Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der starke Rückgang der Rohstoffpreise hat Anleiheemittenten in den Energie- und Ressourcensektoren das Leben erschwert, doch trotz der jüngsten Ausverkäufe dürfte die schmerzhafte Entwicklung noch nicht abgeschlossen sein, so James Vokins, Senior Portfolio Manager Mulit-Strategy Fixed Income bei Aviva Investors.
Der weltweite Rohstoff-Superzyklus befinde sich auf einem neuen Tiefpunkt. Schuld daran sei das Aufeinandertreffen verschiedener Faktoren. Als Folge einer Dekade des billigen Geldes, das in den Ressourcensektor geflossen sei, sei das Angebot just in dem Moment ausgeweitet worden, als sich das chinesische Wirtschaftswachstum abgeschwächt und China entschieden habe, sich von seinem bisherigen auf Rohstoffe fokussierten Wirtschaftsmodell wegzubewegen.
Auf der Angebotsseite habe das Aufkommen der Schieferölproduktion, die dank technischer Fortschritte möglich geworden sei, die ausgereifte Ölindustrie nachhaltig getroffen und zu einer Marktübersättigung beigetragen. Gleichzeitig hätten sich die Rohstoffwährungen abgewertet, was wiederum in den meisten Produktionsländern eine Kostenreduktion zur Folge gehabt habe. Auch der starke US-Dollar halte die Rohstoffpreise im Zaum, da die meisten Rohstoffmärkte nominal in Dollar bewertet würden und ein steigender Dollar eine eher dämpfende Wirkung auf die Preise habe. Der Preisdruck zwinge Marktteilnehmer dazu, die Leistung zu verbessern, weshalb der starke Dollar geholfen habe, die Produktion weiter anzukurbeln.
Da sich gleichzeitig der Druck auf andere rohstoffbezogene Sektoren wie Metall, Minen und Chemikalien erhöht habe, sei der US-Hochzinsanleihenmarkt im Verlaufe von 2015 um fast fünf Prozent gesunken. Dies sei die schlechteste Jahresperformance seit der Finanzkrise 2008 und der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Ohne eine substanzielle Erholung der Rohstoffpreise dürften die Ausfallraten deshalb in den kommenden Monaten zunehmen. Der Druck sei bereits deutlich erkennbar: 70 Prozent der Papiere im US-Energiesektor würden bereits auf dem Niveau "distressed" gehandelt, das heiße auf einem Level von mehr als 1.000 Basispunkten über Staatsanleihen.
Gemäß einer Studie der Rating-Agentur Moody's hätten sich die Zahlungsausfälle bei Emittenten von hochverzinslichen Unternehmensanleihen im 2015 auf USD 76 Mrd. fast verdoppelt. Angeführt werde die Liste der Zahlungsausfälle vom meistgeplagten Sektor des Jahres, der Öl- und Gasindustrie. Diese hätten alleine im vierten Quartal 30 Prozent der Zahlungsausfälle ausgemacht. Beinahe die Hälfte aller Zahlungsausfälle sei im US-Markt und ein Viertel in Europa zu verzeichnen. Nach Emittenten gewichtet ergebe sich daraus für spekulative Anleihen eine globale Ausfallrate, die in den USA bis zum Ende des vierten Quartals auf 3,2 Prozent und in Europa auf 3,4 Prozent angestiegen sei (von 2,7 Prozent respektive 2,2 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Quartal).
Moody's erwarte nun, dass das Zahlungsausfallrisiko im Zuge der Ausweitung der Risikoprämien sowie des andauernden Drucks auf rohstoffbezogene Sektoren und der wirtschaftlichen Abschwächung in China im 2016 weiter ansteigen werde. Derzeit prognostiziere die Rating-Agentur, dass die globale Ausfallrate bis Ende Jahr auf 3,9 Prozent steigen werde. Dabei dürften die US-Ausfallraten auf 4,4 Prozent klettern und die europäische mehr oder weniger bei drei Prozent verbleiben.
Der Abschwung der Rohstoffpreise stelle eines der wesentlichen Risiken in Phasen lockerer Geldpolitik dar. Er zeige die Fehlallokation von Kapital auf, die von einer Herdenmentalität begünstigt werde und in einer Vermögenspreisblase ende. Der Rohstoffbereich sei ein klassisches Beispiel einer platzenden Vermögenspreisblase. In der Konsequenz daraus sei das Vermeiden von Emittenten im Rohstoff- und Energiesektor ein entscheidendes Mittel gewesen, um im vergangenen Jahr Portfolios zu schützen. Dies werde sich in den kommenden Monaten kaum ändern. (Ausgabe vom 22.02.2016) (23.02.2016/alc/a/a)
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