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25.11.11 14:58
Anleihen selbst Bundesanleihen unter Druck

Frankfurt (anleihencheck.de) - Von Entspannung kann an den Märkten nach wie vor nicht die Rede sein, so die Deutsche Börse AG.

Gestern habe ein erneutes Nein Angela Merkels zur Einführung von Eurobonds für Enttäuschung gesorgt, zudem habe die Herabstufung Portugals durch die Ratingagentur Fitch beunruhigt. Renditen von Euro-Krisenländern seien wieder nach oben geklettert. "Zehnjährige italienische Anleihen rentieren aktuell mit 7,23 Prozent. Das ist das Niveau, auf dem Irland und Portugal die Refinanzierung nicht mehr selbst schultern konnten", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Auch im kurzlaufenden Segment sehe es nicht anders aus, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler erkläre: "Heute musste Italien bei der Auktion von kurzlaufenden Anleihen mit 6,5 Prozent für 6 Monate und 7,814 für 22 Monate Rekordzinsen zahlen."

Darüber hinaus sitze der Schock über die mangelnde Nachfrage nach einer Sechs-Milliarden-Staatsanleihe Deutschlands am Mittwoch Rentenhändlern noch in den Knochen. "Für den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) ist es eine rabenschwarze Woche", kommentiere Brunner. Bei der Versteigerung im Volumen von 6 Milliarden Euro seien nur Gebote in Höhe von 3,9 Milliarden eingegangen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei daraufhin kräftig angestiegen.

"Das ist allerdings nicht die erste Unterdeckung in diesem Jahr", erkläre ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Ungewöhnlich sei das ohnehin nicht. "Das war ein Warnschuss, aber nicht so dramatisch, wie das zum Teil dargestellt wird." Laut Brunner bedeute dies zwar das schlechteste Auktionsergebnis seit Einführung des Euro. "Es war die Rede davon, dass die Investoren Deutschland die kalte Schulter zeigen könnten, und aus den zuletzt stark gescholtenen Peripheriestaaten gab es hämische Kommentare." Vermutlich habe sich der Bund allerdings lediglich beim Preis verpokert.

Der Euro-Bund-Future liege aktuell bei 134,36 nach 136,67 in der Vorwoche. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen belaufe sich auf 2,13 Prozent nach 1,89 vor einer Woche - ein Anstieg von über 20 Basispunkten in nur sieben Tagen.

Anleger würden sich Daniel zufolge zunehmend mit dem Auseinanderbrechen der Eurozone auseinandersetzen. "Es könnte soweit kommen, dass Angela Merkel dem Druck in Richtung Eurobonds nachgeben muss", meine Daniel. Dann läge der Bund-Future viel zu hoch. Die Variante einer gesamtschuldnerischen Haftung für alle Euro-Länder wäre laut Helaba möglicherweise das, was den Finanzmärkten ein umfassendes Vertrauen zurückgeben würde. "Es ist aber auch die am schwierigsten durchzusetzende Idee."

Abgesehen von Widerständen der Länder, die künftig höhere Zinsen zu zahlen hätten, und der Anreizproblematik stelle vor allem die rechtlich-institutionelle Dimension eine Hürde dar. Die EWU-Verträge müssten geändert werden, und solche Prozesse nähmen vermutlich einige Jahre in Anspruch.

Unternehmensanleihen hätten in dieser Woche insgesamt etwas leichter tendiert, wie Händler berichten würden. "Vor dem Jahresende halten sich institutionelle Anleger zurück und gehen zumindest keine größeren Engagements mehr ein", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler.

Recht volatil hätten sich dem Händler zufolge zuletzt Anleihen (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) von Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007 / WKN 731400) gezeigt. Der Grund: Die drohende Konkurrenz des Druckmaschinenbauers Manroland. Bei Heidelberger Druck hätten sich Anleger in beide Richtungen positioniert. "Einerseits macht Manroland die Probleme der Branche deutlich, andererseits würde mit einer Insolvenz ein Konkurrent von Heidelberger Druck wegfallen."

Große Umsätze habe es laut Petz zudem bei der bis 2020 laufenden Anleihe (ISIN XS0478803355 / WKN A1C90N) von HeidelbergCement (ISIN DE0006047004 / WKN 604700) gegeben. Diese sei von 98,60 Euro am vergangenen Freitag auf aktuell 94,86 gefallen. "Das ergibt eine Rendite von 8,36 Prozent." Heftig abgestraft worden seien darüber hinaus Thomas Cook-Papiere (ISIN GB00B1VYCH82 / WKN A0MR3W). Das Unternehmen, in Deutschland mit Neckermann und Öger Tours auf dem Markt, habe Mitte der Woche bekannt gegeben, dringend Geld zu benötigen. Die Aktie sei daraufhin zeitweise um 70 Prozent eingebrochen. Auch für die Anleihen (ISIN XS0504303164 / WKN A1AWFR) sei es rasant nach unten gegangen, und zwar von 85 auf rund 35 Prozent. Auch andere Anleihen (ISIN DE000TUAG158 / WKN TUAG15, ISIN DE000TUAG117/ WKNTUAG11) aus der Tourismusbranche hätten das zu spüren bekommen, etwa TUI (ISIN DE000TUAG000 / WKN TUAG00).

Ebenfalls auf Talfahrt sei es zuletzt für Anleihen (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) von Praktiker (ISIN DE000A0F6MD5 / WKN A0F6MD) gegangen. "Das war ohne erkennbaren Grund bei sehr niedrigen Umsätzen", erkläre Petz. "Von 71 Prozent Anfang der Woche verlor das Papier bis auf ein Tief von 55."

Nach der Ankündigung von Restrukturierungsmaßnahmen habe sich der Titel dann aber stabilisiert. Die Baumarktkette habe am gestrigen Donnerstag bekannt gegeben, mehrere Filialen schließen zu wollen, daneben solle der Vorstand verkleinert und die Konzernzentrale nach Hamburg verlegt werden. Auf diesem Wege sollten 300 Millionen Euro eingespart werden. (25.11.2011/alc/m/a)



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