Wien (www.anleihencheck.de) - Die Daten der laufenden Woche werden weitere Einblicke bezüglich der Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die derzeitige Stimmungslage erlauben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Tendenz sei dabei klar: Nachdem Sentix und ZEW schon Stimmungseinbußen angedeutet hätten, sollten das Konsumentenvertrauen und die PMIs für die Eurozone sowie der Ifo für Deutschland (alle für März) ähnliche Entwicklungen offenbaren. Das Konsumentenvertrauen sei bis zuletzt mit -12,2 Punkten eher verhalten. Die jüngst deutlich angestiegene Unsicherheit sollte dies nochmals verschärfen, man setze einen Rückgang auf -14 Punkte an. Noch klarer sollten die für die PMIs befragten Unternehmen die Lage beurteilen. Der Industrie-PMI für die Eurozone könnte wieder unter die wichtige 50-Punkte-Marke auf 49,5 Punkte fallen, und der Dienstleistungs-PMI dürfte ebenfalls nachlassen (51,9 auf 51,3 Punkte). Die PMIs würden auch in den USA erscheinen. Hier hätten Industrie und Dienstleistungen im Februar noch recht komfortabel über 50 Punkten gelegen (51,6 und 51,7 Punkte) - auch hier sollte ein negativer Effekt sichtbar werden, wenngleich schwächer ausgeprägt als in der Eurozone. Beim Ifo deuteten bereits verfügbare Indikationen darauf hin, dass insbesondere die Zukunftserwartungen gelitten haben dürften, weswegen man hier einen Rückgang auf 84 Punkte erwarte. Der angenommene Fall der Einschätzung der aktuellen Lage auf 85,9 Punkte erscheine im Vergleich gering, nichtsdestotrotz implizierten die prognostizierten Dynamiken eine klare Eintrübung des Geschäftsklimas (88,6 auf 85,5 Punkte). Klarerweise sei die genaue Auswirkung der aktuellen geopolitischen Verwerfungen auf die Stimmungslage schwer zu prognostizieren, sicher sei jedoch, dass das Sentiment sich immer weiter eintrüben werde, je länger der Konflikt anhalte.
Der Iran-Konflikt ziehe sich hin und habe aus Sicht des Energiemarktes diese Woche sogar noch an Schärfe zugenommen. Die Preise für Rohöl und Erdgas hätten unter Aufwärtsdruck gestanden und eine erhöhte Volatilität gezeigt. Gleichzeitig habe man weitere Einblicke erhalten, wie Zentralbanken die aktuelle Lage einschätzten. Mit Ausnahme der Reserve Bank of Australia, die diese Woche die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben habe, hielten die Zentralbanken die Leitzinsen vorerst unverändert - die SNB bei 0%, die EZB bei 2%, die FED bei 3,75% und die BoE bei 3,75%. Einige hätten sich jedoch handlungsbereiter gezeigt als andere.
Die EZB sehe man unter ihren Peers eher auf der falkenhaften Seite. Sollten sich die negativen Entwicklungen rund um den Krieg im Iran fortsetzen, sei eine Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung nicht auszuschließen. Die EZB nehme den Krieg im Iran nicht auf die leichte Schulter und habe bereits versucht, die neuesten Entwicklungen in ihren Prognosen zu berücksichtigen. Die Inflationsprognose sei nach oben korrigiert worden (+0,7 Prozentpunkte), während das Wirtschaftswachstum nach unten revidiert worden sei (-0,3 Prozentpunkte), hauptsächlich für 2026 und nicht für 2027 oder 2028. In einem ungünstigen Konflikt-Szenario wären die Revisionen deutlicher ausgefallen. Es sei auch erwähnenswert, dass im Basisszenario der EZB implizit ein bis zwei Zinserhöhungen angenommen würden. Ohne eine recht rasche Deeskalation bei der Straße von Hormus werde die EZB die Leitzinsen also eher früher als später anheben. Aus diesem Grund stelle man seine Zinsprognosen in Revision und gebe bereits Anfang nächster Woche neue Prognosen bekannt. Weitere Details zur EZB-Sitzung dieser Woche finden Sie hier!
Ein paar Stunden vor der EZB habe die SNB ihre Pressekonferenz in Folge ihres geldpolitischen Entscheids abgehalten. Zinssenkungen seien in der Schweiz vorerst jedenfalls komplett vom Tisch. Die aktuelle Krise habe in der Schweiz zu günstigeren Inflationserwartungen geführt. Obwohl die SNB ihre Bereitschaft betont habe, sowohl den Zinssatz als auch den Wechselkurs als Instrumente einzusetzen, habe der Fokus der Kommunikation eindeutig auf einer verstärkten Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt gelegen, um der schnellen Aufwertung des Franken entgegenzuwirken. Die auf die SNB-Sitzung folgende EZB-Sitzung am 19. März habe bereits eine gewisse Entlastung gebracht. Höhere Zinserwartungen und das wachsende Zinsdifferential zur EZB hätten den Druck auf den Franken etwas verringert. Dementsprechend blieben die Zinserwartungen für die SNB auch im adversen Szenario eines monatelang andauernden Konflikts im Iran stabil. Man sehe weder die Notwendigkeit für Zinssenkungen noch für Zinserhöhungen. Der Wechselkurskanal biete eine flexiblere Grundlage, um kurzfristig auf Preisentwicklungen zu reagieren. Im derzeitigen Mittelpunkt stünden dabei ihrer Meinung nach Fremdwährungsankäufe, die die Aufwertung des Franken begrenzten und somit die Preisstabilität gewährleisteten. Ein Ausgleich der Ölpreise durch eine gezielte Aufwertung der Währung erscheine im derzeitigen Inflationsumfeld nicht als unbedingt erforderlich und würde auch dem nach oben revidierten Inflationspfad widersprechen.
In Verbindung mit steigenden Energiepreisen hätten die Zinsmärkte schnell auf die Änderungen in der Wortwahl der Zentralbanken reagiert. Die Zentralbanksitzungen dieser Woche hätten zwar den Erwartungen entsprochen, aber auch die bereits bestehende Marktsichtweise bestärkt, dass mit einer eher restriktiven Zinspolitik zu rechnen sei. Für die EZB seien derzeit zwei bis drei Zinserhöhungen eingepreist, was seit Kriegsbeginn einen Anstieg der 2-jährigen Bund-Rendite um 55 Basispunkte und der 10-jährigen Bund-Rendite um 30 Basispunkte bedeute. Damit habe sich die Bund-Kurve deutlich abgeflacht. Am US-Treasury-Markt seien die Auswirkungen am kurzen Ende der Kurve weniger stark gewesen: 2-jährige UST-Renditen hätten um 40 Basispunkte zugelegt, während der Anstieg bei den 10-jährigen Laufzeiten ähnlich wie an den europäischen Märkten ausgefallen sei. Für die FED seien derzeit keine Zinserhöhungen eingepreist, aber auch keine Senkungen - wie zuvor - erwartet.
Die jüngste Volatilität an den Anleihemärkten sei aber kein Zeichen für einen dysfunktionalen Markt. Die Anleihemärkte preisten höhere Inflationserwartungen ein, insbesondere kurzfristig, und damit im Vergleich zu früheren Erwartungen einen höheren Leitzinspfad. Auch die Spread-Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen zeigten trotz der jüngsten Ausweitung keine Anzeichen von Stress. Daher sei die Stabilität der Finanzmärkte derzeit kein Grund zur Sorge für die Zentralbanken. Es bestehe keine Notwendigkeit, Instrumente zu diskutieren, die dem Markt Liquidität zuführten - sei es über Anleihekaufprogramme oder Refinanzierungsgeschäfte. Da die EZB noch dabei sei, ihre Bilanz weiter abzubauen, scheine die Hürde für den Einsatz ihres Transmission Protection Instrument (TPI) - ganz zu schweigen von umfassenderen Anleihekäufen im traditionelleren Sinne - hoch zu sein.
Zusammenfassend lasse sich sagen, dass sich der Krieg im Iran nun schon in die dritte Woche ziehe und kaum Anzeichen für eine Entspannung zu erkennen seien. Daher überprüfe man gerade seine makroökonomischen und Finanzmarktprognosen und werde sein neues Basisszenario in den nächsten Tagen veröffentlichen. (23.03.2026/alc/a/a)
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