Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Verunsicherung und eine immer schnellere Abkehr von risikobehafteten Anlagen bei gleichzeitigem Zuspruch für als sicher geltende Staatsanleihen prägen den Anleihe-Handel dieser Woche, so die Deutsche Börse AG.
"Weder ein höherer Ölpreis, noch der kräftig steigende Euro kann den Ausverkauf an den Aktienmärkten stoppen", beschreibe die Helaba. Zudem würden Fachleute und solche, die sich dafür halten würden, nicht müde, die Abwärtsspirale negativer Vorhersagen weiter kräftig anzukurbeln. Neben dem Chef der Notenbank von New York, der vor Konsequenzen eines festen US-Dollars für die US-Wirtschaft gewarnt habe, schüre auch die EU-Kommission mit ihren Prognosen neue Ängste.
"Entsprechend glänzt der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)", kommentiere Gregor Daniel. Im Wochenverlauf habe das hiesige Rentenbarometer von 163,07 auf 163,90 Prozent zugelegt und bei einem Stand von zwischenzeitlich 164,22 Prozent abermals einen neuen Gipfel erklommen. "Achtjährige Bundesanleihen kommen aktuell auf eine Rendite von 0,01 Prozent", berechne der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft mit Blick auf die Schwelle zum Minusertrag.
Klaus Stopp von der Baader Bank stelle sich der Frage, ob es zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll sei, zum Schutz vor einem Kursrutsch an den Aktienmärkten in die aus seiner Sicht größte aller Blasen zu investieren. Das müsse aber jeder Investor selbst für sich entscheiden.
Mit der jüngsten Bekräftigung der EZB, ihren Beitrag zu einer höheren Inflation zu leisten, gelte eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Währungsunion unter Analysten als gesetzt. Folker Hellmeyer erinnere in diesem Zusammenhang an den von außen wirkenden Ölpreisverfall als größten Faktor für die Teuerungsrate. Die Preisfindung für Öl hänge indes weniger von der konjunkturellen Verfassung ab, sondern eher von der vergleichsweise schwachen Wachstumsperspektive für China und die Welt. "Egal wie niedrig die EZB die Zinsen auch senken mag, diesen maßgeblichen Faktor wird sie so nicht beeinflussen", prognostiziere der Analyst der Bremer Landesbank. Stattdessen entstünden durch die derzeitige Geldpolitik Preisverzerrungen etwa auf dem Bondmarkt, die neues Potenzial für schwere Krisen geliefert hätten.
Ein erwartungsgemäß unverändertes Leitzinsniveau von 0,5 Prozent unter Beibehaltung des Asset-Kaufprogramms von 375 Mrd. BP sei das Ergebnis der gestrigen Sitzung des britischen Monetary Policy Committee. Die Konjunkturprognose seien geringfügig, die Inflationserwartung unterhalb der 1,0 Prozent-Marke für 2016 deutlich zurückgenommen worden. Eine Teuerungsrate oberhalb der angestrebten 2,0 Prozent würden die britischen Währungshüter nun im Jahr 2018 erwarten. Selbst Ian McCafferty, ein bisheriger Verfechter einer Straffung der Geldpolitik, habe seine Meinung geändert. "Ein erster Zinsschritt rückt damit wieder weiter in die Ferne", deute Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Aktuell würden Verlustmeldungen der Deutschen Bank Besitzern von entsprechenden CoCo-Bonds die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, wie Stopp melde. "Denn mit den Verlusten des Instituts geraten auch Schwellenwerte, die eine Aussetzung von Zahlungen auf die riskanten Anleihen herbeiführen können, in greifbare Nähe." Die Deutsche Bank habe CoCos mit einem Volumen von 4,6 Mrd. Euro emittiert, die mit mindestens 6 Prozent verzinst würden. Zwar versichere das größte hiesige Geldhaus auf Basis der vorläufigen Zahlen die Zahlung der Kupons für 2015. "Allerdings kommt die Deutsche Bank unter den großen europäischen Instituten der Nichterfüllung dieser Anforderungen am nächsten." Würde die Bank aus welchem Grund auch immer die Risikogewichtung bestimmter Aktiva erhöhen müssen, könnte sich Stopp zufolge die Eigenkapitalquote schnell soweit verringern, dass diese Kupons nicht mehr bedient würden.
Bei ansonsten geringen Neuemissionen durch Unternehmen habe easyJet erfolgreich 500 Millionen Euro in einer Stückelung von 100.000 Euro über den Kapitalmarkt eingesammelt, wie Stopp registriere. Die siebenjährige Anleihe (ISIN XS1361115402 / WKN A18XR3) des Anbieters von Billigflügen biete Anlegern jährlich 1,75 Prozent Zinsen und könne vonseiten des Emittenten mittels einer Make-Whole-Option vorzeitig gekündigt werden. Anlegern stünden im Falle der Ausübung der Kündigungsoption Ausgleichszahlungen zu.
Zu den meist gehandelten Corporate Bonds gehöre bei Daniel ein Wert der Erste Finance Jersey (ISIN XS0188305741 / WKN A0AW29) mit einem jährlichen Zins von 1,034 Prozent und unbegrenzter Laufzeit. "Ohne erkennbaren Grund wird die Anleihe rege in beide Richtungen gehandelt, wobei die Abgaben überwiegen." Seit Montag habe die Anleihe von 57,50 auf 54,0 Prozent nachgegeben.
Ein Bond (ISIN XS0205935470 / WKN A0DG4P) der Royal Bank of Scotland Group mit einem Kupon von 5,5 Prozent stehe Daniel zufolge ebenfalls in Summe zum Verkauf. In den vergangenen fünf Handelstagen stehe ein Kursverlust von gut 99 auf aktuell 95,65 Prozent zu Buche.
Unter Strich gekauft würde eine bis November 2020 laufende und mit jährlich 1,75 Prozent verzinste Anleihe (SIN DE000A14J579/ WKN A14J57) von thyssen. Aktuell sei der Wert für etwas über 98 Prozent zu haben. Das entspreche einer Rendite von 2,18 Prozent.
Privatanleger würden sich mit einem fester werdenden Euro gegenwärtig für US-Dollar-Fremdwährungsanleihen interessieren, wie Daniel berichte. "Je nach Marktlage wird gekauft oder verkauft." Die europäische Gemeinschaftswährungen habe sich seit Jahresbeginn spürbar verteuert und notiere am Morgen bei knapp mit 1,12 US-Dollar. (Ausgabe vom 05.02.2016) (08.02.2016/alc/a/a)
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