Baltimore (www.anleihencheck.de) - Drei Gründe haben die Märkte in den ersten Monaten dieses Jahres kräftig durchgeschüttelt: ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China, der freie Fall bei den Rohstoffpreisen und die schwache Performance der Aktien und Anleihen von Banken. Alle drei Risiken kommen nun langsam vom Tisch, glaubt Ken Leech, CIO bei der auf Anleihen spezialisierten Legg Mason-Tochter Western Asset.
Und in Kombination mit den Verschiebungen bei Politik und Wortwahl der Zentralbank kämen wir nun langsam wieder in eine bessere Ausgangslage, glaube der Experte: "Wir glauben zwar auch nicht, dass das Wirtschaftswachstum in den USA fantastisch ist, aber es ist ausreichend. Bezieht man nun noch den starken Rückenwind in Form der entgegenkommenden FED-Politik in die Gleichung mit ein, sollte die Erholung weitergehen. Ich würde sogar so weit gehen, dass wir zum Ende dieses Jahres wieder einen Aufwärtstrend sehen."
Insbesondere Anleihen von US-Banken böten derzeit interessante Kaufgelegenheiten, da sie sich seit ihrem Tief im ersten Quartal noch nicht erholt hätten - zumindest noch nicht so sehr, wie die amerikanische Wirtschaft, was Raum für einen weiteren Anstieg bieten könnte, glaube Anleiheveteran Leech: "Wir gehen davon aus, dass Banken sich noch bedeutend weiter verbessern können. US-Banken sind derzeit die Wette, von der wir vollends überzeugt sind. Wir fanden, dass der erhebliche Abschwung bei den Spreads und die Preise von Bankanleihen mit Investment Grade Rating im Vergleich zu Staatsanleihen ungerechtfertigt waren."
Dennoch: Aufgrund der schwachen weltweiten Nachfrage und potenziellen Einbrüchen könne die Situation immer noch sehr schnell sehr brenzlig werden. Diese Gefahr bleibe und man dürfe nicht unverbesserlich optimistisch darüber hinweggehen. Dennoch sei das Glas halb voll, denn in eben diesen Situationen seien die Zentralbanken in der Regel sehr entgegenkommend und würden es auch dieses Mal sein, glaube Leech. "Es gibt derzeit keine unmittelbare kurzfristige Inflationsgefahr und damit keinen Grund für die Zentralbanken, aggressiv zu sein." Und genau dies spiegle sich aktuell in den Reaktionen weltweit wider.
Und auch in Bezug auf die Emerging Markets könnten Investoren langsam wieder aufatmen, glaubt Leech: "Es ist gut möglich, dass die Schwellenländer ihre Talsohle nun durchschritten haben." Mit Blick auf China würden sich die dortigen Bedingungen langsam entspannen. Einige Wirtschaftsdaten würden bereits darauf hinweisen, dass der Abwärtszug langsam abebbe, was viele Ängste einer harten Ladung in China nun zerstreue.
Nach seiner Meinung zum Ölpreis befragt, sage Leech: "Wir dachten, eine Ölpreisspanne zwischen 40 und 60 US-Dollar sei nicht unvernünftig. Deshalb haben wir uns entschieden, das untere Ende dieser Spanne zu wählen und glauben stark daran, dass es bis zum Ende des Jahres halten wird. Offensichtlich sind wir sehr zufrieden mit dieser Einschätzung und sind wie viele andere Investoren auch überrascht, wie schnell der Ölpreis zurück auf 40 US-Dollar gesprungen ist." (Ausgabe vom 02.06.2016) (03.06.2016/alc/a/a)
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