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27.03.26 11:21
EZB und Fed zwischen Inflationsdruck und Kriegsrisiko

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die globalen Finanzmärkte befinden sich in einem Umfeld wachsender Unsicherheit, so Sören Wiedau, CEFA bei der Weberbank, in der aktuellen Ausgabe von "Finanzmarkt aktuell".

Die anhaltende Eskalation im Iran-Konflikt mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur und steigenden Öl- und Gaspreisen belaste die Risikobereitschaft der Anleger, während höhere Inflationsrisiken in Europa und ausbleibende Signale für baldige Zinssenkungen in den USA den Druck zusätzlich erhöhen würden. Zuletzt hätten Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran für eine Erleichterung an den Märkten gesorgt. Doch die fortgesetzte Eskalation in der Region und das gegenseitige Infragestellen diplomatischer Fortschritte würden weiter zu großen Verunsicherungen führen.

Der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran werde aus Sicht von Sören Wiedau die wirtschaftlichen Risiken in den USA und Europa steigen lassen. Entscheidend bleibe dabei die Entwicklung an den Energiemärkten. Solange die Versorgung über den Persischen Golf nur vorübergehend gestört werde, dürften die wirtschaftlichen Folgen beherrschbar bleiben. Erst bei einem längeren Konflikt mit dauerhaft höheren Öl- und Gaspreisen würde der Druck auf Inflation, Konsum und Unternehmensinvestitionen deutlich zunehmen. Neben Asien sei Europa für einen solchen Schock besonders anfällig, weil viele Länder stark von Energieimporten abhingen. Steigende Energiepreise würden die Kaufkraft der Haushalte belasten, die Produktionskosten erhöhen und vor allem energieintensive sowie exportorientierte Branchen treffen. Das spreche aus Sicht von Sören Wiedau in den kommenden Monaten eher für ein schwächeres Wachstum als für einen kräftigen Aufschwung. Gleichwohl gebe es auch stabilisierende Faktoren. Die Arbeitsmärkte in vielen Ländern würden bislang robust bleiben, und von staatlichen Investitionsprogrammen, etwa in Deutschland, könnten im weiteren Jahresverlauf positive Impulse ausgehen.

Die USA würden aus einer insgesamt stärkeren Position starten. Die Wirtschaft sei weniger abhängig von importierter Energie, der Binnenkonsum zeige sich widerstandsfähig und der Arbeitsmarkt bleibe stabil. Zwar würden höhere Benzinpreise die privaten Haushalte belasten und Transport und Produktion verteuern, doch die US-amerikanische Wirtschaft verfüge über größere Puffer als Europa. Hinzu komme, dass eine weiterhin solide Nachfrage und mögliche spätere Zinssenkungen die Konjunktur mittelfristig stützen könnten. Insgesamt steige damit aber das Risiko einer Phase mit schwächerem Wachstum und anhaltendem Preisdruck. Eine ausgeprägte Stagflation sei nicht das Basisszenario von Sören Wiedau. Vieles hänge davon ab, dass der Konflikt nicht weiter eskaliere und die Energieversorgung stabilisiert werden könne. Gelinge dies, dürften sowohl die USA als auch Europa die Belastungen verkraften, wenn auch mit geringerer Wachstumsdynamik als noch zu Jahresbeginn erwartet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stehe derzeit unter erheblichem Druck. Der Krieg im Iran habe die Energiepreise in Europa spürbar steigen lassen, was die Inflationsaussichten verschlechtere. Die EZB habe bislang abwartend reagiert, obwohl sie ihre Inflationsprognose nach oben und ihre Wachstumsschätzungen nach unten korrigiert habe. Auch in den USA habe die Notenbank (Fed) ihre Haltung verschärft. Die Federal Reserve habe den Leitzins zwar unverändert belassen, habe jedoch angedeutet, dass Zinssenkungen erst dann denkbar seien, wenn die Inflation wieder klar in Richtung Zielwert tendiere. Damit habe Fed-Chef Jerome Powell auf den jüngsten Anstieg der Erzeugerpreise und die Unsicherheit durch den Nahost-Konflikt reagiert. An den Rentenmärkten habe die neue Unsicherheit zu steigenden Renditen geführt, besonders bei kurzlaufenden Anleihen. Sören Wiedau erwarte für die kommenden Monate stabile Leitzinsen in Europa, allerdings sei die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen aufgrund der Inflationsgefahr gestiegen. Die Fed werde voraussichtlich abwartend bleiben und wahrscheinlich nur ein bis zwei vorsichtige Senkungen vornehmen. Entscheidend werde bleiben, wie sich die Energiepreise entwickeln würden und ob es zu einer Entspannung im Nahen Osten komme. Erst dann dürfte die Debatte über Zinssenkungen wieder an Fahrt gewinnen.

Die Aktienmärkte hätten im März spürbar auf die verschärften geopolitischen Spannungen reagiert. Insbesondere Angriffe auf Energieinfrastruktur sowie die anhaltende Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus hätten den Ölpreis zeitweise auf knapp 120 US-Dollar je Barrel steigen lassen. Damit sei das Risiko eines erneuten Inflationsimpulses bei gleichzeitig schwächerer Wachstumsdynamik wieder stärker in den Fokus gerückt. Die Reaktion der regionalen Börsen falle dabei unterschiedlich aus. Europäische Aktienmärkte stünden aufgrund ihrer höheren Energieabhängigkeit und ihrer stärker industriell geprägten Wirtschaftsstruktur unter größerem Druck.

In den USA würden demgegenüber eine robuste Binnenwirtschaft, strukturelles Wachstum im Technologiesektor sowie die hohe Preissetzungsmacht vieler Unternehmen stabilisierend wirken. Dennoch sprächen einige derzeit vorliegende Hinweise eher für eine Begrenzung der Eskalation als für eine nachhaltige Verschärfung. Die wirtschaftlichen Kosten einer weiteren Zuspitzung wären für alle Beteiligten erheblich. Vor diesem Hintergrund bleibe eine schrittweise Entspannung der Lage das Basisszenario von Sören Wiedau. Mit einer Normalisierung der Energiepreise würde sich auch der Inflationsdruck verringern und der geldpolitische Handlungsspielraum der Notenbanken wieder zunehmen. Vor diesem Hintergrund werte Sören Wiedau die aktuelle Marktschwäche als Korrektur innerhalb eines weiterhin intakten mittelfristigen Aufwärtstrends. Insbesondere in den USA würden die fundamentalen Rahmenbedingungen aus Sicht von Sören Wiedau tragfähig bleiben. Solides Gewinnwachstum, stabile Margen sowie strukturelle Treiber wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz würden die Ertragsentwicklung der Unternehmen stützen. Kurzfristig dürfte die Volatilität jedoch erhöht bleiben. Die Märkte würden weiterhin sensibel auf geopolitische Nachrichten und Entwicklungen an den Energiemärkten reagieren. Auch regional dürfte die Differenzierung anhalten. Während Europa in höherem Maße von externen Einflussfaktoren abhängig bleibe, würden die USA derzeit über die größere wirtschaftliche Widerstandskraft verfügen. (27.03.2026/alc/a/a)


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