London (www.anleihencheck.de) - Die aktuell veröffentlichten VPI-Daten fielen so gut aus, wie angesichts des durch den Iran-Konflikt bedingten Anstiegs der Energiepreise zu erwarten war, so John Kerschner, Global Head of Securitized Products bei Janus Henderson Investors.
Zwar habe der Gesamtindex mit 0,87% den höchsten Stand seit Juni 2022 erreicht, habe damit jedoch leicht unter den Erwartungen von 1,0% gelegen. Dieser Wert im Monatsvergleich entspreche einer Jahresrate von 3,29%. Im Gegensatz dazu habe der Kern-VPI bei moderaten 0,20% gelegen, womit der Kern-VPI im Jahresvergleich bei recht moderaten 2,60% liege.
Auch wenn sich diese Zahlen auf den März bezögen, halte der Einfluss des Iran-Konflikts noch lange an. So seien die Benzinpreise laut Bericht um 21% und insgesamt sogar um rund 40% seit Konfliktbeginn gestiegen. Es sei also mit weiteren Preisanstiegen zu rechnen. Gleiches gelte für die Lebensmittelpreise. Zwar seien sie unverändert geblieben, doch sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Anstieg der Dieselpreise auf nachgelagerte Bereiche wie die Lebensmittelpreise auswirke.
Trotz der besser als erwarteten Zahlen stehe die Fed bei ihren nächsten Sitzungen vor einem großen Dilemma. Sie müsse entscheiden, ob sie diesen hoffentlich nur vorübergehenden Ausreißer bei den Inflationszahlen ignoriere oder tatsächlich eine Zinserhöhung in Betracht ziehe, obwohl das Wirtschaftswachstum etwas ins Stocken geraten zu sein scheine. Die Antwort hänge offensichtlich von der Dauer des Konflikts ab, die derzeit ehrlich gesagt niemand genau vorhersagen könne. Was wir wüssten, sei, dass selbst dann, wenn die Straße von Hormus heute wieder geöffnet würde, die Energiepreise noch monatelang und möglicherweise sogar jahrelang auf einem hohen Niveau bleiben würden.
Derzeit signalisiere der Anleihemarkt, dass die Fed zwar weiterhin harte Töne in Bezug auf die Inflation anschlagen werde, aber nur mit einer Rute in der Größe eines Zweigs bewaffnet sei. Die Märkte preisten für mindestens die nächsten zehn FED-Sitzungen den Status quo beim Leitzins ein.
Die Marktteilnehmer vergäßen jedoch auf eigene Gefahr die Faustregel, dass ein Anstieg der Ölpreise um 10% den Gesamt-VPI um 25 bis 30 Basispunkte und den Kern-VPI um 4 bis 5 Basispunkte in die Höhe treibe. Sollte Öl über einen längeren Zeitraum auf diesem Niveau bleiben, das 40 bis 50% über dem Stand vor dem Iran-Konflikt liege, könnten wir Gesamt-VPI-Werte von über 4% und sogar Kern-VPI-Werte im Bereich von 3 % sehen. Dies würde einen Großteil der Fortschritte zunichtemachen, die die FED in den letzten vier Jahren bei der Inflationsbekämpfung erzielt habe. (13.04.2026/alc/a/a)
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