Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
30.03.26 09:52
Eurozone: HVPI bei 2,7% erwartet - Energiepreise sorgen für Inflationsschub

Wien (www.anleihencheck.de) - Wir erwarten für den HVPI des Euroraums im März eine Jahresrate von 2,7% und eine Kerninflation von 2,4% - die Gesamtinflation läge damit deutlich über dem Wert vom Februar (1,9%), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Diese Entwicklung markiere den ersten spürbaren Preiseffekt des US-Iran-Konflikts auf die Verbraucherpreise. Energie stelle momentan den wichtigsten Übertragungskanal dar: Die Benzinpreise seien im Monatsvergleich um bis zu 15% nach oben gesprungen, während sich die Anstiege bei den Großhandelspreisen für Gas und Strom bisher nur begrenzt in den Haushaltsenergiepreisen niedergeschlagen hätten. Die Kerninflation bleibe im Jahresvergleich gegenüber Februar weitgehend stabil. Allerdings sei der Februarwert teilweise durch Einmaleffekte - namentlich die Olympischen Winterspiele in Italien - erhöht gewesen. Eine mechanische Korrektur im März sei zu erwarten gewesen, sei jedoch weitgehend durch anziehende Kosten in anderen Bereichen der Wirtschaft zunichtegemacht worden. Wichtig sei: Störungen in der Straße von Hormus würden längst nicht nur Öl und Gas betreffen. Sie würden sich auf zahlreiche industrielle Vorprodukte auswirken - etwa Schwefel, Kunststoffe, Aluminium und Düngemittel - und so den Kostendruck in den Fertigungs-Lieferketten verstärken. Die März-PMI-Erhebung bestätige, dass die Hersteller im Euroraum mit höheren Inputpreisen konfrontiert seien und bereits begonnen hätten, ihre Verkaufspreise anzuheben.

Der Dienstleistungssektor sei kostenmäßig bislang weitgehend abgeschirmt gewesen und melde nur moderate Anstiege der Inputkosten sowie bislang keine Veränderung der Absatzpreise. Für die Zukunft sei mit einer Verstärkung der Inflationsimpulse zu rechnen: Höhere Energiepreise dürften zunehmend in die Haushaltsenergieabrechnungen durchschlagen, und steigende Herstellerpreise würden schrittweise in die Preise für Konsumgüter weitergereicht. Je länger der geopolitische Konflikt anhalte, desto größer werde das Risiko breitflächiger Zweitrundeneffekte, bei denen erhöhte Inputkosten sukzessive auch die Kerninflation antreiben würden.

In der Gesamtbetrachtung hätten die letzte Woche veröffentlichten PMI-Schnellschätzungen für März die angespannte geopolitische Lage nur zu einem Teil widergespiegelt. Während die Dienstleistungs-PMIs in Deutschland, Frankreich und dem Eurozonen-Aggregat deutlich nachgelassen hätten, hätten sich ihre Pendants für den Industriebereich vergleichsweise resilient präsentiert und hätten überraschenderweise sogar etwas zulegen können. Der Gesamt-PMI für die Eurozone habe vor diesem Hintergrund aber dennoch von 51,9 auf 50,5 Punkte abgenommen und der Ausblick im Falle langanhaltender Verspannungen sei klar negativ.

Eine Detailanalyse zeige bereits jetzt eine deutliche Verschlechterung etwa bei den Lieferzeiten und den Preiskomponenten. Je länger der Konflikt andauere, desto mehr werde sich auch die Gesamtstimmung weiter eintrüben. Nächste Woche stünden nationale Zahlen zum Industrie-PMI für Italien und Spanien zur Veröffentlichung an, auch diese sollten (noch) eine eher stabile Entwicklung des Industriebereichs andeuten. Die Stimmungsindikatoren der Europäischen Kommission (ESI) sollten ein ähnliches Bild wie die PMIs zeichnen. So würden die Analysten der RBI eine Verschlechterung des Dienstleistungsvertrauens von 5 auf 3,9 Punkte und eine marginale Zunahme des Industrievertrauens von -7,1 auf -7 Punkte erwarten. Das Wirtschaftsvertrauen sollte sich angesichts solcher Dynamiken von 98,3 auf 96,8 Punkte eintrüben.

In den USA liege der datenseitige Fokus diese Woche klar auf dem Arbeitsmarktbericht für März. Bis dato stünden im Jahr 2026 ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht im Jänner und ein überraschend schwacher Arbeitsmarktbericht im Februar zu Buche. Vor diesem Hintergrund falle es aktuell schwer, ein Urteil zur tatsächlichen Lage am Arbeitsmarkt zu fällen. Klar sei jedenfalls, dass die Abwärtsrisiken zuletzt wieder zugenommen hätten, sei die Abnahme der Beschäftigung im Februar doch recht breit über alle Wirtschaftssparten gefächert gewesen. Dennoch sollte kein Kollaps der Dynamik am Jobmarkt bevorstehen. Zwar lasse die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Unternehmen nach, allerdings sorge die restriktive US-Migrationspolitik zeitgleich für ein geringeres Arbeitsangebot, was etwaige Anstiege der Arbeitslosenquote begrenzen sollte. Auch hochfrequentere Indikatoren wie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe würden keine Anzeichen eines bevorstehenden Abschwungs zeigen. Die PMI-Schnellschätzungen in den USA hätten grundsätzlich ein vergleichbares Bild zur Eurozone gezeigt, mit einem (deutlichen) Anstieg des Industrie-PMIs und einem Rückgang bei den Dienstleistungen (welcher aber geringer ausgefallen sei als in der Eurozone). Diese Woche würden die ISM-Indikatoren weitere Einblicke in das US-Stimmungsbild erlauben.

Letzte Woche hätten die globalen Zinsmärkte ihren Aufwärtstrend fortgesetzt, der vor Wochen durch den Iran-Konflikt ausgelöst worden sei. Bund-Renditen und Swap-Sätze seien letzte Woche um rund 10 Basispunkte gestiegen. Die Kurve bleibe flach. Auch in den USA sei der Aufwärtstrend spürbar gewesen. Veränderungen bei den Erwartungen gegenüber den Zentralbanken seien sowohl im Euroraum als auch in den USA der Haupttreiber. Derzeit preise der Markt bis zum Jahresende drei bis vier Zinserhöhungen der EZB ein und sehe nun auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ebenfalls die Zinsen anheben werde.

Trotz unserer falkenhaften Einschätzung der EZB läuft der Markt Gefahr, zu weit zu gehen - was allerdings nicht überrascht, so die Analysten der RBI. Für die Fed werde vieles vom neuen Vorsitzenden abhängen, aber die Analysten der RBI würden bezweifeln, dass er darauf erpicht sein werde, Trump vor den Zwischenwahlen mit einer Zinserhöhung zu konfrontieren. Somit hätten die Renditeniveaus vor allem über einen langfristigen Anlagehorizont hinweg an Attraktivität gewonnen; kurzfristig hänge alles davon ab, ob der Krieg bald ein Ende finde. (Ausgabe vom 27.03.2026) (30.03.2026/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de