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10.02.12 17:01
Anleihenmarkt Entspannung am seidenen Faden

Frankfurt (anleihencheck.de) - Zwar einigten sich die griechischen Parteichefs gestern nach langen und zähen Verhandlungen auf neue Sparmaßnahmen, ein Befreiungsschlag war das aber nicht, so die Deutsche Börse AG.

Das neue Hilfspaket solle nun nämlich erst freigegeben werden, wenn alle Details stünden, Athen müsse bis zum kommenden Mittwoch mehrere Bedingungen erfüllen. " Naiv war gestern. Heute lassen sich die Euroländer nicht mehr von Versprechungen aus Hellas beeindrucken", kommentiere die HSH Nordbank.

Dennoch: Eine gewisse Entspannung an den Märkten sei nicht zu übersehen, auch wenn heute Aktien schwächer und Anleihen fester tendieren würden. "Die Stabilität der Märkte zeigt sich auch dadurch, dass die EZB in der letzten Woche so gut wie fast gar keine Staatsanleihen gekauft hat", argumentiere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Sollte Griechenland wieder in den Fokus rücken, könne sich die Ruhe jedoch sehr schnell als trügerisch herausstellen. "Im Moment überwiegen aber die positiven Momente."

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) notiere aktuell bei 137,69 Prozent, vor einer Woche seien es noch 138,25 Prozent gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,98 Prozent abwerfen, zwischenzeitlich sei in den vergangenen Tagen die Marke von 2 Prozent erreicht worden.

Selbst Anleihen Portugals, die zuletzt stark gelitten hätten, hätten im Wochenverlauf zulegen können, wie Brunner erkläre. "Die Rendite der fünfjährigen Anleihe fiel um 106 Basispunkte von 16,06 Prozent auf 15 Prozent." Allerdings würden Anlegern immer noch befürchten, dass im Falle einer Insolvenz Griechenlands Portugal in den Fokus rücken könnte.

Unterdessen würden die Wetten auf Griechenland weiter gehen. "Die im März fällige Anleihe ist in dieser Woche definitiv unser Umsatzspitzenreiter", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Es ist schon erstaunlich, wie viel spekulatives Geld da unterwegs ist." Das am 20. März fällige Papier (ISIN GR0110021236 / WKN A0T6US), das seit Jahresanfang deutlich an Wert verloren habe, habe sich wieder etwas erholen können und gehe heute zu 41 Prozent über den Tisch. "Das Wochentief lag bei 37,40, das Wochenhoch bei 41,75 Prozent."

Selbst die Hellas-Anleihe mit Laufzeit bis 2037 (ISIN GR0138001673 / WKN A0DZVX) sei nachgefragt worden. Das im Mai dieses Jahres fällige Papier (ISIN GR0124018525 / WKN 830275) werde aktuell zu 32,20 Euro, das im August fällige (ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U) zu 29 Prozent gehandelt, hier sei es ebenfalls zuletzt zu kleinen Gewinnen gekommen.

Viel los sei darüber hinaus im Handel mit Unternehmensanleihen. "Auch nachrangige Anleihen wie die der IKB waren von Anlegern gefragt", wisse Brunner (ISIN XS0171797219 / WKN 273032). Größere Umsätze habe es zudem in einer Anleihe der WestLB (ISIN DE000WLB26G6 / WKN WLB26G) gegeben, die am 3. September dieses Jahres fällig werde. "Bei einem Kurs von 100,9 beträgt die Rendite 1,816 Prozent."

Laut Klaus Stopp von der Baader Bank habe die erhoffte Lösung bei der Griechenland-Umschuldung bei europäischen Bankanleihen für Rückenwind gesorgt. "Vor diesem Hintergrund haben insbesondere Bonds von stark in Hellas engagierten Banken wieder Boden gut machen können." Etwa habe eine 2017 fällige Anleihe der Commerzbank (ISIN DE000CZ226Y9 / WKN CZ226Y) im November noch bei rund 93 Prozent notiert, im Februar sei der Kurs über 102 Prozent gestiegen. Auch andere Commerzbank-Anleihen (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE und ISIN DE000CB83CF0 / WKN CB83CF) hätten die Tiefststände vom November weit hinter sich gelassen.

Daniel melde eine gute Nachfrage nach Air Berlin- (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) sowie Celesio-Anleihen (ISIN XS0503554627 / WKN A1AWC7). Auf den Verkaufslisten habe hingegen ein Papier des Leasingunternehmens Grenke gestanden (ISIN DE000A0Z2Q55 / WKN A0Z2Q5). Dieses laufe noch bis zum August dieses Jahres und habe einen Kupon von 6,125 Prozent.

Der Primärmarkt zeige sich unbeeindruckt von der erneuten Unsicherheit in Sachen Griechenland, wie Klaus Stopp meine. "Neue Anleihen finden reißenden Absatz, und die Risikobereitschaft der Investoren hat deutlich zugenommen." Das zeige auch die erfolgreiche Platzierung zahlreicher High Yield-Emissionen.

So habe die Unternehmensgruppe Haniel bereits in der vergangenen Woche problemlos 400 Millionen Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, wie der Händler melde. Die Anleihe (ISIN XS0743603358 / WKN A1MLPA) weise eine Nominalverzinsung von 6,25 Prozent und eine Laufzeit von sechs Jahren auf und sei mit einer Stückelung von 1.000 Euro privatanlegerfreundlich. "Die Nachfrage war so groß, dass bei Zeichnungsschluss Gebote über 5 Milliarden vorlagen." Auch laut Rainer Petz von Close Brothers Seydler sei die Anleihe "sehr gut gelaufen".

Ebenso gut aufgenommen worden seien Neuemissionen des deutschen Maschinenbaukonzerns und Automobilzulieferers Schaeffler. Eine Tranche laufe bis 2017 und habe einen Kupon von 7,75 Prozent, die andere sei 2019 fällig mit einer Nominalverzinsung von 8,75 Prozent. Mindestanlagesumme seien allerding hier 100.000 Euro.

Doch auch neue Bank-Anleihen würden sich Investoren gerne ins Portfolio legen: Die Hellwig Wertpapierhandelsbank habe etwa gute Umsätze in einer frischen Commerzbank-Anleihe (ISIN DE000CZ40HY9 / WKN CZ40HY) mit Laufzeit von fünf Jahren, einem Nominalzins von 3,625 Prozent und einer Stückelung von 1.000 Euro registriert. "Anleger lockt offenbar der im Vergleich mit anderen Anleihen attraktive Zins." Bei einem Kurs von rund 99 liege die Rendite aktuell bei 4,27 Prozent.

Am kommenden Mittwoch starte im Übrigen die Zeichnungsfrist für eine Anleihe des Recyclingunternehmens Scholz (ISIN AT0000A0U9J2 / WKN A1MLSS), die im Entry Standard der Börse Frankfurt notiert sein werde. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Esslingen sei nach eigenen Aussagen international führend beim Recycling von Schrott aus Stahl und Metall. Bis zum 2. März könnten Anleger das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 8,50 Prozent über die Börse Frankfurt zeichnen. (10.02.2012/alc/m/a)



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