Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehn- und der zweijährigen europäischen Staatsanleihen (Benchmarkanleihe Bunds) liegen mit 1,56% bzw. 0,11% nahe aneinander, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Renditenstrukturkurve verlaufe sehr flach. Im Juni 2005 sei sie auch sehr flach verlaufen, aber in allen Laufzeiten sei der Abstand rund 150 BP höher gewesen. Die Märkte hätten damals - zurecht - auf sinkende Geldmarktzinsen gehofft. Ob die EZB ihre Leitzinsen von zurzeit 0,5% auch diesmal noch weiter senke, sei zwar nicht auszuschließen, werde aber immer weniger wahrscheinlich. Das BIP in der EZ17 dürfte 2013 um 0,6% sinken und 2014 um 1,1% wachsen. Auch eine Leitzinserhöhung sei damit zumindest dieses Jahr wenig wahrscheinlich.
Sollten die Notenbanken also einfach ihren Weg fortsetzen und geradeaus weiterfahren? Allzu niedrige Leitzinsen hätten gravierende Nachteile. Ersparnisse und Pensionen würden weniger Erträge erzielen und den Konsum bremsen. Um das auszugleichen, nehme die Risikoaversion der Anleger ab. Die gesamte Zinsstrukturkurve werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Niedrige langfristige Zinsen würden die Risiken nicht richtig einpreisen und zu waghalsigen Investitionen verführen. Wenn es so "leicht" sei, staatliche Schulden durch die Aufnahme von Anleihen zu finanzieren, würden die Finanzminister umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes nehmen, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen.
Bis Jahresende könnte die Strukturkurve am langen Ende bei gleich bleibenden Geldmarktzinsen anziehen und sich auf diese Weise normalisieren. (Ausgabe vom 16.06.2013) (17.06.2013/alc/a/a)
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