Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
02.04.26 15:25
Wie auf Eierschalen - der Irankrieg zwischen Rhetorik und Realität

London (www.anleihencheck.de) - In der kurzen Osterwoche bestimmen die Ereignisse im Nahen Osten weiterhin die Kursentwicklung, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Ähnlich wie Anfang letzter Woche hätten Anleihen und Aktien aufgrund einer plötzlichen Stimmungswende stark zugelegt, da die Ansicht vorherrsche, die Trump-Regierung könne kurz vor einem Ausstieg aus dem US-Iran-Konflikt stehen. In seiner jüngsten Rede habe Trump jedoch nichts Neues hinsichtlich möglicher Fortschritte bei einer Einigung geboten. Während die Rhetorik des US-Präsidenten (etwas inkohärent) auf ein relativ schnelles Ende der US-Beteiligung an dem Konflikt hindeute, sehe die Lage vor Ort anders aus - die USA würden ihre militärischen Kapazitäten in der Region weiter ausbauen.

Der Iran bestreite indes Fortschritte bei den Gesprächen und weise Trumps Äußerungen zurück. Anleger würden vor dem Hintergrund widersprüchlicher Signale im Ungewissen bleiben. Doch bei aller Unsicherheit seien zwei Punkte eindeutig:

- Erstens möchte die US-Regierung ein schnelles Ende des Konflikts und der damit verbundenen Belastungen für die Weltwirtschaft erreichen und dabei möglichst einen einseitigen Sieg verkünden.

- Zweitens bleibe die Straße von Hormus weitgehend gesperrt, während Raketen und Drohnen in der Region umherflögen und Öl- und Gasanlagen beschädigen würden.

Solange der Ölhandel beeinträchtigt bleibe, werde jeder schnelle Ausweg anhaltende und ungewisse wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen haben.

Das wahrscheinlichste Ergebnis könnte deshalb eine Art chaotischer Kompromiss sein. Die USA würden sich aus dem Konflikt zurückziehen, würden einen Sieg hinsichtlich der Schwächung der militärischen und nuklearen Fähigkeiten des Iran erklären, würden jedoch die Situation in der Straße von Hormus ungelöst lassen und würden chaotische Verhandlungen zwischen asiatischen und europäischen Ländern und dem Iran in Kauf nehmen, um den Schiffsverkehr wieder in Gang zu bringen.

Bei aller Unklarheit bestehe der Anlegerreflex fort, bei Kursrückgängen zu kaufen, genau wie beim Liberation Day im April letztes Jahr. Doch eine einfache Kehrtwende werde schwierig sein, wenn die Öl- und Gaspreise auf hohem Niveau bleiben würden und die Lieferketten stören würden. Es bleibe also reichlich Spielraum, die Selbstzufriedenheit der Börsen in Frage zu stellen und sich an neue Realität anzupassen.

Die Zinsmärkte hätten im Laufe der Woche die Phase der größten Panik hinsichtlich der Inflationsentwicklung und möglicher Reaktionen der Zentralbanken hinter sich gelassen.

Anleihen mit kurzen Laufzeiten hätten sich stabilisiert, und es zeichne sich möglicherweise ein Wechsel ab: weg von einem kurzsichtigen Fokus auf die Inflation und der Frage, um wie viel Basispunkte die Zentralbanken die Zinsen anheben müssten - hin zu Sorgen um einen Nachfragerückgang, die Auswirkungen auf Konsum, Wachstum und Arbeitsmärkte und damit der Frage, ob sogar eher Zinssenkungen gerechtfertigt seien. Das Ergebnis wäre eine Verschiebung, weg von einer abflachenden Zinskurve und hin zu einer Steilstellung.

In Japan werde sich die Entwicklung des Ölpreises, wie auch in anderen Volkswirtschaften, negativ auf die Inflation und das Wachstum auswirken. Die Daten dieser Woche seien indes gemischt ausgefallen: Der Tokyo Consumer Price Index - der als Signal für die Inflationsentwicklung in ganz Japan gelte - sei deutlich unter 2%, während der Tankan Survey, ein Barometer für das Geschäftsklima in Japan, von weiter steigenden Preisen ausgehe. Da der Yen zudem nahe bei 160 gegenüber dem US-Dollar notiere, würden die Märkte derzeit eine 50:50-Chance für eine Zinserhöhung der Bank of Japan im April einpreisen.

Bekanntermaßen sei die Premierministerin Sanae Takaichi sehr darauf bedacht, Wachstum zu erzielen. Daraus ließe sich das Argument ableiten, dass sie daran interessiert sei, eine Normalisierung des Zinsumfeldes durch die japanische Notenbank hinauszuzögern. Eine zurückhaltendere BoJ könnte jedoch Befürchtungen hinsichtlich einer länger anhaltenden Überschreitung des Inflationsziels schüren - und das belaste die Zinsstrukturkurve. Dowding bleibe jedoch optimistisch, dass sich das Verhältnis der zehn- und dreißigjährigen japanischen Staatsanleihen mittelfristig weiter abflachen könne.

Ausblick

Sobald Klarheit darüber herrsche, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln würden, werde sich auch die makroökonomische Ungewissheit lichten. Derzeit positioniere sich Dowding eher neutral und könne daher leichter eine bestimmte Haltung einnehmen, sobald sich die Lage beruhigt habe.

Aus fundamentaler Sicht würden sich die höheren Öl- und Gaspreise bereits jetzt weltweit auf die Volkswirtschaften auswirken. Politische Entscheidungsträger würden die Inflationsprognosen nach oben und die Wachstumsprognosen nach unten korrigieren.

Angesichts einer Flut von Widersprüchen sei es derzeit nicht so einfach, echte Signale von Störgeräuschen zu unterscheiden, so wie man es normalerweise erwarten würde. Die Märkte hätten dadurch das Gefühl, sich auf Messers Schneide zu bewegen.

Folglich scheine es für Anleger vorerst angebracht, sich vorsichtig zu bewegen und sprichwörtlich auf Eierschalen zu laufen. (02.04.2026/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de