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26.03.26 15:39
Widerstandsfähigkeit von Unternehmenskrediten

London (www.anleihencheck.de) - Der Konflikt im Nahen Osten weist Parallelen zum Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs auf: Es wird befürchtet, dass ein durch den Ölpreis ausgelöster Versorgungs- und Inflationsschock der Weltwirtschaft schaden könnte, so Tom Ross, Head of High Yield, und James Briggs, Corporate Credit Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Bislang hätten die Kreditmärkte gelassen reagiert und die Veränderungen der Credit Spreads unterschieden sich kaum von den Auswirkungen steigender Renditen bei Staatsanleihen auf die Zinssätze.

Der jüngste Anstieg der Credit Spreads falle im Vergleich zum Ausverkauf am "Liberation Day" im letzten Jahr eher verhalten aus, ganz zu schweigen vom Energiesektor-Ausverkauf 2015 nach dem Einbruch der Ölpreise oder dem Anstieg der Corona-Infektionszahlen.

Derzeit gehe der Markt davon aus, dass der Konflikt regional begrenzt bleibe. Allerdings könnten hohe Öl- und Gaspreise – eine Konsequenz aus dem von Iran verursachten Engpass für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren – erhebliche Auswirkungen auf Inflation und Konsum haben, sollten sie über einen kurzen Zeitraum hinaus anhalten. Bislang hätten sich die geopolitischen Schocks noch nicht in einer wesentlichen Verschlechterung der wichtigsten Wirtschaftsdaten niedergeschlagen. Vorerst würden die Experten dies eher als ein Volatilitätsereignis als ein Wirtschaftsereignis betrachten, das sich auf Inflation und Konsum auswirke.

Die Experten sähen mehrere Gründe für die überlegte Reaktion der Unternehmensanleihemärkte.

Erstens: Angesichts historisch niedriger Credit Spreads sei die Positionierung der Anleger derzeit eher zurückhaltend. Die meisten Anleger seien vor Ausbruch des Konflikts neutral positioniert gewesen und hätten auf attraktivere Bewertungen gewartet, um ihr Risiko zu erhöhen. Man erinnere sich an die Nervosität, die zu Jahresbeginn aufgrund der disruptiven Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) und der Befürchtungen im Bereich Private Credit geherrscht habe.

Zweitens: Dieses Jahr seien bereits Unternehmensanleihen in beträchtlichem Umfang begeben worden. Das Emissionsvolumen von US-Investment-Grade-Anleihen habe sich in den ersten zehn Wochen des Jahres auf 474 Milliarden US-Dollar belaufen – ein Anstieg um 6% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen von US-High-Yield-Anleihen und -Krediten (Leveraged Finance) habe 64 Milliarden US-Dollar betragen – ein Anstieg um 34% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum hätten sich die Emissionen europäischer Investment-Grade-Anleihen auf 170 Mrd. Euro belaufen – ein leichter Rückgang um 3%. Die Emissionen europäischer High-Yield-Anleihen hätten hingegen bei 23 Mrd. Euro gelegen – ein Anstieg von 40% gegenüber dem Vorjahr.

Das Ausmaß der Emissionen im Technologiesektor, insbesondere im Investment-Grade-Segment, habe Anlass zu großer Sorge gegeben. Die Hyperscaler hätten jedoch bei ihrer Kapitalbeschaffung gute Fortschritte erzielt; Oracle habe bekannt gegeben, dass für den Rest des Kalenderjahres 2026 keine weiteren Anleiheemissionen geplant seien. Insgesamt sei es den Unternehmen gelungen, bereits zu Jahresbeginn Kredite aufzunehmen, was den Druck, kurzfristig Anleihen auf den Markt bringen zu müssen, etwas verringern dürfte. Das bisherige positive technische Bild (Marktdynamik) dürfte bestehen bleiben.

Drittens: Bei der Nachfrage zögen höhere Renditen bereits renditeorientierte Käufer an, beispielsweise Versicherungsgesellschaften, wie die Experten aus informellen Berichten erfahren hätten. Die Renditen für US-High-Yields lägen wieder über 7%, während sie bei europäischen High-Yields bei 5,7% lägen. Bei US-Investment-Grade-Anleihen lägen sie über 5%, bei europäischen Investment-Grade-Anleihen bei 3,5%. Wie bereits erläutert, sei ein Teil der Renditeveränderung auf die steigenden Renditen von Staatsanleihen zurückzuführen, die höhere Inflationserwartungen widerspiegeln würden. Dies habe zu einer vorübergehenden positiven Korrelation zwischen Zinsen und Credit Spreads geführt, die in der Regel nur von kurzer Dauer sei.

Ein weiterer Stützpfeiler für die Credit Spreads seien die weiterhin insgesamt soliden Fundamentaldaten der Unternehmen. Die Gewinnerwartungen hätten sich nicht verschlechtert und stützten weiterhin die Bonität. Die kurzfristigen Gewinne hätten relativ niedrige Erwartungen zu erfüllen, da die Ergebnisse des ersten Quartals im Vorjahr durch Zollspekulationen gedrückt worden seien. Dies begrenze das Abwärtsrisiko für die bevorstehende Berichtssaison. Die Konsensprognosen deuteten auf ein solides Wachstum des Gewinns je Aktie von 20% im vierten Quartal gegenüber dem ersten Quartal hin und stünden damit im Einklang mit dem typischen Aufholprozess der Gewinne in der zweiten Jahreshälfte, wie er in den Vorjahren zu beobachten gewesen sei. Selbst wenn sich diese Prognosen letztlich als zu optimistisch erweisen sollten, sei die Zinsdeckung – also die Deckung der Zinsaufwendungen durch die Gewinne – sowohl bei Investment-Grade-Anleihen als auch bei Leveraged Finance (High Yield und Kredite) weitgehend stabil.

Da das makroökonomische Wachstum – insbesondere in den USA – weiterhin stabil sei, dürfte die Bonität robust genug bleiben, um Marktvolatilität aufzufangen. Dies schaffe ein günstiges makroökonomisches Umfeld für einen ausreichenden Cashflow, um die insgesamt stabilen und tragbaren Verschuldungsniveaus zu bedienen. Da die Gesamtrenditen auf einem attraktiven Niveau lägen, würden Fundamentaldaten und Gewinne als Anker dienen, der es Anlegern ermögliche, sich auf breitere Spreads zu konzentrieren, wo attraktives risikobereinigtes Potenzial ausgeschöpft werden könne. Dies sei besser, als wenn idiosynkratische Risiken oder geopolitische Volatilität die Anleger verunsichern würden und den Beginn eines ungünstigeren Kreditzyklus signalisieren würden.

Mit etwas Abstand betrachtet gebe es keine Anzeichen für einen breit angelegten Zyklus sinkender Gewinnerwartungen bei Investment-Grade- oder High-Yield-Anleihen. Die jüngste Marktvolatilität werde zunehmend eher durch spezifische als durch allgemeine Kreditrisiken getrieben, wobei sich der "Stress" ungleichmäßig auf die verschiedenen Sektoren und Emittenten verteile.

Ein Bereich, in dem sich dies gezeigt habe, sei die Softwarebranche. Hier habe die Dispersion stark zugenommen, und bei bestimmten Titeln sei es aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Umsatzverlagerung durch KI zu heftigen Kursschwankungen gekommen. Zwar mache Software nur einen kleinen Teil der High-Yield-Indizes aus, doch zeige sich die Volatilität stärker am Kreditmarkt, der zunehmend zweigeteilt sei, sowie bei Private Credit. Bei Krediten hätten sich selektive Chancen aufgrund von Fehlbewertungen ergeben. Gleichzeitig würden weiterhin CLOs, Hauptabnehmer von Krediten, aufgelegt, und viele Lagerstellen würden nach Krediten suchen, was die Nachfrage kurzfristig stütze. Dies sei wichtig, da sich Leveraged Finance in einem Umfeld mit leicht verfügbaren Refinanzierungsmöglichkeiten gut entwickle.

Der Private-Credit-Sektor sehe sich hingegen einem zunehmenden Rückzahlungsdruck ausgesetzt. Man beobachte Schlagzeilen über die Aussetzung von Rücknahmen bei Fonds und eine verstärkte Überprüfung von Vermögenswerten, während Banken gleichzeitig die Besicherungsbewertungen neu beurteilen würden und sich aus bestimmten Kreditbeziehungen zurückziehen würden. Dennoch scheine diese Anpassung schrittweise und ungleichmäßig zu verlaufen und sich eher langfristig zu vollziehen, anstatt unmittelbare Auswirkungen auf die öffentlichen Märkte auszulösen.

In diesem Zusammenhang müsse die angespannte Lage auf den Privatmärkten nicht zwangsläufig zu einer Destabilisierung der öffentlichen Kreditmärkte führen. Wenn Kapitalgeber vorsichtiger würden, würden sie dazu neigen, ihr Kapital konservativ umzuschichten, beispielsweise in kurzfristige Anleihen oder liquide Investment-Grade-Anleihen. Dies könne eine moderate, aber konstruktive technische Nachfrage auf den öffentlichen Märkten auslösen – insbesondere in einer Zeit, in der die Renditen attraktiver geworden seien und die Märkte dazu neigen würden, Gewinner zu belohnen.

Der Kreditmarkt werde zunehmend als eine Art K-förmige Wirtschaft beschrieben, in der sich die Kluft zwischen Emittenten mit höherer Bonität und schwächeren Anleihen weiter vergrößere. Stärkere Emittenten würden sich weiterhin widerstandsfähig zeigen, während schwächere Emittenten einer deutlicheren Neubewertung unterlägen. Dies zeige sich insbesondere in Europa, beispielsweise bei Emittenten mit einem Rating von B, wo sich die Spreads deutlich ausgeweitet hätten und Schwächen im Technologie- und Chemiesektor zu beobachten seien, auch wenn die Indexbewegungen insgesamt moderat bleiben würden. Die sich vergrößernde Kluft zwischen Anleihen mit B-Rating und Anleihen mit BB-Rating unterstreiche, dass Risiken nicht unterschiedslos über alle Kreditmärkte hinweg, sondern sehr spezifisch eingepreist würden.

Für Kreditinvestoren ergebe sich daraus eher eine schrittweise als eine umfassende Chance. Die Bewertungen hätten sich von ihren engsten Niveaus entfernt, seien aber noch weit von historischen Stresspunkten entfernt. Dies deute darauf hin, dass Spielraum für eine selektive Risikoerhöhung bestehe. Angesichts der insgesamt nach wie vor engen Spreads und der erhöhten makroökonomischen Unsicherheit komme es auf das richtige Timing und eine sorgfältige Auswahl an. Schließlich würden historische Analysen zeigen, dass Ölpreisschocks in der Regel Monate brauchen würden, um sich wieder dem Mittelwert anzunähern, sobald sich Konflikte stabilisieren würden.

Die Gelegenheit liege daher nicht in der Suche nach Beta, sondern im Fokussieren auf Dispersion und dem Hinzufügen von Risiko, wo eine Neubewertung signifikant gewesen sei und die Fundamentaldaten intakt bleiben würden, während man vorsichtig bleibe, wo die Bewertungen noch nicht angepasst worden seien. In diesem Sinne belohne das aktuelle Umfeld Geduld und Selektivität und ermögliche es Kreditinvestoren, konstruktiv zu agieren und darauf zu vertrauen, dass die Kräfte, die die Widerstandsfähigkeit stützen würden, weiterhin fest verankert seien und sich in einigen Fällen sogar verstärkt zu haben schienen. (26.03.2026/alc/a/a)


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