London (www.anleihencheck.de) - Investoren von Staatsanleihen werden den Preis für eine Geldpolitik zahlen, die den westlichen Industrieländern hilft, ihre angehäuften Schulden billig abzutragen, so die Experten von Jupiter Asset Management.
Die Staaten und ihre Zentralbanken seien schnell dabei, wenn es darum gehe, die Vorteile der quantitativen Lockerung und der beinahen Nullzinspolitik für das Wirtschaftswachstum zu propagieren. Dass diese Politik ihnen aber auch ermögliche, Geld zu Konditionen aufzunehmen, die deutlich unter dem sonst geltenden Marktzins lägen, würden sie verschweigen. Dauerhaft niedrige Zinsen seien angesichts der außerordentlich hohen Schuldenlast, unter der die Industrienationen leiden würden, ohne Zweifel ein wichtiges geldpolitisches Instrument. Sie seien entscheidend in Fällen, in denen die private Verschuldung sehr hoch sei und sie könnten zur Stimulierung der Ausgaben von Privathaushalten und Unternehmen beitragen. Kurzfristig könne ein Staat dank niedriger Zinsen seine Schulden billiger bedienen und so auf härtere Fiskalmaßnahmen verzichten. Diese wären anderenfalls nötig, um das Steueraufkommen, dass zur Deckung höherer Zinszahlungen erforderlich sei, zu generieren.
Wenn sich die Notenbanken aktiv um ein negatives Realzinsniveau bemühen würden, folge daraus, dass sie den Anlegern negative Realrenditen aufbürden würden. Faktisch würden sie die Gläubiger einer unsichtbaren Steuer unterwerfen und damit eine Umverteilung des Vermögens von jenen erzwingen, die keine sofortigen Ausgaben planen würden, zu denen, die ihr Vermögen jetzt investieren würden.
Indem negative Zinsen den realen Wert der öffentlichen Schulden erodieren bzw. vernichten würden, würden sie neben einer moderaten Inflation auch zu einer Reduzierung der Staatsschuldenquote beitragen. Sofern die Schulden in Binnenwährung denominiert seien. In ihrer Studie über die Liquidation von Staatsschulden über negative Zinsen hätten Carmen Reinhart und Belen Sbrancia herausgefunden, dass die Realzinsen in den untersuchten Industrieländern zwischen 1945 und 1980 rund die Hälfte der Zeit über negativ gewesen seien. In den USA und Großbritannien habe die Schuldenliquidation über negative Realzinsen pro Jahr mit durchschnittlich 3 bis 4% des Bruttoinlandsprodukts zu Buche geschlagen, so die Schätzung der beiden Ökonominnen. Jährliche Defizitreduzierungen in einem solchen Ausmaß würden sich im Laufe eines Jahrzehnts auch ohne Aufzinsung rasch zu einem Schuldenstand summieren, der gemessen am BIP um 30 bis 40% niedriger ausfalle.
Viele Regierungen hätten mittels quantitativer Lockerung massiv am eigenen Rentenmarkt interveniert, so dass die Aufgabe der Überwachung staatlichen Finanzverhaltens mittlerweile zunehmend von den Devisenmärkten statt den globalen Bondmärkten wahrgenommen werde. Die Experten würden daher versuchen, von der erwarteten Schwäche einer Reihe von Währungen zu profitieren, die stellvertretend für eine schwächere Wirtschaft im jeweiligen Heimatland stünden.
Die Kursrally an den globalen Aktienmärkten beurteile man indes weiterhin positiv. Die Anleger sollten dabei aber insbesondere die labile Verfassung Europas nicht aus dem Blick verlieren. In Europa könnte die Vermögenskonfiszierung zur Rettung zypriotischer Banken noch Folgen für das breitere Finanzsystem haben. Die lange andauernde Regierungsbildung in Italien spiegele die Ernüchterung und die ablehnende Haltung gegenüber Reformen wider, die jedoch zur Wiederherstellung des Wachstums notwendig seien. Frankreich schrumpfe unterdessen im Zuge sinkender Exporte und steigender Schulden.
Optimistischer seien die Experten für die USA gestimmt, wo sich der Aufschwung bis jetzt stabil halte. Sie würden damit rechnen, dass sich die US-Verbraucher als wichtige Stütze für das globale Wachstum erweisen würden. Bei ihrem begrenzten Aktienengagement würden sie den Fokus auf Japan legen. Obwohl der japanische Aktienmarkt bereits kräftig zugelegt habe und eine gewisse Konsolidierung bevorstehen dürfte, sehe man immer noch Aufwärtspotenzial.
Nach Meinung der Experten würden die Anleger weltweit nach wie vor ein zu großes Vertrauen in die Notenbanken setzen, die weder allwissend noch allmächtig seien. Sie würden nicht die Auffassung teilen, dass es in einer ohnehin schon überschuldeten Welt sinnvoll sei, Käufe weiter auszuweiten, wie es viele Institutionen gerade tun würden. Die Inflationsraten seien nicht besorgniserregend, aber die realen Renditen - sprich das, was nach Abzug der Inflation effektiv als Rendite verbleibt - seien bei vielen Staatsanleihen negativ. Es sei eine Situation, die nicht ewig anhalten könne, und eine Anomalie, die einen zentralen Bestandteil der Portfoliostrategie bilde. Allerdings würden die Experten auch glauben, dass die Zinsen weltweit wohl noch eine Zeit lang niedrig bleiben dürften, da die positive Wirkung des US-Aufschwungs durch die anhaltende strukturelle Schwäche der europäischen Wirtschaft aufgezehrt werde. (06.06.2013/alc/a/a)
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