New York (www.anleihencheck.de) - Nach einer längeren Phase sinkender Renditen und Kredit-Spreads wird das Umfeld für festverzinsliche Wertpapiere nach Einschätzung von Paul Grainger, Senior Portfolio Manager, Global Fixed Income bei Neuberger zunehmend vielschichtiger.
Nahezu neutrale Zinsen, enge Spreads und erhöhte makroökonomische sowie politische Risiken würden sowohl Umsicht bei der Positionierung als auch einen breiteren Ansatz erfordern, um die sich bietenden Chancen optimal zu nutzen. Globale Anleihenportfolios würden in diesem Umfeld eine wirksame Möglichkeit bieten, Risiken zu steuern, den Heimatmarktfokus zu reduzieren und das Potenzial für langfristige Renditen zu steigern - oft in Ergänzung zu bestehenden Engagements.
In der Vergangenheit hätten die weitreichenden wirtschaftlichen und politischen Trends zu allgemein hohen Korrelationen zwischen den Rentenmärkten geführt. Diese Korrelationen würden nun jedoch beginnen, schwächer zu werden. Daher sei es nach Ansicht von Paul Grainger eine zentrale Frage, ob Anleger eine strategische Mischung aus inländischen und globalen Engagements in Betracht ziehen sollten - und ob jetzt taktisch gesehen der richtige Zeitpunkt dafür sein könnte.
Die geldpolitischen, inflations- und wachstumsbezogenen Trends würden sich weltweit zunehmend unterschiedlich entwickeln. In den USA könnten eine nachlassende Konjunktur und ein schwacher Arbeitsmarkt letztlich zu weiteren Zinssenkungen führen, auch wenn die Märkte derzeit eher eine Anhebung einpreisen würden. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen würden bereits Bedenken zur Schuldentragfähigkeit widerspiegeln, was das Durationsrisiko begrenzen dürfte. In Europa könnten schleppende Wachstumsdynamik und Volatilität infolge des Nahostkonflikts dazu führen, dass die Leitzinsen trotz gegenteiliger Markterwartungen auf dem aktuellen Niveau verharren würden. Japan habe sich von seiner ultralockeren Geldpolitik verabschiedet; angesichts eines potenziell rückläufigen Angebots am langen Ende könnten sich dort attraktive Möglichkeiten bieten.
Neben der Zinsdiversifikation würden globale Anleihen auch Zugang zu einem breiteren Währungsuniversum bieten. Globale Anleihemanager würden Währungsengagements nutzen, um Renditen zu verbessern oder Risiken abzusichern - etwa durch gezielte Currency Overlays, die unabhängig von den zugrunde liegenden Anleiheallokationen gesteuert werden könnten. Dabei gehe es nicht darum, sich gezielt gegen den US-Dollar zu positionieren, sondern das Anlageuniversum zu erweitern. Währungsrisiken könnten bewusst eingegangen oder abgesichert werden.
Die Kredit-Spreads in den Industrieländern seien eng, auch wenn sie sich zuletzt etwas ausgeweitet hätten. In einem "K-förmigen" Umfeld, in dem Teile der Wirtschaft gut abschneiden würden, während andere unter Druck stünden, resultiere die relative Rendite weitgehend daraus, kreditbedingte Verluste zu vermeiden, anstatt Spreads zu vereinnahmen. Eine geografische Streuung des Kreditengagements erweitere das Anlageuniversum und eröffne neue Alpha-Chancen. Die europäische Unternehmenslandschaft weise beispielsweise einen deutlich geringeren Technologieanteil auf als die US-amerikanische (3% gegenüber 10%). Das könnte als Puffer wirken, falls der KI-Aufschwung in den USA ins Stocken gerate.
Das Ziel bestehe darin, Risiken über einzelne Märkte hinaus zu diversifizieren, Durationspositionen einzugehen, die unterschiedliche geldpolitische Pfade widerspiegelten, und Zugang zu einem breiteren Spektrum hochwertiger Anleihen zu erhalten, ohne das Qualitätsprofil des Portfolios grundlegend zu verändern. Bei Investment-Grade-Mandaten könnten globale Kernallokationen eine stabile Grundlage schaffen und zugleich die Möglichkeit eröffnen, zusätzliche Renditequellen zu erschließen - und in moderatem Umfang dynamisch in High-Yield-Anleihen und verbriefte Wertpapiere zu investieren. Schwellenländeranleihen würden sich entweder integriert oder als separater Portfoliobaustein einbinden lassen und könnten in beiden Fällen eine sinnvolle Ergänzung zu Positionen in entwickelten Märkten darstellen. (Ausgabe vom 09.04.2026) (10.04.2026/alc/a/a)
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