Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der letzten Woche startete das "Corporate Bond Ankaufsprogramm" CSPP der Europäischen Zentralbank, so Jakob Tanzmeister, Client Portfolio Manager im Multi-Asset Solutions Team bei J.P. Morgan Asset Management.
Seit Ankündigung der EZB im März, Unternehmensanleihen außerhalb des Bankensektors aufzukaufen, steige der Anteil der Unternehmensanleihen mit negativen Renditen stetig, wobei die Dynamik dieser Entwicklung fast epidemieartig zunehme. Darüber hinaus würden in Europa inzwischen mehr als 40 Prozent aller Staatsanleihen mit negativer Rendite handeln. Diese Entwicklung schlage sich auch auf andere Anlageklassen, man könne fast sagen auf die gesamte "Investment-Nahrungskette" durch: Die Ertragschancen seien in fast allen Bereichen gesunken. Aktien der Industrienationen seien gemessen an ihren Kurs-Gewinn-Verhältnissen nicht gerade billig und auch Umsatz- und Gewinnwachstum würden schwächeln.
Die negativen Renditen auf Unternehmens- und Staatsanleihen seien also Teil einer Welt, in der Risikoanlagen seit dem vierten Quartal 2014 stagnieren würden. Solch seitwärts verlaufende Märkte mit geringen Erträgen, wenig Marktbewegungen und niedriger Volatilität seien in der jüngsten Vergangenheit selten geworden. In den letzten 25 Jahren habe es in den USA nur zweimal derartige Stagnationsphasen gegeben. Viel häufiger seien anhaltende Aufschwungsphasen oder starke Korrekturen gewesen. Angesichts der anhaltend lockeren Geldpolitik der Zentralbanken rund um den Globus gelte es jedoch, auch für längere Seitwärtsmärkte gerüstet zu sein.
Aber wie stelle man sich nun als Anleger in diesem Umfeld negativer Renditen und stagnierenden Wachstums am besten auf? Es lohne ein Blick über den Tellerrand auf die Investments, die üblicherweise bei konservativen Anlegern nicht besonders stark im Fokus stünden: So würden derzeit beispielsweise US-Hochzinsanleihen - ohne den Energiebereich -, Hypothekenverbriefungen, Hybridanleihen von US-Banken oder Europäische Dividendenaktien attraktiv aussehen und böten vor allem weiterhin Ertragsmöglichkeiten. Als allgemeinen Grundsatz gelte es dabei zu verinnerlichen, dass es auch auf langfristige Sicht sinnvoll sei, die Ertragsziele herunterzuschrauben, das Gesamtrisiko des Portfolios nicht aus den Augen zu verlieren und die Stabilität des Portfolios mittels laufender Erträge zu erhöhen.
Hypothekenanleihen: Seit 2007 habe sich die Kreditqualität im Vergleich zu vor der Finanzkrise deutlich verbessert, insbesondere bei Verbriefungen von Geschäftsimmobilien (CMBS). Die Erträge für diese Papiere lägen etwa bei 5 Prozent.
Hybridanleihen von US-Banken: Angesichts flacher Zinskurven und gebremster Kreditnachfrage seien die Gewinne bei Banken unter Druck. Aufgrund der steigenden Eigenkapitalanforderungen und der geringeren Abhängigkeit von Kapitalmarktfinanzierungen seien die Aussichten für Anleger in Hybridanleihen mit Erträgen um 6 Prozent durchaus verlockend.
Europäische Dividendenaktien: 2015 seien Zugewinne bei europäischen Aktien trotz der lockeren EZB-Geldpolitik nicht nachhaltig gewesen. Nachdem die EZB im Frühjahr 2015 ihr Ankaufsprogramm für Unternehmensanleihen vorgestellt habe, habe es zwar eine deutliche Rally gegeben, diese sei jedoch im August mit der Währungsabwertung in China dramatisch ausgebremst worden. Und obwohl die EZB weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolge, würden europäische Aktien in diesem Jahr immer noch seitwärts tendieren. Mit dem Brexit-Referendum am 23. Juni schwebe ein weiteres Damoklesschwert über der Region. So verwundere es nicht, dass die Nachfrage ausländischer Investoren nach europäischen Aktien aktuell zum ersten Mal seit 2009 im Saldo wieder negativ sei.
Für Anleger böten sich europäische Unternehmen mit ihren höheren Dividenden im Vergleich zu US-Aktien dennoch an. Und nachdem die EZB-Interventionen die Renditen der Unternehmensanleihen in absurd niedrige Regionen getrieben hätten, seien erhöhte M&A-Aktivitäten zu erwarten, ebenso wie Sonderdividenden oder auch Aktienrückkäufe. Und wenn auch auf niedrigem Niveau, so sei die wirtschaftliche Dynamik in Europa doch immer noch besser als in anderen großen Wirtschaftsräumen.
Laufende Erträge würden aber nicht nur in einem stagnierenden Marktumfeld als attraktive Anlagestrategie erscheinen. Viele der genannten Anlageklassen seien jedoch schwer zugänglich und als Einzeltitelanlage riskant. Gebündelt in einem flexiblen Multi-Asset-Portfolio werde das Investieren einfach, und Anleger könnten auch weniger verbreitete Anlageklassen nutzen. Verbunden mit regelmäßigen Ausschüttungen würden Anleger von einer breiten Streuung ihres eingesetzten Kapitals bei gleichzeitig zinsähnlichen Erträgen profitieren. (14.06.2016/alc/a/a)
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