Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
07.04.26 12:47
Eurozone Inflation steigt auf 2,5%: Energiepreise treiben neuen Preisschub

Wien (www.anleihencheck.de) - Die HVPI-Inflation im Euroraum stieg im März auf 2,5% im Jahresvergleich, während die Kerninflation bei 2,3% p.a. lag, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Beide Werte seien damit leicht unter den Erwartungen ausgefallen. Dennoch habe der Anstieg der Energiepreise die Gesamtinflation deutlich von 1,9% p.a. im Februar nach oben getrieben. Die Energiepreise seien im Monatsvergleich um 6,8% gestiegen, vor allem getrieben durch Kraftstoffe (+15% p.m.), was mit dem fast 40%-igen Anstieg des Brent-Preises im Monatsverlauf übereinstimme. Dagegen seien die Haushaltsenergiepreise (Strom und Gas) bislang nur um etwa 0,8% p.m. angestiegen, was einen vergleichsweise gedämpften Anstieg darstelle – ein Hinweis darauf, dass regulierte Tarife und Preisfriktionen die Weitergabe an Endverbraucher verzögerten. Die Nahrungsmittelinflation scheine sich bei 2,5% p.a. stabilisiert zu haben; die jüngsten Anstiege bei Kraftstoff- und Düngemittelkosten dürften sich nur schrittweise auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Die Dienstleistungsinflation sei auf 3,2% p.a. zurückgegangen (in etwa das Jännerniveau), obwohl Italien wegen der Olympischen Winterspiele temporär einen Auftrieb verzeichnet habe. Die größte negative Überraschung habe es bei den nicht-energiebezogenen Industriegütern gegeben: Die Güterinflation sei von 0,7% p.a. im Februar auf 0,5% p.a. gefallen. Die stärksten Rückgänge seien in Frankreich, Spanien und Italien beobachtet worden; die statistischen Ämter hätten allerdings keine näheren Angaben zu den Treibern gemacht, sodass die Persistenz dieser Entwicklung unklar bleibe. Mit Blick nach vorne würden die Analysten im April mit einem weiteren Schritt nach oben bei der Gesamtinflation rechnen; der HVPI dürfte voraussichtlich über die 3%-Marke steigen. Die Kraftstoffpreise sollten aus der statistischen Perspektive erneut deutlich ansteigen (etwa um 10%), und die Analysten würden zudem einen sichtbareren Anstieg der Haushaltsenergiepreise erwarten. Wichtig sei: Die Analysten würden nicht davon ausgehen, dass die Kerninflation unmittelbar allein durch höhere Energiepreise deutlich anziehe; vielmehr sähen sie eine verzögerte Durchschlagswirkung, mit einem substanzielleren Effekt eher im Mai oder Juni. Die Veröffentlichung des Eurozonen-Sentix für April in der nächsten Woche werde Einblicke in die Stimmung unter Finanzmarktteilnehmern geben. Die Analysten würden einen weiteren Rückgang von -3,1 auf -6,4 Punkte prognostizieren.

Der US-Arbeitsmarkt sei auch im März für eine Überraschung gut gewesen. So sei die Beschäftigung exklusive Agrar mit 178 Tausend Stellen wesentlich stärker angestiegen als vom Konsens erwartet (+60 Tausend Stellen), während die Arbeitslosenquote von 4,4% auf 4,3% zurückgegangen sei. Neben den erwarteten positiven Einmaleffekten (insbesondere im Gesundheitssektor) würden die zugrundeliegenden Zahlen einen soliden Eindruck machen. Jüngste Sorgen betreffend einer akuten Verschlechterung des Arbeitsmarktes schienen also zumindest vorerst keinen weiteren Rückenwind zu bekommen. Nächste Woche liege der Datenfokus auch in den USA auf der Inflation. Die VPI-Daten für März würden in dieser Hinsicht aussagekräftiger sein als die PCE-Zahlen für Februar, da sie einen ersten Hinweis auf die inflationären Folgen der erhöhten globalen Energiepreise in den USA liefern würden. Angesichts des Anstiegs der Kraftstoffpreise und damit verbundener Bereiche wie Luftverkehr sei mit einem deutlichen Anstieg der Gesamtinflation zu rechnen, was die bereits erhöhte Inflationsdynamik weiter anheizen dürfte. Was die Stimmungslage angehe, habe der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe diese Woche mit seiner Widerstandsfähigkeit überraschen können. Für den Dienstleistungs-ISM werde allerdings dennoch ein Rückgang von 56,1 auf rund 55,0 Punkte im März erwartet, bedingt durch die gestiegene Unsicherheit. Für die endgültige Schätzung des US-BIP im vierten Quartal, welches in zwischenzeitlichen Revisionsrunden von 1,4% p.q. (annualisiert) auf 0,7% nach unten revidiert worden sei, werde derzeit kein weiterer Anpassungsbedarf gesehen; dementsprechend sollte das US-Wachstum zum Jahresende hin schwach gewesen sein. Die Dynamik sollte sich im ersten Quartal 2026 jedoch erholt haben (trotz erhöhter geopolitischer Unsicherheit), da das vierte Quartal klar durch den Rekord-Shutdown im Oktober und November gedämpft worden sei.

Noch sei keine Entspannung in der Straße von Hormus in Sicht, was zu anhaltend hohen, aber auch volatilen, Energiepreisen führe. Die Zinsmärkte würden den abwechselnden Signalen der Eskalation und Deeskalation folgen. In den letzten zwei Wochen sei die zusätzliche Neuausrichtung am Zinsmarkt aber begrenzt gewesen. Bund-Renditen aber auch Inflationserwartungen stünden auf ähnlichen Niveaus und mit Blick auf die EZB würden zwischen zwei und drei Zinserhöhungen gepreist. In den USA stehe das kurze Ende der Treasury-Renditekurve auf etwas niedrigeren Niveaus, da sich die Ansicht von Fed-Zinserhöhungen wieder zurückgebildet habe. Es scheine somit, als ob der Markt den aktuellen Status-Quo nach einer Phase der Unsicherheit für sich eingeordnet habe. Ob der derzeit vorherrschende Markt-Konsensus den tatsächlichen geopolitischen, geldpolitischen und makroökonomischen Entwicklungen auf Dauer standhalte, werde sich nun in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Vergleiche man die aktualisierten Prognosen mit der aktuellen Marktpositionierung, gebe es manche Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede. Eine proaktive EZB aber abwartende Fed in den nächsten Monaten sei sicherlich eine Gemeinsamkeit. Sollten die Wochen bis zur nächsten EZB-Zinssitzung Ende April keine nennenswerte Deeskalation bringen, werde sich die EZB, der Meinung der Analysten nach, für eine vorzeitige Zinserhöhung entscheiden. Nach den Erfahrungen von 2022 habe sich die Handlungsbereitschaft der EZB in einer Energiekrise die Leitzinsen zu erhöhen deutlich erhöht. Die Fed hingegen begehe die aktuelle Energiekrise mit Leitzinsen im moderat restriktiven Bereich. Keine Zinssenkungen vorzunehmen, biete bereits einen gewissen Schutz gegen Inflationsrisiken. Drei Zinserhöhungen der EZB und konstante Leitzinsen der Fed würden die Zentralbankprognosen der Analysten für 2026 bilden. Das ähnele den aktuellen Markterwartungen. Ins Jahr 2027 blickend teilten die Analysten die Marktpositionierung eines "Hoch-für-länger" jedoch nicht. Proaktive Zentralbanken gepaart mit einer konjunkturell nicht prickelnden Ausgangslage in Europa und einem schwächelnden Arbeitsmarkt plus dovishem Fed-Chair in den USA sollten ihrer Meinung nach Zinssenkungen im Jahresverlauf 2027 ermöglichen. Für die Bond-Märkte bedeute dies, dass die Analysten zwar kurzfristig noch Aufwärtspotential bei Benchmark-Renditen für möglich erachten würden, mittelfristig Renditen aber wieder tiefer notieren sollten. Da sie Renditeabwärtsdruck vor allem durch veränderte Leitzinserwartungen und nicht durch Rückgänge bei Durationsrisikoprämien erwarten würden, sähen sie eine Tendenz zu erneut steileren Kurven. Die nächsten Wochen würden volatil bleiben, neuerliche Renditeanstiege könnten aber im mittleren Laufzeitensegment durchaus attraktive Niveaus ergeben. (Ausgabe vom 03.04.2026) (07.04.2026/alc/a/a)



© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de