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21.10.14 11:27
Hochzinsanleihen: Abverkauf im September kann nicht grundlegend am Szenario rütteln

München (www.anleihencheck.de) - Der jüngste Abverkauf bei Hochzinsanleihen veranlasst viele Anleger zu Spekulationen, ob es sich hierbei um eine weitere bedeutende Kaufgelegenheit handelt, wie schon in vorherigen Abverkäufen, oder um den Beginn einer unheilvolleren Entwicklung, so Ivan Rudolph-Shabinsky, Portfolio Manager of Credit, und Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt bei AB.

Nach Erachten der Experten seien die Rückgänge bei Hochzinsanleihen größtenteils auf technische Faktoren zurückzuführen gewesen: Abflüsse aus Hochzinsanleihefonds für Privatanleger im Verbund mit einem rekordträchtigen Emissionsvolumen hätten für schwächere Märkte gesorgt. Dazu hätten sich einige unternehmensspezifische Probleme gesellt und der Hochzinsmarkt habe im September mehr als 2% verloren. Natürlich sei es möglich, dass sich die Privatanleger auch weiterhin aus Hochzinsanleihen zurückziehen würden, sodass die Renditen unter Druck geraten würden. Aus Sicht der Experten von AB stammte ein Großteil der Verkäufe jedoch von Broker-Händlern und Hedgefonds, bei denen es sich nicht um langfristige Anleger handelt.

Sobald längerfristig orientierte Anleger damit beginnen würden, ihre Bestände zu verkaufen, könnte es zu einer bedeutenderen Korrektur kommen. Dafür verlangsame sich aber das Emissionsgeschehen: Noch stünden einige potenzielle umfangreiche Emissionen an, aber die breite Welle, die im September zu verzeichnen gewesen sei, sei zu Ende. Auf der Nachfrageseite würden Privatanleger und institutionelle Investoren Renditen von mindestens 6% als taktische Chance erachten, um Allokationen aufzustocken und geringfügige Positionen zu eröffnen, sie aber nicht unbedingt als Anlass für eine groß angelegte Umschichtung auf den Hochzinsbereich sehen. Basierend auf diesem vorteilhafteren Gleichgewicht hinsichtlich Angebot/Nachfrage und den recht starken zugrunde liegenden Fundamentaldaten sind die Experten von AB der Meinung, dass diese Schwäche nicht von Dauer sein wird.

Während es sich hier um eine taktische Investmentchance für einige Anleger handeln könnte, würden die Experten dies jedoch nicht als Grund für überschwänglichen Enthusiasmus und eine großangelegte Rotation zugunsten von Hochzinsanleihen erachten. Insgesamt seien die Renditen und Spreads (d.h. der Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen) sicherlich höher als noch Anfang September. Allerdings lägen sie weiterhin unter den langfristigen Durchschnittswerten. Und während die Fundamentaldaten nach wie vor relativ stark seien, befinde man sich doch im Endstadium des Kreditzyklus und könne eine gewisse Verschlechterung erkennen. Es bestünden keine großen Chancen und keine massiven Verzerrungen, von denen man profitieren könnte. Daher seien die Experten der Meinung, dass ein konservativer, diversifizierter Ansatz in Bezug auf Hochzinsanleihen am sinnvollsten sei.

Die größte Sorge der Experten von AB: Die am niedrigsten eingestuften Kreditpapiere. Anleihen mit CCC-Rating würden seit kurzem eine Underperformance erzielen. Hierbei handle es sich um die anfälligsten Unternehmen mit der höchsten Verschuldung. Diese Unternehmen seien schnell zum Scheitern verurteilt; oft kämen sie schon unter die Räder, bevor der breitere Markt die ersten Anzeichen einer echten Verschlechterung erkenne. Anlagen in Kreditpapiere niedrigerer Bonität würden ein umfassendes Research und eine hohe Hürde in Bezug auf die erwarteten Renditen erfordern, um sie rentabel zu gestalten. Da die Renditespreads von Anleihen mit CCC-Rating Anlegern für die durchschnittlichen historischen Kreditverluste keine angemessene Entschädigung bieten würden, müssten die Ausfälle in den nächsten fünf Jahren deutlich unter dem Durchschnitt bleiben, um derlei Anlagen rentabel zu machen.

Zwar dürften unmittelbar keine Ausfälle anstehen, aber eine diesbezügliche Prognose für die nächsten 18 Monate sei problematisch. Sich auf ein ganz anderes Szenario als das historische festzulegen, scheine nicht klug. Ferner würden die Erträge auf Anleihen mit CCC-Rating lange vor etwaigen Ausfällen zurückgehen. Während also die für 2015 erwarteten niedrigeren Kreditausfälle einen guten Grund für Käufe von Anleihen mit CCC-Rating im Jahr 2013 dargestellt hätten, lasse sich daraus hinsichtlich der Ertragserwartungen für die nächsten zwölf Monate viel weniger Zuversicht gewinnen.

Insgesamt ändert sich die langfristige These für Hochzinsanleihen aufgrund der Ereignisse des Monats September nach Erachten der Experten von AB nicht. Die gute Nachricht sei, dass die Anleger wieder am Ruder sitzen würden. Sie hätten nun die Oberhand, wenn es darum gehe, die Renditen und Bedingungen von Neuemissionen mit den Emittenten auszuhandeln. In vielerlei Hinsicht seien die Marktturbulenzen vielleicht sogar positiv für die Anleger gewesen: Sie würden den Kreditzyklus verlängern, Unternehmen vorsichtiger werden und umsichtiger mit ihren Ressourcen umgehen lassen und zugleich die Ertragserwartungen erhöhen.

Nach Meinung der Experten von AB sollten die Anleger bei Hochzinsanleihen weiterhin einen globalen Multi-Sektor-Ansatz verfolgen, aber in den kommenden Monaten vorsichtig bleiben. (Ausgabe vom 20.10.2014) (21.10.2014/alc/a/a)


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