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02.04.26 11:10
Die Inflationsgefahr ist wieder da - aber die Treiber sind andere als 2022

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während die globalen Märkte unter Druck stehen, weil die Konflikte zwischen den USA, Israel und Iran weitergehen, sehen sich Investoren erneut mit der Aussicht einen Inflationsanstieg konfrontiert, so Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management.

Der Anstieg der Anleiherenditen spiegele Erwartungen von Zinserhöhungen wider, nicht von Senkungen, da die Zentralbanken auf neue Inflationsdruck reagieren würden. Dennoch bleibe die Erinnerung an die Inflationswelle von 2022 lebendig, aber die aktuelle Situation sei wirtschaftlich und monetär deutlich anders.

Die Inflationswelle 2022-2023 sei primär nachfragegetrieben gewesen. Während der Lockdowns hätten die Haushalte erhebliche Ersparnisse aufgebaut, der aufgestaute Konsumdrang habe sich Bahn gebrochen und sei durch fiskalische Maßnahmen weiter angeheizt worden - besonders in den USA, wo Haushalte Direktzahlungen erhalten hätten. Zinssätze nahe null hätten die Preise für Vermögenswerte steigen lassen und der angespannte Arbeitsmarkt habe für reales Lohnwachstum und einen ausgeprägten Wohlstandseffekt gesorgt. Die Folge sei ein Ausgabenboom gewesen.

Angebotsseitige Faktoren hätten das Problem verschärft. Die globalen Lieferketten hätten nach der Pandemie unter anhaltenden Engpässen gelitten. Der russische Angriffskrieg habe einen Energieschock ausgelöst und die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe in die Höhe getrieben. Die lange andauernde Null-Covid-Politik Chinas habe für zusätzliche Störungen in Industrie und Produktion gesorgt. Gleichzeitig hätten die Zentralbanken zu spät reagiert und die Zinsen niedrig gehalten, was die Inflation gefestigt habe.

Im Jahr 2026 habe sich die Lage geändert. Die treibenden Kräfte der Nachfrageinflation seien weitgehend abgeklungen. Die aktuellen Inflationsängste seien fast ausschließlich auf Angebotsfaktoren zurückzuführen, insbesondere auf die Schließung der Straße von Hormus. Die gestiegenen Energiepreise hätten Auswirkungen auf Transport-, Produktions- und Lebensmittelkosten.

Im Gegensatz zu 2022 stünden die Verbraucher diesmal vor schwächeren Wachstumsaussichten. Vor allem in den USA habe der Arbeitsmarkt an Dynamik verloren und die fiskalischen Spielräume seien kleiner geworden. Die Geldpolitik sei jetzt im Euroraum und in den USA neutral und bleibe im Vereinigten Königreich restriktiv. Neben den Inflationsrisiken würden auch die Wachstums- und Stagflationsrisiken zunehmen.

Die Marktvolatilität sei hoch, befeuert durch Unsicherheit über die Dauer der Schließung der Straße von Hormus. Investoren reagierten auf jede neue Nachricht, was zu starken Schwankungen bei Rohstoffpreisen und Staatsanleihen führe. Bei früheren Episoden geopolitischer Volatilität unter der Trump-Regierung sei es immer zu einer starken Erholung risikobehafteter Vermögenswerte gekommen - ein Muster, das als "Taco"-Trade (Trump always chickens out) bezeichnet werde. Das aktuelle Szenario sei jedoch komplexer. Einen Krieg zu beenden sei nicht so einfach wie Zölle zurückzunehmen. Je länger der Konflikt dauere, desto größer sei das Risiko nachhaltiger Schäden: verzögerte Energieinvestitionen, gestörte Schifffahrt, steigende Versicherungskosten, sinkendes Unternehmensvertrauen und verschobene Expansionspläne.

Falls die erwarteten Zinserhöhungen Realität würden, könnten strengere Finanzbedingungen das Wachstum weiter bremsen und die Konsumaktivität dämpfen - ein deutlicher Gegensatz zur nachfragegetriebenen Inflation von 2022.

Für Anleiheinvestoren sei die aktuelle Lage besonders schwierig. Die Renditekurven würden mittlerweile die Erwartungen von Zinserhöhungen widerspiegeln, nicht von Senkungen. Die Zentralbanken würden eine offensivere Haltung verfolgen. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England möchten Fehler aus der Vergangenheit vermeiden und seien entschlossen, Inflationsrisiken entschlossen zu adressieren. Zwar habe die Eindämmung des Lohndrucks Priorität, aber der schwache Arbeitsmarkt könnte eine Lohnspirale wie 2022-2023 verhindern.

Während Kreditinvestoren direkte Engagements in betroffenen Sektoren vermeiden würden, würden sich indirekte Risiken nur schwer ganz eliminieren lassen. Bisher hätten sich die Kreditspreads als robust erwiesen und Neuemissionen von Anleihen hätten an Tagen mit wieder aufkommendem Optimismus von einer starken Nachfrage profitiert - ein Zeichen dafür, dass die Investoren weiterhin vorsichtig bleiben würden und über Liquiditätsreserven verfügen würden, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten. Grundsätzlich sei jedoch in den kommenden Monaten Vorsicht geboten. Risiken sollten eher reduziert, statt erhöht werden. (02.04.2026/alc/a/a)


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