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24.03.26 09:40
Am Rentenmarkt dreifach gegen Inflation wappnen

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Entwicklungen in der Weltpolitik verändern die Aussichten an den Rentenmärkten grundlegend, insbesondere in Europa. Was jetzt die interessantesten Segmente sind, erläutert André Figueira de Sousa, Rentenfondsmanager von DPAM.

André Figueira de Sousa gehe davon aus, dass die EZB in den kommenden Monaten an ihrer Politik festhalten werde, wobei eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen sei. Vor dem Irankonflikt habe die Dynamik stark für Carry- und Risikostrategien gesprochen, gestützt durch eine widerstandsfähige Weltwirtschaft. Inzwischen habe der Rentenfondsmanager sein Spread-Engagement deutlich reduziert und auf eine ausgewogenere Allokation umgestellt.

Die Märkte dürften weiterhin höhere Inflationserwartungen einpreisen, sollte die Straße von Hormus unpassierbar bleiben. Dies dürfte zu höheren Zinsen führen. Ein vorsichtigerer Ansatz bei der Duration sei daher angemessen, eine weitere Verkürzung denkbar. Der Ölschock und ein möglicher Nachfragerückgang könnten zwar letztendlich zu niedrigeren Zinsen führen; die Märkte aber würden das Inflationsrisiko und mögliche Zweitrundeneffekte im Auge behalten.

1. Lange Zeit hinten: Inflationsgebundene Anleihen

Inflationsgebundene Anleihen könnten in diesem Umfeld eine gute Rolle spielen, auch für die Diversifizierung der Asset-Allokation. Sie würden einen sinnvollen Schutz vor Inflationsrisiken bieten, die vom Markt oft unterschätzt würden. Vor der Corona-Pandemie seien inflationsgebundene Anleihen oft hinter Nominalanleihen zurückgeblieben.

Das Umfeld sei heute ein völlig anderes - in den vergangenen sechs Jahren habe es bereits zwei Inflationsschocks gegeben. Der jüngste Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel habe zu weiterer Unsicherheit im Handel und auf dem Energiemarkt geführt. Hinzu kämen der verstärkte Protektionismus und die Zölle der US-Regierung.

Inflationsgebundene Anleihen würden insbesondere bei Laufzeiten von etwa 5-10 Jahren attraktiv bleiben. In diesem Bereich seien die Inflationserwartungen nicht so stark gestiegen wie am kurzen Ende. Da die Inflationsrisikoprämie in den nächsten Jahren steigen dürfte, biete dieses Segment überzeugende Chancen für Anleger, die ein Gleichgewicht zwischen Risiko und Rendite suchen würden. Seit Jahresbeginn würden inflationsgebundene Anleihen gegenüber Nominal- und Kreditanleihen outperformen. Das unterstreiche die Bedeutung einer gezielten Auswahl im aktuellen Umfeld.

2. Steile Kurve: Staatsanleihen (7-10 Jahre)

Staatsanleihen würden weiterhin attraktive Renditeaussichten bieten, insbesondere angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Dennoch seien viele Anleger hier untergewichtet. Vor dem jüngsten Konflikt habe die negative Korrelation zwischen Staatsanleihen und Aktien wieder aufgelebt, was ihre Rolle bei der Risikostreuung bekräftigt habe. André Figueira de Sousa bevorzuge weiterhin das 7-10-Jahres-Segment, wo die Kurve steil sei und Anleger von einem günstigen Roll-Down-Effekt profitieren könnten.

3. Ausgewählt sinnvoll: Kreditanleihen

Bei den Credits bevorzuge André Figueira de Sousa Staatsanleihen aus Kern- und Semi-Kernländern gegenüber denen aus Peripherieländern. Das spiegele die derzeitige Risikoaversion an den Märkten wider. Der Experte rechne nicht mit einer ungeordneten Ausweitung der Spreads. Dennoch sollte man diese im Auge behalten, um hinsichtlich staatlicher Unterstützungsmaßnahmen europäischer Länder, insbesondere jener mit erhöhten Schuldenquoten, wachsam zu bleiben. Eine selektive Länderallokation sei unerlässlich. (24.03.2026/alc/a/a)


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