Frankfurt (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Draghi hat die Märkte auf eine mögliche Senkung der Leitzinsen aufmerksam gemacht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Man stelle sich die Frage, ob seinen Worten diesmal eine Ermäßigung von 0,25% auf 0,10% folge. Orientiere man sich am Sentiment-Index als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung, dann sei ein solcher Schritt eigentlich nicht erforderlich. Die Wirtschaft in der Europäischen Union und in der Eurozone befinde sich auf einem Erholungskurs. Weitere Lockerungen könnten auch negative Auswirkungen haben.
Geholfen wäre kurzfristig nur den Finanzministern, die für weniger Zinsen noch mehr Schulden zulasten kommender Generationen machen könnten. Reformen würden auf der Strecke bleiben. In den südlichen Peripherieländern seien die Zinsen heute schon niedriger als vor Einführung der Gemeinschaftswährung. Das ermutige die dortigen Regierungen geradezu, mehr Schulden zur Finanzierung der Budgetdefizite aufzunehmen, statt den mühseligen Weg einzuschlagen, über Reformen einen Haushaltsausgleich anzustreben.
Für andere Länder, wie z.B. Deutschland, seien die Leitzinsen heute schon zu niedrig. Die Realzinsen seien fast überall in der Eurozone negativ, was allein schon die Konjunktur stimuliere, da bedürfe es keiner weiteren Senkung der Leitzinsen.
Die EZB sei mit ihrer Lockerungspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Eine weitere Senkung von 0,25% auf 0,10% bringe keinen Vorteil mehr. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei einer ganzen Reihe von Ländern habe der Wille zur Reform der Staatsverschuldung durch die Nullzinspolitik bereits abgenommen. (15.05.2014/alc/a/a)
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