Wien (www.anleihencheck.de) - Die Japanische Zentralbank (BoJ) bleibt vorerst zurückhaltend - trotz des weiterhin starken Yen und der kräftigen Abschwächung bei japanischen Exporten, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport" im vierteljährlichen Bericht zu den globalen Anleihemärkten.
Verglichen mit der extrem lockeren Geldpolitik der amerikanischen und der europäischen Notenbanken agiere die BoJ damit vergleichsweise restriktiv. Solange die BoJ nicht bereit sei, im globalen Gelddruck-Wettbewerb der Notenbanken stärker mitzuspielen, dürfte die Stärke des Yen anhalten. Zugleich scheine sich aber ein nachhaltiger Wandel zu vollziehen - Japans Handelsbilanz dürfte nach Jahrzehnten hoher Überschüsse auf absehbare Zeit ins Defizit rutschen.
Um dem entgegenzusteuern, plane die Regierung unter anderem eine kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer um 5% bis 2015. Das dürfte langfristig aber kaum ausreichen. Ohne massive Einschnitte bei den Staatsausgaben drohe Japan trotz einer derzeit noch recht komfortablen Refinanzierungssituation früher oder später der Kollaps seiner Staatsfinanzen.
Verschiedenen Studien zufolge könnte Japan spätestens zwischen 2018 und 2020 in ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten kommen. Für die kommenden Jahre sei damit ein nachhaltiger Zinsanstieg bei japanischen Staatsanleihen zwar eher unwahrscheinlich, zumal notfalls die Notenbank wohl mit Käufen dagegenhalten würde. Wenn sich die Märkte jedoch wieder intensiver Japans Problemen zuwenden würden, könnte das Land spätestens ab 2015/2016 zum nächsten Brennpunkt in Sachen Staatverschuldung werden. (Ausgabe August 2012) (30.08.2012/alc/a/a)
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