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27.03.26 11:12
Inflation ist wie Fieber: Warum die Inflation auch eine gute Seite hat

Paris (www.anleihencheck.de) - "Wow, ganz schön teuer. Vor nur einem Monat habe ich mein Auto für knapp 100 Euro komplett vollgetankt. Jetzt muss ich schon 130 Euro berappen. Dabei fahre ich schon zu kleinen Tankstellen, die weitab liegen, nicht so zentral in der Nähe von Autobahnen. Da soll es ja noch viel teurer sein. Verrückt, 30 Prozent Aufschlag binnen weniger Wochen," so Olaf Hordenbach ist Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas MÄRKTE & ZERTIFIKATE.

Der Krieg gegen den Iran sei längst im Alltag der deutschen Verbraucher angekommen. Und das habe Konsequenzen. Im Grunde genommen könne man jetzt die Uhr danach stellen, dass die Preise auf breiter Front anziehen würden. Auch wenn Öl heutzutage viel effektiver eingesetzt werde als vor 20 oder 30 Jahren, was man ja auch am sinkenden Benzinverbrauch der Autos sehen könne - am Ende sei der Ölpreis dennoch ein wichtiger Inflationstreiber. Keine Kartoffel auf unserem Tisch, die nicht mit Maschinen geerntet worden sei, keine Plastikfolie, die nicht mit Öl hergestellt worden sei, und selbst in Kleidungsstücken finde sich Öl. Ergo steige der Ölpreis, werde vieles teurer.

Also Zeit für "Inflationspanik"? Nein, denn abgesehen davon, dass Panik selten ein guter Ratgeber sei, brauche man vor Inflation eigentlich keine Angst zu haben. Nach dem Verständnis von Olaf Hordenbach sei Inflation eine "gesunde" Reaktion auf äußere Ereignisse - wie Fieber, das ausbreche, um den Körper vor der Ausbreitung von Krankheitserregern zu schützen. Die Inflation lasse die Kaufkraft sinken, was zu einem Rückgang der Nachfrage führe. Der "Körper", die Wirtschaft, könne sich wieder beruhigen. Und so habe auch der aktuelle Ölpreis, der ja eine Reaktion auf Lieferengpässe in der Straße von Hormus sei, am Ende ein positives Ergebnis. Die Nachfrage nach alternativen Energiequellen sei in den zurückliegenden Tagen stark gestiegen. Auch wenn hier noch keine endgültigen Zahlen vorlägen: Im März solle es einen richtigen Ansturm etwa auf Wärmepumpen gegeben haben. Bereits im Februar sei die Nachfrage in Deutschland nach staatlichen Heizungsförderungen um 23% gestiegen, und das sei ja noch vor Ausbruch des Krieges gewesen. Der "Körper" kämpfe um sein Überleben, und er werde es schaffen. Auch wenn das "Fieber", also die Inflation, zwischenzeitlich mal kräftig anziehe.

Aber von so großen Sprüngen bei der Inflation gehe Olaf Hordenbach derzeit ohnehin nicht aus. Den Kriegsparteien, allen voran den USA, sei klar, dass ein hoher Ölpreis auf Dauer schwierig sei. In Amerika stünden im November die Midterm-Wahlen an. Drohe den Republikanern eine Niederlage - und danach sehe es derzeit aus -, würden sie alles tun, um den Ölpreis zu senken. Selbst ein vorzeitiger Machtwechsel im Weißen Haus sei denkbar. Sehe man also den neuen Inflationszahlen, die am kommenden Montag für Deutschland veröffentlicht werden, einigermaßen gelassen entgegen. Die Inflation werde wohl zulegen, was aber am Ende nur zeige, dass sich der "Körper" wehre. (27.03.2026/alc/a/a)


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