London (www.anleihencheck.de) - Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Politik können dazu führen, dass traditionelle Diversifizierungsstrategien ihre Wirksamkeit verlieren. "Es könnte an der Zeit sein, Strategien zur Inflationsabsicherung in Betracht zu ziehen, die in Vermögenswerte wie Rohstoffe, Aktien aus dem Rohstoffsektor oder Infrastruktur investieren", meint Adam Berger, CFA, Multi-Asset Stratege bei Wellington Management.
Es könne sich weiterhin lohnen, defensive Aktienstrategien und dynamischere Rentenansätze einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Welche Positionierungsmöglichkeiten sich Investoren zur Diversifizierung in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels bieten würden, könnten Anleger im folgenden Marktkommentar von Adam Berger lesen:
"Das Jahrzehnt nach der weltweiten Finanzkrise von 2008 war für die Wirtschaft und die Märkte eine Zeit relativer Ruhe. Inzwischen ist klar, dass wir diese Phase hinter uns gelassen haben: Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen haben den Grundstein für eine unbeständigere Zukunft gelegt. Zudem tragen, wie wir diesen Monat im Nahen Osten beobachten konnten, zunehmende geopolitische Turbulenzen zur Volatilität bei.
Meiner Meinung nach deuten diese Veränderungen auf eine Zukunft hin, in der die traditionellen Regeln der Diversifizierung nicht mehr immer gelten werden. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, indem sie Diversifizierung aus einer breiteren Perspektive betrachten und so widerstandsfähigere Portfolios aufbauen.
Was hat sich geändert und warum ist das wichtig?
In den letzten Jahren haben wir miterlebt, wie Handelsbarrieren errichtet und Lieferketten zerstört wurden. Dies wiederum hat zu einer größeren Streuung bei den politischen Maßnahmen der verschiedenen Länder - beispielsweise einer weniger koordinierten Zinspolitik und unterschiedlich starken haushaltspolitischen Anreizen - sowie bei ihren wirtschaftlichen Ergebnissen geführt.
All dies dürfte insgesamt zu einer geringeren Stabilität des Konjunkturzyklus führen. In Zukunft könnte sich die Wirtschaft schneller zwischen den verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus bewegen, zu denen auch Phasen mit stärker inflationsbedingtem Wachstum und Rezessionen gehören.
Das Thema Inflation ist entscheidend: Die Anleger haben sich lange auf die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen verlassen, um ihr Engagement zu diversifizieren (d.h., wenn sich Aktien schwergetan haben, haben Anleihen dabei geholfen, dies abzufedern). Eine höhere Inflation kann jedoch zu einer positiven Korrelation zwischen Aktien und Anleihen beitragen. In der Regel treibt sie die Zinsen nach oben und die Anleihekurse nach unten. Gleichzeitig belastet sie die Aktienbewertungen und setzt die Margen unter Druck.
Damit will ich nicht sagen, dass Anleihen niemals Schutz vor einem Einbruch der Aktienmärkte bieten werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in Zukunft weniger verlässlich der Fall sein wird, ist aber ein wichtiger Grund, die aktuellen Portfolioallokationen zu überprüfen und nach neuen Diversifizierungsmöglichkeiten zu suchen.
Wo soll die Suche beginnen?
1. Hedgefonds
Die Erträge bestimmter Kategorien von Hedgefonds können unkorreliert zu traditionellen Anlagen sein. Das liegt unter anderem daran, dass diese Fonds eher auf aktives Risiko als auf Marktrisiko setzen. Dadurch sind sie potenziell eine attraktive "Allwetter"-Ergänzung für ein typisches Portfolio aus Aktien und Anleihen. Multi-Strategie-Fonds halten beispielsweise in der Regel nur ein geringes oder gar kein direktionales Engagement an den Aktienmärkten. Das kann dazu beitragen, sie vor starken Markteinbrüchen zu schützen. Diese Fonds kombinieren verschiedene Hedgefonds-Strategien, darunter Makro-, Long/Short-Aktien- und Long/Short-Anleihestrategien, um ein stabileres Risiko-Rendite-Profil zu erreichen. Durch den Einsatz verschiedener Strategien und die disziplinierte Steuerung ihres Gesamtrisikos bieten Multi-Strategie-Fonds die Möglichkeit, eine beträchtliche Diversifizierung auf Portfolioebene zu erreichen.
Angesichts der derzeit zu erwartenden erhöhten wirtschaftlichen und marktbezogenen Volatilität sollten Anleger auch ein Engagement in Long/Short-Aktienhedgefonds in Erwägung ziehen, um ihr traditionelles Aktienengagement zu ergänzen. Diese Fonds halten zwar ein direktionales Aktienengagement, dieses ist in der Regel aber deutlich geringer als bei einer herkömmlichen "Long-only"-Aktienanlage.
2. Inflationsgeschützte Vermögenswerte
Als sich vor einigen Jahren das oben beschriebene neue Konjunkturumfeld abzuzeichnen begann, kehrte nach langer Zeit die Inflation wieder zurück. Es kann sehr schwierig sein, die Inflation vorherzusagen - insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten. Daher halte ich den aktuellen Zeitpunkt für geeignet, um über die Aufnahme diversifizierender Vermögenswerte nachzudenken, die stärker auf eine sich verändernde bzw. steigende Inflation reagieren.
Zu den Anlageklassen, die typischerweise in Strategieansätzen zur Inflationsabsicherung oder zur Anlage in Sachwerten zum Einsatz kommen, gehören Rohstoffe, Aktien aus dem Rohstoffsektor, inflationsgebundene Anleihen, Immobilien und Infrastrukturanlagen. In der Vergangenheit haben viele dieser Anlageklassen in Phasen, in denen Aktien und Anleihen gleichzeitig an Wert verloren haben (z.B. in Zeiten steigender Inflation), eine positive Wertentwicklung verzeichnet.
3. Defensive Aktien
Defensive Aktienstrategien, die in Unternehmen mit in der Regel stabilen Gewinnen und Dividenden investieren, können einem Portfolio zusätzliche Stabilität verleihen. Sie weisen häufig ein niedrigeres Aktien-Beta (Marktsensitivität) auf und können dazu beitragen, das Risiko bei Marktabschwüngen zu begrenzen. Allerdings hinken sie bei starken Marktaufschwüngen auch meist etwas hinterher.
In jüngster Zeit waren defensive Aktien nicht besonders gefragt, da sie sich in einem auf Wachstum und insbesondere auf den Technologiesektor fokussierten Markt unterdurchschnittlich entwickelt haben. Doch selbst wenn der Technologiesektor seine Führungsposition noch eine Weile behalten sollte, bin ich der Meinung, dass defensive Aktien eine wichtige Rolle in einem Portfolio spielen und langfristig eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen könnten. Angesichts ihrer jüngsten Schwierigkeiten könnte dies für Anleger ein attraktiver Einstiegszeitpunkt sein.
Die zunehmende Konzentration an den Aktienmärkten hat dazu geführt, dass Anleger, die in einen nominell "breiten" Aktienindexfonds investieren, tatsächlich ein erhebliches Engagement in US-Aktien und den Mega-Cap-Technologieunternehmen halten, die den Markt angeführt haben. Vor diesem Hintergrund könnte eine weitere Möglichkeit zur Diversifizierung darin bestehen, den Anteil an Aktien aus Ländern außerhalb der USA, einschließlich der Emerging Markets (Schwellenländer), zu erhöhen.
4. Dynamische Rentenanlagen
Auch wenn Rentenwerte in bestimmten Phasen vielleicht kein wirksames Gegengewicht zum Aktienrisiko darstellen, wird diese Anlageklasse in den Portfolios weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Angesichts des aktuellen Umfelds mit relativ engen Spreads und niedrigen Zinsen sollten Anleger sich nach Möglichkeiten zur Steigerung der Dynamik ihres Anleihenportfolios umsehen. Dazu können Total-Return-Strategien sowie sektorübergreifende Strategien gehören, die darauf abzielen, durch Sektorauswahl bzw. -rotation Zusatzerträge zu erzielen. Weitere Möglichkeiten sind opportunistische Strategien, die sich auf aktuell unbeliebte Sektoren konzentrieren, denen eine Erholung bevorsteht, sowie am Anleihenmarkt aktive Hedgefonds." (09.04.2026/alc/a/a)
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