut anziehenden Rohstoffpreise könnten sich hingegen in Zukunft als Belastung für den Konsum der privaten Haushalte erweisen, wie auch die inzwischen langsamer wachsende Beschäftigung.

Die Volkswirtschaften der Schwellenländer dürften vorerst weiter unter dem Produktivitätsrückgang und den Überkapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe zu leiden haben. Strukturelle Reformen seien wahrscheinlich unvermeidbar, um diese Regionen auf den Wachstumspfad zurückzuführen. (20.06.2016/alc/a/a)



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