Den Haag (www.anleihencheck.de) - Nach Angaben von ING Investment Management (ING IM) ähnelten die vergangenen Monate an den Finanzmärkten einem Balanceakt, so die Experten von ING Investment Management.
Die treibenden Faktoren seien dabei vor allem die Konjunkturmeldungen sowie die Verlautbarungen der globalen Zentralbanken gewesen. Freundliche Wirtschaftsdaten in Europa, wie beispielsweise die Industrieproduktion und die ZEW-Umfrage (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung), und damit bessere Wachstumsaussichten, hätten jüngst gemeinsam mit schwächeren US-Treasuries einen Kurssturz bei Bundesanleihen ausgelöst. In den Vorwochen hätten die Kurse der "Bunds" - nach vielversprechenden Kommentaren vonseiten der EZB - dagegen noch zugelegt.
"Die Renditeaufschläge auf europäische Investment-Grade-Titel sind gegenüber dem historischen Durchschnitt nach wie vor attraktiv. Gleichzeitig sind die Zinsen auf Staatsanleihen - absolut gesehen - immer noch sehr niedrig. Aus fundamentaler Sicht weisen Unternehmensanleihen unserer Meinung nach außerordentlich solide Bilanzen auf. Das Refinanzierungsrisiko ist allgemein sehr gering und die schwächsten Emittenten sind mittlerweile vom Markt verschwunden. Insgesamt steigt dadurch im Schnitt die Bonität. Das Verhältnis zwischen Herab- und Heraufstufungen dürfte demnächst einen Höchstwert erreichen."
Was die Performance von Unternehmensanleihen betreffe, sei ING IM der Ansicht, dass Europa sich noch weitgehend in einer Sanierungsphase befinde. Dafür würden niedriges Wachstum und sinkender Schuldenstand sprechen.
ING IM räume indes ein, dass sich bereits diverse Tail Risks (also Extremrisiken, die außerhalb der Standardabweichung um den Erwartungswert lägen) abzeichnen würden, denen allerdings durch aktives Portfoliomanagement gegengesteuert werden könne.
Heijboer skizziere einige dieser Tail Risks und die von ING IM verfolgte Taktik. Erstens sei das Wachstum an der Euro-Peripherie immer noch instabil und die politische Ungewissheit wachse: Die Unsicherheit im Hinblick auf mögliche Rating-Herabstufungen von Staatsanleihen halte an. Die Experten hätten sich daher eher konservativ positioniert. Wertsicherung habe Vorrang, bis sich bei den Experten ein stärkerer Überzeugungsgrad zur Qualität bestimmter Titel herausgebildet habe.
Zweitens würden Zinsen stetig steigen: Eine mögliche Ausweitung der Credit-Spreads infolge der Schwäche bei Staatsanleihen mache den Experten etwas Sorge. Die Credit-Spreads europäischer Investment-Grade-Titel hätten sich seit Anfang Juni kaum verändert, während die Renditeaufschläge auf Treasuries und Bunds um 70 bzw. 40 Basispunkte gestiegen seien. Die Experten würden ihre Kundenportfolios bereits aktiv für einen Zinsanstieg positionieren.
Drittens sei die M&A-Aktivität außerhalb des Finanzsektors im Aufwind: Die Experten würden potenzielle M&A-Transaktionen genau im Auge behalten und sich entsprechend ihrer Bottom-up-Analyse der Emittenten positionieren.
Heijboer habe mit den Worten geschlossen: "Im Vergleich zu Staatsanleihen bieten europäische Investment-Grade-Titel unserer Ansicht nach weiterhin attraktive Spreads. Das Umfeld ist für Unternehmensanleihen günstig. Dabei erfordern Tail Risks aktives Portfoliomanagement." (04.09.2013/alc/a/a)
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